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Wein

Einmal Bordeaux, immer Bordeaux

Meine erste Annäherung war hoch­karätig: Vor rund 30 Jahren trank ich als Ahnungsloser ein Glas Château Margaux.

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Illustration: Jens Bonnke
18. März 2019

Der Genussmensch liebt den Wein so sehr, dass er ihn nicht nur trinkt, sondern auch darüber schreibt.

Der Wein – nichts weniger als ein Premier Grand Cru classé – war derart himmlisch, dass die Treue zu Bordeaux bis heute anhält. Wie die Flasche in meinen Weinkeller gekommen war, bleibt indes für immer ein Rätsel.

Angesichts des Rummels und der ungehemmten Preistreiberei müsste man sich eigentlich vom berühmtesten Weinanbaugebiet der Welt abwenden. Die grossen Namen kosten heute ein Vermögen und sind zu Luxus­produkten für Superreiche und Möchtegern-Reiche mutiert. Wahrscheinlich ist kein Wein 800 Franken oder noch mehr wert. Dennoch geht von Bordeaux eine Faszination aus, der man sich nur schwer zu ent­ziehen vermag.

Das hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen. Die guten Rotweine – daneben werden Weiss- und Süssweine produziert – vereinen Kraft und Eleganz, sind bekömmlich und gewinnen mit dem Alter an aromatischer Komplexität und Vielschichtigkeit. Und sie sind hervorragende Speisenbegleiter. Die Preis-Exzesse der Aushängeschilder wie etwa der Châteaux Lafite- Rothschild, Pétrus, Cheval-Blanc oder Palmer, zwingen die Liebhaber wohl oder übel zu neuen Strategien.

Vielfach geht vergessen, dass die Grands Crus classés sowie die tiefer klassifizierten Crus bourgeois nicht mehr als rund fünf Prozent der gesamten Produktion im Bordelais ausmachen. Unter dem Rest der vielfach anonymen Weingüter ist alles zu finden: billige Fassware, rustikale Tropfen für deutlich unter zehn Franken, aber auch Geheimtipps zu vernünftigen Preisen. Gerade in hervorragenden Jahren gelingt es manchem kleinen Namen, grosse Weine zu keltern. Ich habe für mein Mondovino-Raritäten-Sortiment entsprechende Beispiele aus dem superben 2015 gesucht – und gefunden. Der März-Monatswein ist ein ehrlicher, vorzüglicher Bordeaux Supérieur: Der Château Leroy-Beauval Rouge kostet weniger als 20 Franken (Fr. 17.50/75 cl). Auch die beiden anderen exklusiven Empfehlungen sind tolle Visitenkarten: Der Château Magondeau Beausite aus dem Fronsac (Fr. 18.50/75 cl) ist ein finessenreicher Merlot, der Château Cormeil-Figeac aus dem St.-Emilion (Fr. 29.95/75 cl) brilliert mit seiner komplexen, gut strukturierten und geschmeidigen Art. Es ist schon so: einmal Bordeaux, immer Bordeaux. 

www.mondovino.ch/peterkeller