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Baselbieter Burgund

In der Klus, einem kleinen Seitental bei Aesch BL, zaubert Ulrich Bänninger aus dem Traubengut einer Winzergemeinschaft ein klein wenig Burgund ins Baselbiet.

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Heiner H. Schmitt
21. Oktober 2019
Stimmt die Süsse? Ulrich Bänninger testet ein letztes Mal seinen Pinot Noir, bevor es an die Ernte geht.

Stimmt die Süsse? Ulrich Bänninger testet ein letztes Mal seinen Pinot Noir, bevor es an die Ernte geht.

Ulrich Bänninger schwärmt von seinen kalkhaltigen Juraböden, die für sehr mineralische und strukturierte Weine sorgen. «Das kommt den Pinot-Sorten entgegen, das ist fast wie im Burgund», sagt der 55-jährige Winzermeister und Mitinhaber der Tschäpperliweine GmbH über den Kluser Blauburgunder, den er für die örtliche Winzergemeinschaft keltert. Zwölf Winzer der Klus, dem kleinen, aber feinen Weinbaugebiet im basellandschaftlichen Aesch, liefern Bänninger hauptsächlich Blauburgunder, aber auch Weissweinsorten wie Gutedel und Riesling-Silvaner.

Daraus entstehen der Kluser Blauburgunder Burgeweg und sein weisses Pendant, der Kluser Cuvée Blanche Burgeweg. Angebaut werden die Weine der Gemeinschaft auf drei Hektaren. Das sorgt für eine fast schon exklusive Menge von rund 25 000 Flaschen jährlich. Aber auch das ganze Gebiet der Klus mit seinen rund 20 Hektaren Anbaufläche sowie die gesamte Anbaufläche von etwa 115 Hektaren im Kanton Basel-Landschaft sind Zwerge im Vergleich zu anderen Weinbaugebieten. Und weil die Klus versteckt in einem kleinen Seitental von Aesch liegt, «werden wir kaum wahrgenommen», sagt Bänninger. «Man sieht uns einfach nicht, dabei sind die Produkte sehr stimmig.» Und tatsächlich, gemessen an der produzierten Menge kann der Kanton Baselland mit dem besten Medaillenspiegel bei nationalen Weinprämierungen aufwarten.

Viel Sonnenschein

Dafür hat Bänninger auch viel geleistet. Seit 1986 ist er im Unternehmen für die Weinherstellung zuständig. Ursprünglich aus dem Zürcher Unterland kommend, hat er hier seinen Platz gefunden und kann seine Vorstellungen von Wein verwirklichen. «Ich wurde hier gut aufgenommen, traf auf ein tolles Weingut und einen ebensolchen Besitzer. Wir konnten auch einiges investieren und erreichen», erklärt er und fügt lachend hinzu: «Zudem haben wir hier Sonnenschein, wenn im Züribiet der Nebel hängt.»

Im Keller lagern die Schätze des Baselbiets. Schliesslich trifft hier die Pinot-Noir-Traube auf ähnliche Bodenverhältnisse wie im Burgund.

Dass es die Winzergemeinschaft überhaupt gibt, ist nicht zuletzt Coop zu verdanken respektive der damaligen Genossenschaft des Allgemeinen Consumvereins Basel, welche die Gemeinschaft organisierte und die «Weinverwertung» Klus-Aesch ins Leben rief. Und den Wein auch gleich selber kelterte. Das ging bis Mitte der 90er-Jahre so, dann wollte Coop den Wein nicht mehr selber machen. Das war die Stunde von Ulrich Bänninger, der den Wein seither herstellt. Dabei setzt er auf eine sehr naturnahe Produktion, verzichtet auf synthetische Pflanzenschutzmittel, verwendet keine Herbizide und treibt die Ökologisierung konsequent voran.

Grosse Freiheitsliebe

Auch setzt er vermehrt auf pilzresistente Traubensorten. «Eigentlich wären wir fast Bio-Knospen-tauglich», sagt er. Eine Bio-Zertifizierung ist für ihn aber zurzeit trotzdem kein Thema: «Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch. Wir haben uns 1291 von den Vögten befreit, und nun unterwerfen wir uns wieder.» Nichtsdestotrotz ist es für den zweifachen Vater, dessen Sohn auch bereits auf dem Gut mitarbeitet, eine Herzensangelegenheit, so nachhaltig wie möglich zu produzieren.

Basel-Landschaft AOC Kluser Burgeweg Pinot Noir 2018

Preis: Fr. 13.50/75 cl
Herkunft: Schweiz
Rebsorten: Pinot Noir
Genussreife: 2020–2022
Erhältlich: in den Coop-­Läden der Region oder bei Monodvino