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Der Herr der bischöflichen Reben

Cottinelli ist in Graubünden so etwas wie das Synonym für Weinhandel. Doch das in Malans GR ansässige Unternehmen ist vor allem der grösste Selbstkelterer Graubündens.

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Yannick Andrea, Heiner H. Schmitt
21. Oktober 2019
Produktionsleiter Gaudenz Thürer (l.) und Geschäftsleiter Loris Zanolari überzeugen sich vom guten Zustand der Trauben.

Produktionsleiter Gaudenz Thürer (l.) und Geschäftsleiter Loris Zanolari überzeugen sich vom guten Zustand der Trauben.

Ende September ist die Zeit, in der sich bei Weinbauern der Puls erhöht. Die Traubenreife geht ihrem Ende entgegen, die Weinlese sollte starten. Verkaufsleiter Loris Zanolari (40) und sein Produktionsleiter Gaudenz Thürer (38) überzeugen sich ein letztes Mal vom Zustand der Trauben. Das Jahr verspricht eine gute Ernte. «Darauf sind wir angewiesen», erklärt Zanolari, «denn im Weingeschäft geht es nicht mehr um Menge, sondern um Qualität.» Hier spricht zwar der Weinverkäufer, doch Loris Zanolari ist keiner, der nur die Arbeit mit sauberen Händen kennt. Der gelernte Kaufmann hat viele Stunden in den Reben verbracht. «Ich will alle Arbeitsschritte kennen, damit ich Verständnis für die Arbeit draussen habe», sagt er und fügt an: «Ich weiss jetzt, was es heisst, bei Regen und Kälte im Wingert zu stehen.»

Zanolaris Hauptgeschäft bleibt der Weinverkauf, und der ist anspruchsvoll geworden. In den letzten zehn Jahren habe der Weinkonsum in der Schweiz um etwa 15 Prozent abgenommen, die Zahl der Händler und Anbieter sei aber um 25 Prozent gewachsen, sagt Zanolari. Deshalb setze Cottinelli auf Qualität und Dienstleistung: gute Weine und die Auslieferung mit eigenen Fahrzeugen und eigenen Leuten. «So behalten wir Kontakt zu den Kunden, denn unsere Chauffeure wissen, was sie liefern.»

Die Weinhändler aus dem Puschlav

Cottinelli kann auf eine 150-jährige Firmengeschichte zurückblicken. Aus dem kleinen, 1868 gegründeten Kolonialwarenladen des Veltliners Johann Baptista Cottinelli (1833–1884) entstand einer der grössten Weinhändler und der grösste Selbstkelterer der Region. Dem Unternehmen gehören 22 Hektaren Reben in der Bündner Herrschaft und im Bündner Rheintal, mehr als die Hälfte davon konnte Cottinelli 1999 vom Bistum Chur übernehmen.

Auch das gehört zur Arbeit: Thürer und Zanolari verkosten ihren Wein und prüfen, ob er schon genug gereift ist.

Die jüngere Firmengeschichte von Cottinelli ist nicht einfach nachzuerzählen. 1994 wurde Cottinelli vom Puschlaver Weinproduzent Plozza übernommen. Plozza gehört heute mehrheitlich der Familie Zanolari, ebenfalls aus dem Puschlav. Das zeigt eines: Die Südbündner dominieren das Weinbusiness im Kanton. Seit 2017 ist der Standort Ma- lans des Unternehmens mit Weinhandel und -produktion in den Händen von Andrea (46) und Loris Zanolari. Dort werden jedes Jahr rund 200 000 Flaschen Wein produziert.

Einige davon finden sich natürlich im privaten Weinkeller von Loris Zanolari, der in eine Weinhandelsfamilie hineingeboren wurde. Derzeit haben es ihm neben den eigenen vor allem portugiesische Weine angetan oder er kredenzt seinen Gästen einen Weisswein aus Südfrankreich. Aber da gehe es mehr um die Überraschung. «Punkto Weisswein macht der Schweiz so schnell keiner was vor. Was hier produziert wird, ist schlicht sensationell.» Das schlägt bis in die Bündner Herrschaft durch. Selbst Cottinelli produziert neben 15 Rotweinen neun Weissweine, und die Liebe zum Weissen wachse. «Vor ein paar Jahren wurden in Graubünden nur etwa 20 Prozent Weisswein produziert. Heute ist es ein Viertel», sagt Zanolari. Noch aber ist die Bündner Herrschaft eine traditionelle Blauburgunder-Region, wo vor allem Pinot Noir produziert wird. 

Graubünden AOC Malanser Pinot Noir, 2018

Preis: Fr. 18.95/75 cl
Herkunft: Malans GR
Rebsorte: Blauburgunder
Genussreife: 2019–2024
Erhältlich: in den Coop-­Läden der Region.