Die Lage macht den Unterschied | Coopzeitung
X

Beliebte Themen

Wein

Die Lage macht den Unterschied

FOTOS
Illustration Jens Bonnke
21. Oktober 2019
Der Genussmensch liebt den Wein so sehr, dass er ihn nicht nur trinkt, sondern auch darüber schreibt.

Der Genussmensch liebt den Wein so sehr, dass er ihn nicht nur trinkt, sondern auch darüber schreibt.

Nicht überall, wo Reben gepflanzt sind, wächst die gleiche Qualität heran. In der Ebene entstehen praktisch nie aussergewöhnliche Weine. Gefragt sind meistens bevorzugte Südlagen. Doch stets müssen mehrere Faktoren zusammenspielen, damit von einem herausragenden Weinberg gesprochen werden kann. Wesentlich ist immer die Kombination aus Bodenstruktur, Niederschlagsmenge, Luftströmungen, Exposition, Höhenlage sowie der Temperaturentwicklung im Laufe des Jahres und zwischen Tag und Nacht. Bewegen sich diese Bedingungen im idealen Rahmen, ergibt dies in der Regel die besten, langlebigsten und charakterstärksten Weine.

Das berühmteste Beispiel für eine Lagenklassifikation ist das Burgund. Die französische Weinregion unterscheidet in der Hierarchie zwischen den Grands Crus ganz zuoberst, danach kommen Premiers Crus, Village-Weine und schliesslich die einfachen Bourgogne- Gewächse. Nur: Wo Grand Cru darauf steht, ist nicht immer Grand Cru drin. Selbst innerhalb eines Rebbergs gibt es grössere Unterschiede. Der Grand Cru Clos Vougeot etwa ist unter rund 70 Besitzern aufgeteilt. In diesem Fall muss der Weinfreund wissen, welchem Winzer die Filetstücke dieser Lage gehören und wer die exzellentesten Weine erzeugt.

Das Burgund hat viele Nachahmer inspiriert. So hat der Verband deutscher Prädikatsweingüter eine privatrechtliche Klassifikation der besten Lagen etabliert, mit den «Grossen Gewächsen» an der Spitze. Es ist das erklärte Ziel der Initianten, den Erhalt der einzigartigen Kulturlandschaft zu sichern und den Stellenwert grosser trockener Weine aus Deutschland zurückzugewinnen. Und in Österreich spielt der Verein der Tra­ditionsweingüter eine Vorreiterrolle. Er definierte 53 Weingärten als «Erste Lagen» in den Anbaugebieten Kamptal, Kremstal, Traisental und Wagram. In diesem Jahr sind Wien und Carnuntum dazu gestossen.

Im Burgenland, einer der bekanntesten Weinregionen Österreichs, legen Spitzenbetriebe ebenfalls grossen Wert auf die Herkunft der Weine. Dies funktioniere jedoch nur dann, wenn man sich auf die Natur einlasse, sie beobachte und mit ihr in einem Dialog lebe, sagt Pia Strehn vom Weingut Strehn im Mittelburgenland. Das Gut hat viele Lagen mit unterschiedlichen Böden und ist spezialisiert auf die hochwertige Rebsorte Blaufränkisch. Für meine Peter-­Keller-Edition hat der Familienbetrieb einen exzellenten, dichten und eleganten Blaufränkisch 2017 abgefüllt (Fr. 24.95/75 cl, exklusiv bei Mondovino). Die Trauben stammen von 50-jährigen Reben aus dem Ort Neckenmarkt, wo wasserspeichernde Lehmböden mit einem hohen Kies-Anteil vorherrschen – eine einzigartige Lage.

www.mondovino.ch/peterkeller