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Wein

In der Champions League

Der Winzerbetrieb Maison Gilliard in Sion heimst an Prämierungen regelmässig Medaillen ein. Das freut niemanden mehr als Hansueli Pfenninger, den Chefönologen des Traditionsunternehmens. Der Fussballfan liebt den Wettstreit.

FOTOS
Peter Mosimann, Heiner H. Schmitt
21. Oktober 2019

«Einmalig» ? Hansueli Pfenninger rühmt die hervorragenden klimatischen Bedingungen in den Walliser Rebbergen.

Hansueli Pfenninger hat zwei grosse Leidenschaften: Wein und Fussball. Über sie redet der Chefönologe der traditionsreichen Weinkellerei Maison Gilliard in Sion wahnsinnig gerne, was umso leichter fällt, da er viel von beiden Dingen versteht. Er ist als geborener Zürcher zwar FCZ-Fan («das dürfen Sie ruhig schreiben!»), verfolgt aber als Wahlwalliser auch den FC Sion. Schon früh prognostizierte der 51-Jährige, dass «das mit Valon Behrami und den Sittenern nichts werden kann. Von mir aus könnte er seine Sachen packen und wieder gehen.» Was Anfang Oktober genau so eintrifft: Der ehemalige Nationalspieler macht sich in der Super League vom Acker.

Das Haus Gilliard aber spielt definitiv weiterhin in der Champions League. 1885 wurde das Weinunternehmen vom Waadtländer Edmond Gilliard gegründet. Am Clos du Mont oberhalb von Sion zog er seine ersten Rebstöcke hoch, aus deren Trauben er den legendären und vielfach prämierten Dôle des Monts entwickelte. Später kamen weitere Schauplätze in der Region hinzu, die von seinen Nachkommen genauso umsichtig bespielt und weiterentwickelt wurden.

Ein traumhaftes Klima

Heute bewirtschaftet Maison Gilliard im Rhonetal 65 Hektaren, auf Höhenlagen zwischen 550 und 680 Metern. «Hier herrschen perfekte Voraussetzungen», sagt Pfenninger, «es ist, als würden Messi und Ronaldo zusammen in einer Mannschaft spielen. Wir haben viel und bis spät­abends Sonne, dafür umso weniger Morgentau, weshalb unsere Reben weniger anfällig für Pilze sind. Und Hagel fällt in dieser Region auch selten.» Die bis zu 20 Meter hohen Trockenstein-Mauern, auf denen die Reben angelegt sind, sowie der fruchtbare Boden tragen ihren Teil dazu bei, dass sich die Trauben hier so günstig entwickeln. 1,8 Millionen Flaschen produziert der Weinbetrieb jährlich; das Volumen hat sich damit in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht.

«Quantität lässt sich jedoch nur erzielen, wenn die Qualität stimmt.» Was augenscheinlich der Fall ist, wie die Diplome zeigen, die im Showroom von Gilliard hängen. Pfenninger stellt sich gerne dem Duell mit gegnerischen Mannschaften. «Prämierungen sind mein Hob- by», sagt er – und das macht natürlich noch mehr Spass, wenn das Resultat stimmt: An der 26. Internationalen Weinprämierung der Expovina Zürich holte das Haus Gilliard gleich mehrere Goldmedaillen, etwa für den Dôle des Monts 2018 oder den Johannisberg Trésors de Famille vom selben Jahrgang.

16 Jahre alt war Pfenninger, als er sich für eine Winzerlehre statt fürs Gymnasium entschied. Der Schuldirektor rümpfte die Nase, die Eltern – selber weinaffin – liessen ihn machen, und er zog sein Ding durch: Nach der Erstausbildung holte er auch noch das Ingenieursdiplom für Önologie und Obstverwertung. Danach war er erst recht nicht mehr zu stoppen. Pfenninger machte sich als Winzer einen Namen, unterrichtete an der Forschungsanstalt Wädenswil ZH und am landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum Agroscope in Changins VD. Heute schiesst er seine Tore im Dress von Maison Gilliard. Und dies seit mittlerweile elf Jahren. Von so einem langen Engagement könnte ein Trainer des FC Sion nur träumen.