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Wein

Diese Wiege des Weinbaus

18. Februar 2019

 Zwischen dem ostanatolischen Ararat, einem ruhenden Vulkan, und dem Kaukasus-Gebirge liegen die ältesten Weingärten der Welt. Rechts das Kloster Chor Virap, ein Nationalheiligtum der Armenier.

Weine aus Südafrika, Neuseeland oder Argentinien, die früher als exotisch galten, haben längst einen fixen Platz im Weinregal und in den Herzen gefunden. Und die Geniesser gelüstet es nach neuen Spezialitäten, die Sehnsucht nach fremden Ländern wecken.

Diese Sehnsucht, diese Abenteuerlust können Weinliebhaber im Kaukasus befriedigen. Die Länder rund um das Schwarze Meer haben eine Weinanbautradition, die mehrere Tausend Jahre zurückgeht. Archäologische Funde belegen, dass in Armenien schon vor rund 6000 Jahren Wein hergestellt wurde.

Einst Planwirtschaft, nun Export

Areni Ancestors Trinity Canyon 2016

Elegantes, fruchtiges Bouquet mit Noten reifer schwarzer Früchte, Gewürz- und Leder­aromen. Subtile, aber kräftige Tannine, eine ausgeprägte Säure sowie ein langer Abgang schaffen eine tolle Komplexität. Passt zu rotem Fleisch, würzigen Gerichten und Hartkäse. Fr. 37.95/75 cl bei mondovino.ch.

Richtig viel Wein produzierten die Kaukasus-Länder in der Sowjetzeit. Georgien war einer der Hauptweinproduzenten der UdSSR. Die Anbaufläche stieg rasant an – die Qualität, na ja, die Qualität war dann wieder ein anderes Thema. Armenien war für Weinbrand verantwortlich. Dadurch ging in diesem Land sehr viel des ursprünglichen Weinwissens verloren. Auch nach dem Ende der Sowjetunion blieb Russland lange ein wichtiger Exportpartner – rund 70 Prozent des georgischen Weines ging damals ins Nachbarland. Deshalb traf es die Kaukasus-Republik auch schwer, als Russland aus politischen Gründen 2006 einen Einfuhrstopp verhängte.

Der Boykott stellte sich als Chance heraus: «Dadurch wurden die Weinproduzenten gezwungen, ihren Horizont zu erweitern und nach neuen Rebsorten zu suchen. Die ziemlich süssen Rotweine entsprachen dem europäischen und amerikanischen Geschmack nämlich gar nicht», weiss Rebenspezialist José Vouillamoz (47). Dadurch sei das Land zur treibenden Kraft des Weinanbaus im Kaukasus geworden.

Amphorenweine aus Georgien sind weltberühmt diese traditionelle Art der Weinproduktion bringt spezielle Tropfen hervor.

Armenien musste nie unter einem Boykott leiden. «Dort war es die Diaspora, die sich stark für den Weinbau eingesetzt hat. Als ich 2003 zum ersten Mal im Land war, waren die Technologien noch sehr rudimentär und die Weine fehlerhaft», erinnert sich Mondovino-Experte Vouillamoz. Das habe sich inzwischen stark geändert.

Weine aus der Amphore

Die Weine aus dem Kaukasus gelten als Geheimtipp. Das liegt nicht zuletzt an der traditionellen Anbaumethode, die in beiden Ländern nach wie vor praktiziert wird. Dabei bauen die Winzer den Wein nicht in Edelstahl- oder Eichenfässern aus, sondern in Gefässen aus Ton, die in den Boden eingegraben sind – ähnlich wie die Amphoren, die in der Antike zur Aufbewahrung von Wein, Öl und anderen Lebensmitteln dienten. In Georgien heissen sie Qvevri, in Armenien tragen die zur Hälfte eingegrabenen Terrakotta-Gefässe die Bezeichnung Karas. Das Vorgehen bei der Weinbereitung ist ungefähr das Gleiche: Der Traubensaft kommt mit Schalen und Kernen in die Gefässe, die dann verschlossen werden. Der Wein gärt dann mithilfe natürlicher Hefen unterschiedlich lange – Rotweine meist ein halbes Jahr. So entsteht ein sehr urtümlicher Wein – die Vermutung liegt nahe, dass die Weine in der Antike ähnlich geschmeckt haben müssen.

Regionale Schätze

Nicht nur diese Ausbauart macht die Weine aus dem Kaukasus besonders. Auch die autochthonen Rebsorten – Trauben, die nur in diesen Gegenden vorkommen – haben ihren eigenen Charme. Zu Sowjetzeiten fast komplett vergessen, wurden viele solche Sorten in den letzten Jahren wieder­entdeckt. So zum Beispiel die Areni aus Armenien. «Diese Weine schmecken wie eine Mischung aus Nebbiolo und Sangiovese», schwärmt der Kaukasuskenner Vouillamoz. «Für mich gehört die Areni zu den zehn spannendsten Sorten weltweit.»