X

Beliebte Themen

Wein

Grüner wirds nicht

Der Norden Portugals ist kühl und regnerisch. Und Heimat des Vinho Verde. Dieser leichte Tropfen ist der Erfrischer, der Durstlöscher, der Wach- und Muntermacher unter den Weissweinen.

FOTOS
Getty images, zvg
01. April 2019

Und schon brauen sich die nächsten Regenwolken zusammen. Im Anbaugebiet des Vinho Verde fällt dreimal so viel Niederschlag wie in London.

Da kratzt man sich erstaunt am Kopf: Der frühlingshafteste aller iberischen Weine kommt aus der regnerischsten Ecke Portugals. Die Rede ist vom Vinho Verde. Er wächst im nordwestlichsten Zipfel des Landes, nahe dem brausenden Atlantik. Übersetzt heisst sein Name «grüner Wein» – und auch das scheint nicht ganz logisch, denn grün ist dieser Tropfen gar nicht. Stattdessen schimmert er in transparenter Blässe, fast wie Wasser. Den Zusatz «verde» trägt er, weil man ihn am besten ganz jung trinkt, wenn er praktisch noch grün hinter den Ohren ist. Und wie Wasser rinnt er auch die Kehle hinab: unkompliziert, erfrischend, leicht perlend und ungeheuer durstlöschend. Kurz: Spass im Glas!

Unklare Familienverhältnisse

Ob das wohl die Mönche im Sinn hatten, die im Mittelalter die ersten Alvarinho- Reben auf dem Jakobsweg im Gepäck mitbrachten? Man sagt, die Sorte stamme ursprünglich vom Rhein – laut dieser These würde Alvarinho «der Weisse vom Rhein» bedeuten. Möglicherweise ist er mit dem deutschen Riesling verwandt. Doch ganz wurden Ursprung und Familienverhältnisse der Traube bisher nicht geklärt. Klar ist nur: Es ist eine Kühlwettersorte. Im Regenloch der Iberischen Halbinsel – in der Region Minho, der Heimat des Vinho Verde, fällt dreimal so viel Niederschlag wie in London! – fühlt sie sich pudelwohl. Ergänzt wird sie durch andere alteingesessene Trauben wie Loureiro, Avesso oder Treixadura.

Auch zu Muscheln, einem der Schätze des nahen Atlantiks, passt der Vinho Verde hervorragend.

So schmeckt der Frühling

Die Mönche können beruhigt sein, der Vinho Verde hat viele Tugenden: wenig Alkohol, meist unter zehn Volumenprozent, dafür umso mehr Geschmack. In die Nase steigen Apfel, Zitrusfrucht und feiner Blütenduft, am Gaumen sorgt eine prickelnde Säure für wohlige Gänsehaut. Das macht Lust auf mehr – und auf Meer! Fantastisch passt er zu den Schätzen des nahen Atlantiks, zu grillierten Sardinen, fleischigen, tieforangefarbenen Miesmuscheln, grossen Krebsen und zu einem ganz schrägen Tier: der Entenmuschel. Dieses kleine Schalentier sieht aus wie ein Elefantenfüsschen und wird von den einheimischen Fischern unter Lebensgefahr von den wellenumtosten Felsen vor der Küste abgepflückt.

Vinho Verde eignet sich aber auch ganz hervorragend für Mixdrinks. Machen Sie den Portugiesen mit einem Schuss Crème de Cassis und einer Handvoll Brombeeren zum Kir. Tun Sie so, als wäre er Sangría, mit Orangenrondellen, kernlosen Trauben, frischen Nektarinenschnitzen und einem Schlückchen Cointreau. Oder mixen Sie ihn zu einer leichteren, bekömmlicheren Version des Hugo oder Aperol Spritz. Wie Sie ihn auch trinken: Mit Vinho Verde nehmen Sie den Frühling auf die leichte Schulter!