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Wein

Du Riesenflasche!

Grosse Flaschen, grosser Genuss: Weinliebhaber reissen sich um Magnum und Co. Zu Recht, denn es kommt tatsächlich auf die Grösse an. Alles, was Sie zu den «Big bottles» wissen müssen.

13. Mai 2019

Das Burgund in der Flasche: von der Demi, der kleinen halben Flasche, über die Magnum bis zur Balthazar.

Hammer! Dieser fiel vor neun Jahren bei einer Versteigerung des Auktionshauses Christie’s in Genf bei 304 375 Dollar – für eine Weinflasche. Was um alles in der Welt macht simplen Rebsaft so wertvoll? Klar, das Renommee des Guts: Château Cheval Blanc, ein legendärer Bordeaux-Cru. Sicher auch die Tatsache, dass es sich um einen Jahrhundertjahrgang handelte: 1947. Vor allem aber rissen sich die Bieter um das Format. Zur Versteigerung stand nämlich eine Imperial, also eine Sechs-Liter-Flasche.

Objekt der Begierde

So heissen die Grossformate

  • 1,5 Liter: Magnum
  • 3 Liter: Doppelmagnum (in der Champagne: Jeroboam)
  • 4,5 und 5 Liter: Jeroboam (in der Champagne: Rehoboam)
  • 6 Liter: Imperial (im Burgund und in der Champagne: Mathusalem)
  • 9 Liter: Salmanazar
  • 12 Liter: Balthazar
  • 15 Liter: Nebukadnezar
  • 18 Liter: Melchior (im Burgund Goliath, in der Champagne Salomon)
  • 27 Liter: Primat
  • 30 Liter: Melchidesech

Grossformate sind für Weinliebhaber etwas ganz Besonderes. Rar, begehrt und teuer, lassen sie das Sammlerherz höher schlagen. Das beginnt bei einer Magnum – der 1,5-Liter-Flasche, quasi «two in one» – und reicht bis zur 30-Liter-Melchidesech. Reine Angeberei? Nein, in Tat und Wahrheit geht es um weit mehr als die Optik. Natürlich sorgt so eine «Big bottle» bei Tisch oder als Geschenk für einen Wow-Effekt. Doch echte Kenner lieben sie aus einem anderen Grund. Wein entwickelt sich in grossen Flaschen anders. Besser. Denn er reagiert im Kontakt mit Luft. Über die Jahre mogeln sich kontinuierlich kleine Mengen Luft am Korken vorbei und lassen den Wein erst reifen, dann altern und schliesslich umkippen. Je weniger Luft er bekommt, desto länger bleibt er frisch.

Ein Versuch lohn sich

Und hier kommt die Grossflasche ins Spiel. Sie enthält zwar das Vielfache einer 0,75-Liter-Flasche, doch der Flaschenhals ist genauso eng. Das heisst, das Verhältnis von Wein und Luft ändert sich – zugunsten des Weins. Darum schlagen Grossformate jeden Jugendlichkeitsrekord. Probieren Sie’s mal aus: Verkosten Sie denselben Wein aus der Normalflasche und aus der Magnum. Wetten, die Mag- num steht knackiger da? Besonders bei Gewächsen, die Jahre im Keller überdauern sollen, etwa Bordeaux, Burgunder, Barolo oder Supertoskaner, lohnt sich also die Investition in die Grossversion.

Wie aber kommt der Wein ins Glas? Bei der Magnum noch kein Problem, doch sechs Liter oder mehr, plus Gewicht der Flasche, sind ja kein Pappenstiel. Darum gibt es für die Riesenbabys spezielle Weinwiegen, in welche man die Buddeln bettet. Mit einer Kurbel wird die Vorrichtung geneigt, bis der Wein herausfliesst.

Zuletzt noch die unvermeidliche Frage: Wer hat die grösste? Nun, die steht in der Schweiz! 3094 fasst die 4,20 Meter hohe Flasche und ist nicht wirklich zum Trinken gedacht, sondern die Attraktion eines Autohauses im Kanton Bern.