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Ein Mann sieht blau

Als Öko-Pionier der Waadt kann Reynald Parmelin bei seinen Weinen nicht einfach ins Blaue hinein arbeiten. Doch er füllt sie in blaue Flaschen ab – verrückt, oder?

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Valentin Flauraud
25. Februar 2019

Biodynamisch: Der preisgekrönte Winzer Reynald Parmelin baut in seinem Weinkeller 18 Weine aus.

Draussen ist der Rebschnitt nahezu fertig, im Keller entstehen die Assemblagen und die ersten Flaschen des 2018ers werden abgefüllt. Ein vielversprechender Jahrgang – die Trauben wurden im letzten Sommer von der Sonne sehr verwöhnt. Auch in der Weinbauregion La Côte am Genfersee.

Auf dem 22 Hektar grossen Familienbetrieb Domaine La Capitaine in Begnins VD baut Reynald Parmelin (53) insgesamt 20 Rebsorten an – 60 Prozent weisse, 40 Prozent rote, alle auf biologisch-dynamische Weise. Seit fünf Jahren setzt er dabei auf Blumenwiesen: Sie bieten nicht nur Lebensraum für regionale Pflanzenarten wie Margerite, Witwenblume, Wiesensalbei oder Aufrechte Trespe, sondern auch für Insekten, die den Winzer beim Kampf gegen Reb-Schädlinge unterstützen.

Mit seinem Bruder Yvan (55), der den elterlichen Betrieb in Bursins VD führt, repräsentiert Reynald Parmelin die achte Generation dieser Winzer­familie. Auf der Domaine La Capitaine hat er seit der Übernahme 1994 konsequent den Bio-Weg eingeschlagen – damals eine Pioniertat im Kanton Waadt: «Man sagte mir, mit biologischem Anbau könne ich keine guten Weine machen. Ich wollte das Gegenteil beweisen», erzählt Parmelin, der mit seinem Betrieb neben der Bio-Suisse-Knospe seit 2010 das Demeter-Label führen darf. Das Ziel hat er erreicht: Die Kunden sind treu geblieben und Parmelins Weine wurden mehrfach ausgezeichnet, allein fünfmal mit dem Bio-Preis am Grand Prix du Vin Suisse.

Reynald Parmelin legt immer noch selber Hand an, wie hier beim Rebschnitt.

Weg vom Klischee

Unterstützt wird Parmelin das Jahr über nur von seiner Frau Susanne (50) und zwei Mitarbeitern: «Um die Qualität zu sichern, ist es mir wichtig, mit beiden Beinen im Rebberg und im Keller zu stehen. Biologischer Weinbau ist extrem anspruchsvoll.» Von Anfang an hatte er sich – neben der Arbeit im Einklang mit der Natur – zum Ziel gesetzt, alle technischen und kreativen Möglichkeiten des Weinbaus auszureizen. Mit den alten Klischees wollte er nichts zu tun haben – «Winzer mit grossem Bart und Zoccoli, die Wein in alten Flaschen mit Pergament-Etiketten machen …» Und so investierte Parmelin in die Technik: Eine Wetterstation liefert ihm alle zwölf Minuten aktuelle Messwerte zu Luft- und Blattfeuchte: «Die Daten werden im Computer verarbeitet und liefern uns wertvolle Hinweise zu Entwicklung und Gesundheit der Reben.»

«Du bist verrückt, Welsch!»

1995 begann er, seine Weine frech in kobaltblauen Glasflaschen zu präsentieren. Zu diesem unkonventionellen Schritt brauchte es Mut: Parmelin überlegte sechs Monate hin und her, bevor er sich traute – schliesslich sollten die Flaschen zur Visitenkarte des Weinguts werden. Sein Freund und Lehrmeister Werner Hohl, Winzer aus Stäfa am Zürichsee, bei dem Parmelin Anfang der 1980er-Jahre das Handwerk und Schweizerdeutsch gelernt hatte, zog ihn wegen der blauen Flaschen auf: «Du bist verrückt, Welsch!» Bis der Kollege eines Tages kam, um ihm die granatrote Flasche zu zeigen, die er selber für seinen Wein gewählt hatte … «Du bist noch schlimmer als ich!», lachte Parmelin.

Die Rebsorten von La Capitaine – vornehmlich Chasselas, Gamaret und Merlot – werden in Edelstahltanks, Amphoren und Fässern ausgebaut, nach Parzellen getrennt. «Unsere Reben wachsen in einer über fünf Kilometer verteilten Zone mit unterschiedlichem Mikroklima», erklärt Parmelin. Da dieselbe Sorte aus verschiedenen Lagen nicht zur gleichen Zeit reift, ermöglicht dieses Verfahren einen optimalen Ausbau der Weine.

Da Reynald Parmelin gemerkt hat, dass die Kunden heute mehr über die Weine wissen wollen, die sie trinken, kommt er gerne mit seinen Besuchern ins Gespräch und bietet Aktivitäten an. So kann beispielsweise jeder seine Flaschen selber abfüllen, verkorken und etikettieren. 

Domaine la Capitaine

Grosse Bio-Assemblagen

Naturaplan-Bio-Cuvée Noble Blanc La Côte AOC, 2017
Mischung aus Chardonnay, Pinot Blanc und Pinot Gris, mit schönem aromatischem Ausdruck. Passt zum Apéro mit Blätterteiggebäck oder zu Fisch. Fr. 21.95/75 cl, in grösseren Coop-Supermärkten.

Naturaplan-Bio-Cuvée Noble Rouge La Côte AOC, 2017
Mischung aus Cabernet Sauvignon, Gamaret und Merlot. Passt zu traditionellen Gerichten wie Berner Platte oder Waadtländer Saucisson. Fr. 24.95/75 cl, in grösseren Coop-Supermärkten.

Beide auch erhältlich bei Mondovino.

  Naturaplan-Bio-Cuvée Noble Blanc La Côte AOC, 2017

  Naturaplan-Bio-Cuvée Noble Rouge La Côte AOC, 2017