Ein fröhlicher Optimist | Coopzeitung
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Ein fröhlicher Optimist

Der Molasseboden gibt seinem Chasselas eine elegante Note, der Murtensee sorgt für ein ausgeglichenes Mikroklima und der Mont Vully schützt vor Nordwinden. Alain Besse hat allen Grund, ein zufriedener Winzer zu sein – trotz der ungebetenen Gäste im Rebberg.

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Heiner H. Schmitt
21. Oktober 2019
Die Chasselas-Trauben (l.) sind ausgereift und erntereif …

Die Chasselas-Trauben (l.) sind ausgereift und erntereif …

Friedlich und ruhig ist es hier oben, der Blick schweift weit übers Land hinunter zum Murtensee. Doch da fiept es plötzlich laut aus allen Rohren – es hört sich an wie bei den Lasergefechten aus den «Star Wars»-Filmen. Doch es sind die Schreie von Habicht, Falke, Bussard und Sperber, die hier aus kleinen Lautsprechern ertönen. «So versuchen wir, die Vögel vom Rebberg fernzuhalten», erklärt Winzer Alain Besse (56), der das Familienweingut Domaine de Villarose in Mur (Vully VD) in der dritten Generation bewirtschaftet.

Auch sein Vater Claude (85) steht im Einsatz gegen die Stare – mit der Schrotflinte im Arm. «Nur zur Abschreckung», beschwichtigt der Junior, «nie würde er einen Vogel abschiessen.» Zudem sind die Reben mit Netzen bedeckt – wenn die ungebetenen Gäste in Schwärmen einfallen, könnten sie innerhalb von wenigen Minuten grossen Schaden anrichten, weiss Besse. Trotz dieser und anderer Widrigkeiten – Frost, Hagelschlag und ein extrem trockener Sommer – beurteilt er das Weinjahr 2019 insgesamt positiv: «Der Ertrag wird zwar geringer ausfallen als im Vorjahr, aber wir erwarten eine sehr hohe Qualität.»

Handverlesene Trauben

Anfang Oktober hat die Weinlese auf der Domaine de Villarose begonnen. Dann sind ausser dem Team – bestehend aus Alain Besse, seiner Frau Patricia (55) und drei Angestellten – ein Dutzend Erntehelfer im Einsatz. «Handarbeit ist wichtig, damit nur die besten Trauben in den Keller kommen», sagt Besse. Neben den Früchten der eigenen Rebberge – etwas mehr als fünf Hektaren – verarbeitet die Domaine auch das Rebgut von weiteren zehn Hektaren benachbarter Weinbauern. Auf grossen Tischen werden die angelieferten Trauben kontrolliert, bevor sie in die Presse kommen.

… zudem baut Alain Besse Rotweine im Barrique aus.

Bei der Arbeit im Weinkeller setzt Alain Besse auf seine Erfahrung und auf eine klare Stilistik: «Ich mag reine, gradlinige Weine.» Neben Klassikern wie dem auch überregional bei Coop erhältlichen Chasselas (s. rechts) und einem Pinot Noir finden sich im Sortiment der Domaine auch Chardonnay, Sauvignon und Viognier bei den Weissweinen. Bei den Roten fällt auf, dass – ausser Pinot Noir und Merlot – alles Weine aus neu gezüchteten Rebsorten sind: Gamaret, Garanoir, Diolinoir und Cabernet Jura. «Diese Rebsorten haben sich bei uns bewährt», berichtet Besse, der im Rebberg ebenso wie im Keller offen ist für Neuerungen: «Wir haben in diesem Jahr bei gut der Hälfte unserer Reben auf den Einsatz chemischer Mittel verzichtet.» So setzte Besse gegen die gefürchtete Kirschessigfliege auf das Besprühen mit Mineralstaub, um die Insekten von der Eiablage auf den Trauben abzuhalten. «Das hat gut funktioniert.»

Mit besonderer Freude erzählt der Winzer, dass er den Familienbetrieb in einigen Jahren an die vierte Generation übergeben kann. Er hatte sich schon nach einem externen Nachfolger umgesehen, als Roxane (28), die mittlere seiner drei Töchter, von der Mathe­matik zum Weinbau-Studium wechselte. Nach dem Bachelor-Abschluss in Marseille (F) und praktischer Er­fahrung auf einem Weingut in der ­Provence kommt sie demnächst zurück in die Schweiz. 

Vully AOC Rochecombe 2018

Preis: Fr. 11.95/75 cl
Herkunft: Waadt
Rebsorte: Chasselas
Genussreife: 2018–2020
Erhältlich: in den Coop-­Läden der Region sowie bei Mondovino