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Bei Wetlis fliesst Wein im Blut

In Berneck hat sich die Schmid Wetli AG den schonenden Umgang mit Trauben auf die Fahne geschrieben. Das Familienunternehmen produziert über 30 verschiedene Weine.

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Christoph Kaminski, Heiner H. Schmitt
21. Oktober 2019
Matthias Wetli (Bild) und seine Brüder legen Wert auf Regionales: Die Eichenfässer sind vom Küfer im Dorf.

Matthias Wetli (Bild) und seine Brüder legen Wert auf Regionales: Die Eichenfässer sind vom Küfer im Dorf.

Wenn es in der Ostschweiz einen Weinbaubetrieb gibt, der die Bezeichnung «Familienunternehmen» verdient, dann die Schmid Wetli AG in Berneck im St. Galler Rheintal. Die Gründerfamilie Schmid – die Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1860 – ist allerdings nur noch mit Namen am Unternehmen beteiligt. Denn 1985 übernahm Kaspar Wetli (62) die Firma, bei der er Anfang der Siebzigerjahre die Lehre gemacht hatte. Er wandelte den Betrieb um in eine Aktiengesellschaft. Noch heute sind er und seine Frau Susanne (59) die alleinigen Besitzer. Doch das Zepter führen mittlerweile drei ihrer vier Söhne: Kaspar jun. (35), Matthias (33) und Florian (31). Adrian (27), der vierte, sammelt derzeit noch Erfahrung auf anderen Weingütern.

Matthias ist der Allrounder. Nach seiner Lehre als Winzer in den Kantonen Genf, Aargau und Graubünden, bildete er sich während zweier Jahre an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg (D) zum Techniker für Weinbau und Önologie weiter. «Schon als wir klein waren, wussten wir, dass wir einmal Winzer werden wollen», sagt er, der unter anderem Erfahrungen auf Betrieben im Südtirol (I), in Mendoza (Argentinien) und in der Waadt sammelte. 2013 zog es ihn dann zurück nach Berneck. Die Gemeinde bei Heerbrugg SG ist mit ihren 42 Hektar Rebland übrigens das grösste Weindorf des Kantons. Vier Weinbaubetriebe sind hier zu Hause.

Matthias Wetli ist der Allrounder im Bernecker Familienbetrieb: Die Verkostung direkt vom Fass ist für ihn stets ein Erlebnis.

Grossteil ist Pinot Noir

Die Schmid Wetli AG vinifiziert die Trauben von 40 Hektar Weinberg, 17 Hektar davon sind in ihrem Be- sitz oder sie hat sie gepachtet, vier weitere bewirtschaftet sie in Lohnarbeit. 17 Traubensorten wachsen hier. Mehr als die Hälfte entfällt beim Rotwein aber auf Pinot Noir (auch Blauburgunder genannt) und beim Weisswein auf Riesling-Silvaner (Müller-Thurgau). Daraus produziert das Unternehmen 35 Weine. Fährt es, wie im letzten Jahr, eine Voll- ernte ein, ergibt dies rund 250 000 Flaschen Wein. «Damit haben wir unsere optimale Grösse erreicht», so Wetli.

Coop ist einer der wenigen Wiederverkäufer, der sich einen Teil dieser Produktion sichern konnte: In seinen Ostschweizer Verkaufsstellen vertreibt der Grossverteiler den extra für ihn produzierten Bernecker Pinot Noir. Den Rest verkauft die Schmid Wetli AG direkt in die ganze Schweiz, je zur Hälfte an Private und an Restaurants.

Matthias Wetli ist der Allrounder im Bernecker Familienbetrieb: Die Verkostung direkt vom Fass ist für ihn stets ein Erlebnis.

Das grosse Interesse ihrer vier Söhne hatten Kaspar und Susanne Wetli 2010 veranlasst, den Betrieb massiv auszubauen und eine neue Produktionshalle mit Keller zu erstellen. «Die dadurch optimierten Produktionsabläufe erlauben es uns, die Trauben betont schonend zu verarbeiten», sagt Matthias. Pumpen gibt es hier keine: Die Beeren fahren auf Förderbändern durch den Betrieb. «Wir versuchen auch, die Wertschöpfung möglichst in der Region zu behalten.» So kauft das Weingut zum Beispiel seine Barrique-Fässer nicht möglichst billig im Ausland ein, sondern lässt sie von der traditionsreichen Küferei Thurnheer GmbH aus regionaler Eiche produzieren. Gemeinsamkeiten verbinden eben: Thurnheer ist, wie Schmid Wetli, ein über 150 Jahre altes Bernecker Familienunternehmen. 

Zehntwein – Bernecker Pinot, 2016

Preis: Fr. 16.50/75 cl
Herkunft: Schweiz
Rebsorten: Pinot Noir
Genussreife: 2018–2021
Erhältlich: in ausgewählten Coop-­Läden der Region.