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Gut, besser, Pinot Noir

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Illustration Jens Bonnke
28. Juli 2019

Der Genussmensch liebt den Wein so sehr, dass er ihn nicht nur trinkt, sondern auch darüber schreibt.

Die englische Weinkritikerin und Master of Wine Jancis Robinson schwärmt: «Der Pinot Noir ist imstande, himmlisch duftende, prachtvoll fruchtige Weine hervorzubringen.» Ich schliesse mich diesem Urteil gerne an, denn die Sorte ist wie Riesling geradezu prädestiniert, ihre Herkunft und ihr Terroir in perfekter Form auszudrücken. Wer Eleganz und Raffinesse liebt, ist damit hervorragend aufgehoben. Es sind Weine, welche die Seele berühren – wenn alle Parameter stimmen.

Mondovino-Experte

Peter Keller

Der Genussmensch liebt den Wein so sehr, dass er ihn nicht nur trinkt, sondern auch darüber schreibt.

Weitere Informationen hier: https://www.mondovino.ch/peterkeller

Pinot Noir macht es nämlich niemandem leicht, weder den Winzern noch den Konsumenten. So braucht er ein eher kühles Klima sowie die richtigen Standorte. Nur wenn die Erträge limitiert werden, entstehen Spitzenweine. Sonst sind es ausdruckslose, dünne Tropfen. Davon gibt es leider mehr als genug, was viele Kunden abhält, Pinot Noir zu geniessen. Zudem hat die Traube eine vergleichsweise dünne Haut – das macht sie anfällig für Fäulnis. Und es hat weiter zur Folge, dass die Weine nicht sehr farbintensiv ausfallen, sondern durch ein helleres Rot gekennzeichnet sind. Dies wird irrtümlicherweise von vielen mit minderer Qualität gleichgesetzt.

Am bekanntesten für Pinot-Noir-Weine ist das Burgund. In diesem französischen Anbaugebiet wird die Rebsorte nachweislich seit dem 14. Jahrhundert kultiviert, und wahrscheinlich schon länger. Aber viele Appellationen sowie die unter zahlreichen Produzenten aufgeteilten Parzellen machen es nicht leicht, sich in diesem Gebiet zurechtzufinden. Enorme Fortschritte verzeichnen die deutschen Winzer mit dem Spätburgunder, wie die Sorte dort genannt wird. Und nicht vergessen sei die Schweiz, wo der Pinot Noir die am meisten angebaute Rotwein-Traube ist auf einer Fläche von rund 4000 Hektaren. Noch ist hier die Bündner Herrschaft das Aushängeschild, doch in anderen Kantonen holen viele Winzer auf. Zu meinen Favoriten zählen etwa Michael Broger und Schloss Bachtobel aus dem Thurgau, das Weingut Besson-Strasser aus Zürich, Markus Ruch aus Schaffhausen, Tom Litwan aus dem Aargau und das Maison de la Carrée aus Neuenburg.

In der Bündner Herrschaft ist Annatina Pelizzatti aus Jenins Spitze. Die ruhige Winzerin hat für meine Peter-Keller-Edition den superben Malanser Pinot Noir 2017 produziert (Fr. 29.95 auf Mondovino) – ein Pinot Noir, wie ich ihn gerne mag.