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Beaujolais neu entdecken

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Illustration Jens Bonnke
14. November 2019
Der Genussmensch liebt den Wein so sehr, dass er ihn nicht nur trinkt, sondern auch darüber schreibt.

Der Genussmensch liebt den Wein so sehr, dass er ihn nicht nur trinkt, sondern auch darüber schreibt.

Beaujolais sei zurück, titelte kürzlich eine Fachzeitschrift. Das ist nicht selbstverständlich und weiterhin nicht in den Köpfen der Konsumenten präsent, denn keine andere Weinregion Frankreichs schleppt einen solch zweifelhaften Ruf mit sich wie diese. Das Image hat im Wesentlichen mit dem günstigen, banalen Jungwein Beaujolais Nouveau zu tun, der jeweils im November lanciert wird, drei Wochen nach der Ernte. Doch dieser Hype gehört schon längst der Vergangenheit an.

Was bleibt? Die Weinanbauregion Beaujolais muss sich quasi neu erfinden. Leichter geschrieben, als getan. Es gibt dort zwar eine neue Generation von Winzern, die überaus spannende, oftmals auch biologische, naturnahe Weine von bemerkenswerter Qualität keltern. Die Produzenten haben indes gegen ein weiteres Vor­urteil zu kämpfen. Die Königin der Beaujolais-Rebsorten ist die Gamay-Traube. Sie wird meist mit fruchtigen, leichten, süffigen Weinen gleichgesetzt. Doch das ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Denn es gibt Beispiele für Gamay-Weine, die – bei relativ bescheidenen Preisen – mit Komplexität, Sub­stanz, Tiefe, und Lagerfähigkeit beeindrucken – und mit einem unvergleichlichen Trinkfluss.

Die Elite ist fähig und willens, grosse Terroirweine zu produzieren. Im Beaujolais sind vor allem Granitböden vorherrschend, die perfekte Unterlage für ausdrucksstarke Weine. Zuoberst in der Hierarchie befinden sich die Crus. Sie tragen die Namen von zehn Dörfern – wohlklingende Namen wie Moulin-à-Vent, Morgon, Fleurie, Juliénas oder Brouilly. Es ist höchste Zeit, dass diese Ausnahmelagen wieder rehabilitiert werden.

Also gehe ich mit gutem Beispiel voran. Für meine November-Selektion habe ich zwei exzellente Beaujolais-Weine ausgewählt, die exklusiv auf Mondovino erhältlich sind. Zum einen ist es der Morgon Côte du Py 2017 der Domaines Piron, ein Cru mit schöner Aromatik, Kraft, Eleganz und einem langen Abgang (Fr. 17.50). Zum anderen ist es der Juliénas Classique 2016 der kleinen, feinen Domaine du Bois de Chat mit moderatem Alkohol­gehalt (Fr. 14.95), der jetzt mit viel Trinkgenuss bezaubert. Gute Qualität muss nicht immer teuer sein, wie diese beiden inte- ressanten Trouvaillen aus dem Beaujolais beweisen.