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Anerkennung für grossartige Weine

Er ist der wichtigste Wettbewerb im Weinland Schweiz: Wer den Grand Prix du Vin Suisse erhält, hat allen Grund zur Freude. Und das zeigten die Sieger auch in diesem Jahr wieder an der Gala in Bern.

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Peter Mosimann
28. Oktober 2019
 Strahlende Sieger (v. r. n. l.): Chef Julien Hoefliger (49), Technik-Direktor Gilles Cornut (60), Chefönologe Rodrigo Banto (49) und Kellermeister Fabien Coucet (42) von der Cave de la Côte in Tolochenaz VD, dem «Weingut des Jahres 2019».

 Strahlende Sieger (v. r. n. l.): Chef Julien Hoefliger (49), Technik-Direktor Gilles Cornut (60), Chefönologe Rodrigo Banto (49) und Kellermeister Fabien Coucet (42) von der Cave de la Côte in Tolochenaz VD, dem «Weingut des Jahres 2019».

Die grösste Freude bei der Preisverleihung am letzten Donnerstag hatten Rodrigo Banto und das Team der Genossenschaftskellerei Cave de la Côte aus Tolochenaz VD. Für sie hatte der Abend schon turbulent begonnen, als sie in der Kategorie Chasselas die ersten beiden Plätze belegten: Den Grand Prix du Vin Suisse gabs für den «Coteau d’Aubonne», gefolgt vom «Luins Bravade», beide aus der Kollektion «Esprit Terroir». 

Noch grösser war der Jubel am Ende der Gala, als die Cave de la Côte erstmals auch als «Weingut des Jahres» geehrt wurde. Chef Julien Hoefliger sagte, er widme den Titel den Winzern, deren Rebgut die Genossenschaft verarbeitet: «Ohne deren Arbeit im Rebberg hätten wir das hohe Qualitätsniveau nicht erreichen können.»

Alles andere als Routine

Der Wettbewerb, durchgeführt von der Vereinigung Vinea und dem Fachmagazin Vinum, glänzte mit Rekordbeteiligung: Nach dem in Menge und Qualität ausserordentlichen Jahrgang 2018 wurden insgesamt 3254 Weine von 544 Kellereien angemeldet – eine Mammutaufgabe für die Jury. Auf die sechstägige Verkostung im Juni folgte die Vergabe von 373 Gold- und 581 Silbermedaillen.  Für die 80 Bestplatzierten in den 13 Kategorien gabs zudem eine Nominierung für den Final in Bern.

Alle Winzer, die Gala-Moderator Sven Epiney (47) nach und nach auf die Bühne rief, gehören zur Spitze des Schweizer Weinbaus. Und doch gab es Überraschungen – wie in der ersten Kategorie Rosé/Federweisser: Stephan Martin (49) hatte erst 1996 nach der Übernahme des Familienbetriebs in Ligerz BE von Feinmechaniker auf Winzer umgesattelt. Nun holte er gleich bei der ersten Finalteilnahme den Titel für seinen «Œil de Perdrix» an den Bielersee. Der Erfolg von Nina Wägeli (38), die vor einem Jahr den elterlichen Weinbaubetrieb in Buch bei Frauenfeld TG übernommen hatte, kam nicht ganz so unerwartet: Schon 2016 war der «Hüttwiler Renaissance» knapp am Sieg vorbeigeschrammt. Bei den Schaumweinen war das Traditionshaus Germanier Cave du Tunnel aus Conthey VS erfolgreich, dessen «Brut Millésime Blanc de Blancs» erstmals die Trophäe abräumte.

Bio – Weine mit Zukunft

Der Spezialpreis «Prix Bio» ging an den «Malvoisie Flétrie» von Sandrine Caloz (29) aus Miège VS, deren Betrieb bereits im Sommer als «Schweizer Biowinzer 2019» geehrt worden war. Die Trophäe überreichte Master of Wine Jan Schwarzenbach (42) von der Coop-Weinabteilung. Er betonte das Engagement der Bio-Winzer. Sie hätten eine grosse Zukunft, müssten sich aber ebenso weiterentwickeln wie der konventionelle Rebbau, meinte der studierte Agronom. 

