Der Krankenpfleger im Weinberg | Coopzeitung
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Der Krankenpfleger im Weinberg

Winzer ist einer jener Berufe, in denen sich viele Quereinsteiger tummeln. Auch Manuel Bourquin gehört dazu. Nur: Bei ihm kam das Faible für den Wein erst später. Zuerst war da die Winzerstochter.

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Heiner H. Schmitt
21. Oktober 2019
Seine Reben haben die vielleicht schönste Aussicht in der Schweiz: Manuel Bourquin in Schernelz BE oberhalb des Bielersees.

Seine Reben haben die vielleicht schönste Aussicht in der Schweiz: Manuel Bourquin in Schernelz BE oberhalb des Bielersees.

Der Mann könnte die Millionenfrage bei «Wer wird Millionär?» sein: Was wird aus einem Krankenpfleger, der keinen Alkohol trinkt? Richtige Antwort: Winzer. Klingt verrückt, ist aber so. Wein, Alkohol ganz allgemein, spielte in Manuel Bourquins (43) Leben lange Zeit gar keine Rolle. Es schmeckte ihm ganz einfach nicht, und er konnte auch ohne Alkohol Spass haben. Und dann lernte er ausgerechnet eine Winzerstochter kennen.

In Küngoldingen AG bei Zofingen aufgewachsen, absolvierte Manuel Bäni, wie er vor seiner Heirat hiess, zuerst eine Lehre als Logistikassistent und liess sich danach zum Krankenpfleger ausbilden. In einem Chatraum schloss er Bekanntschaft mit einer Winzerstochter, wie er erzählt. «Das war noch vor Tinder, Parship und wie die Datingplattformen alle heissen.» Gefunkt hat es trotzdem. Inzwischen sind Manuel und Chantal (41) verheiratet, tragen beide Chantals Familiennamen, Bourquin, und sind Eltern von vier Kindern. Und mit Chantal begann Manuel Bourquins drittes Berufsleben. Er absolvierte die Winzerausbildung, und 2011 übernahm die junge Familie den Betrieb der Schwiegereltern in Schernelz BE oberhalb des Bielersees. Auf drei Hektaren Reben bauen sie acht Sorten Trauben an und keltern daraus 17 verschiedene Weine, pro Jahr rund 25 000 Flaschen.

Geselligkeit bei einem Glas Wein

Heute spielt Wein eine grössere Rolle in Manuel Bourquins Leben als früher. Vom Kampftrinker ist er jedoch weit entfernt. «Für mich ist Weintrinken ganz klar ein Genuss und hat nichts mit Menge zu tun», sagt Bourquin. Zu einem besonderen Anlass eine Flasche Wein aufmachen, das gehört auch in der Familie Bourquin zur Tradition. Schliesslich lebt sie in einer Gegend, in der Geselligkeit gern bei einem Glas Wein gepflegt wird. Aber wenn Manuel und Chantal zu zweit eine Flasche Wein aufmachen, wird sie meist nicht am selben Abend leer. «Ich trinke nach wie vor wenig. Das Gefühl der Betrunkenheit kenne ich nicht», sagt Manuel Bourquin.

Winzer Manuel Bourquin verkostet seinen Barrique-Wein und prüft, ob er schon ausgereift ist.

Einige von Bourquins Weinen wie den «Regent» findet man im regionalen Coop-Sortiment. Den Grossteil der Produktion verkauft er jedoch selber. Seine Kunden sind über die ganze Schweiz verteilt und werden von ihm persönlich beliefert. Wenn sie die Weine nicht grad am nächsten Tag haben müssen, stellt er Touren durch mehrere Kantone zusammen. «Da komme ich an einem Tag schon auf zwanzig Adressen, die ich anfahre», sagt Bourquin, «auch in der Ostschweiz.» Für ihn kein Problem, «mir macht das Autofahren Spass».

Der Betrieb von Manuel Bourquin ist in den letzten zehn Jahren stark gewachsen. Hatten seine Schwiegereltern 2009 noch rund 1,7 Hektaren bepflanzt, sind es heute drei. Zudem hat Bourquin den Weinkeller ausgebaut. Weitere Vergrösserungspläne sind vorerst auf Eis gelegt. «Jetzt ist eine Phase der Konsolidierung nötig.» Dennoch tüftelt der Winzer weiter an Optimierungen und setzt unter anderem eine Drohne beim Pflanzenschutz ein. Er brauche massiv weniger Wasser, könne die Mittel gezielter einsetzen und spare Zeit, begründet Bourquin. Und fügt ganz leise an: «Und es macht mehr Spass.» 

Bielersee AOC Regent Le Puissant, 2018

Preis: Fr. 16.95/75 cl
Herkunft: Schernelz BE
Rebsorte: Regent
Genussreife: 2019–2023
Erhältlich: in den Coop-­Läden der Region.