In den vergangenen Jahren mehrfach im Finale war Weinbau Mariazell aus Sursee LU. Nun durfte Beat Felder (60) endlich ganz oben aufs Podest. Bei den weissen Assemblagen siegte «J Muscat Sec», eine Mischung aus Muscat Oliver und der pilzwiderstandsfähigen (Piwi) Neuzüchtung Solaris. In der Zentralschweiz sei inzwischen jeder dritte Rebstock eine solche Piwi-Sorte, betonte der Winzer, der auch als Rebkommissär im Kanton Luzern amtet.

In der Kategorie «andere sortenreine Weissweine» setzte sich «Trésor de Famille Petite Arvine» von Maison Gilliard aus Sion VS durch, der später auch noch mit dem Prix Vinissimo «Coup de Cœur» geehrt wurde. Dieser Spezialpreis, mit dem die Jury den insgesamt überzeugendsten Wein auszeichnet, ging auch bei den Roten an einen Wein aus einer uralten, landestypischen Walliser Rebsorte. Der Cornalin war schon fast vergessen, erlebt aber seit einigen Jahren eine wahre Renaissance: Die mit dem Prix Vinissimo ausgezeichneten Winzer, Vater Jean-Claude (59) und Sohn Renaud Favre (32) von Sélection Excelsus aus Chamoson VS, siegten zugleich in der Kategorie «andere sortenreine Rotweine». Uralt ist auch das Winzergeschlecht, das die Domaine des Clos des Pins in Dardagny GE führt. Marc Ramu (55) bekam für seinen ein Jahr im Barrique-Fass ausgebauten «Mandragore» den Titel in der Kategorie Gamaret. Beim Gamay räumte das Weinhaus Hammel SA aus Rolle VD ab mit «Les Ecots» aus der Lage «Clos de la George Grand Cru Yvorne».

Das Tessin bekommt Konkurrenz

Beim Pinot Noir kam Peter Gehring (50) zum zweiten Mal aufs Podest – mit Freudensprüngen: Das Weingut Gehring aus Freienstein ZH hatte zuvor bereits bei den Rosés den zweiten Platz belegt und stand nun an der Spitze mit dem «Barrique exclusive». 

Den Sieg in der Kategorie Merlot hatten die Tessiner Winzer früher oft unter sich ausgemacht. In diesem Jahr wollten die Romands bei der Entscheidung mitreden. Doch den Titel holte der «Ascona Riserva» von Terreni alla Maggia SA aus Ascona TI, den Önologe Giuseppe Spagnuolo (44) zwei Jahre im Barrique-Fass reifen lässt. Auch bei den roten Assemblagen ging die Trophäe in die Sonnenstube: Altmeister Feliciano Gialdi (73) und Önologe Fredy De Martin (53) vom Weinhaus Gialdi Vini SA aus Mendrisio TI hatten die Jury mit ihrem «Vigna d’Antan» überzeugt, einer Mischung aus gut zwei Dritteln Merlot mit Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc.

In der Kategorie Weine mit Restsüsse stand nochmals ein Ramu im Rampenlicht. Diesmal Mathurin Ramu (27), der seit 2016 das Familienweingut Domaine de Chafalet in Dardagny GE leitet. Sein «Elise» ist ein «vin paserillé» (Trockenbeerenauslese), elf Monate im Eichenfass gereift. Für die Kreation – benannt nach einer Tante, die den Kindern immer Süssigkeiten schenkte – bekam der Genfer auch den erstmals verliehenen «Prix Découverte – Trophée Elisabeth Pasquier», in Erinnerung an die frühere Präsidentin der Vereinigung Vinea.

Mehrere der ausgezeichneten Weine sind in limitierter Menge bestellbar unter: www.mondovino.ch