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Wein

Reinsortig oder verschnitten?

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Illustration Jens Bonnke
24. Juni 2019

Der Genussmensch liebt den Wein so sehr, dass er ihn nicht nur trinkt, sondern auch darüber schreibt.

Mondovino-Experte

Peter Keller

Der Genussmensch liebt den Wein so sehr, dass er ihn nicht nur trinkt, sondern auch darüber schreibt.

Weitere Informationen hier: https://www.mondovino.ch/peterkeller

Oft höre ich die Frage, was qualitativ besser sei: Wein aus einer einzigen Rebsorte oder aus verschiedenen Varietäten. Das lässt sich nicht für alle Fälle eindeutig beantworten. Denn grosse Weine, die mir als erste in den Sinn kommen und die ich nie vergessen werde, sind reinsortig, etwa ein La Tâche der Domaine Romanée-Conti aus dem Burgund. Das ist Pinot Noir in Perfektion! Oder ein Meursault von Coche-Dury, ebenfalls aus dieser Anbauregion – das ist Chardonnay wie von einem anderen Stern.

Sorten wie Pinot Noir, aber auch Nebbiolo aus dem Piemont oder deutsche und österreichische Rieslinge, können die Lage, die Herkunft perfekt ausdrücken. Und sie können über Jahre, ja Jahrzehnte altern und gewinnen mit der Reife an Reichtum und Komplexität. Das macht ihre Einzigartigkeit aus. Gerade in der Schweiz sind sortenreine Weine weit verbreitet. Der Grund dafür sind die klimatischen Bedingungen. Da es hier kühler und wechselhafter ist als in wärmeren Regionen, entstehen Trauben mit vielfältigen Aromen. Hinzu kommt, dass es in vielen Anbaugebieten aus gesetzlichen Gründen gar nicht erlaubt ist, andere Sorten zu verwenden. Darum gibt es im Burgund fast nur Pinot Noir und Chardonnay – etwas anderes geht nicht.

Trotzdem: Reinsortige Weine erreichen nicht grundsätzlich eine höhere Qualität als sogenannte Cuvées, also ein Verschnitt von mehreren Rebsorten. Die zuweilen geringere Anerkennung dieser Art von Wein hängt wohl damit zusammen, dass der Begriff «panschen» damit verbunden wird – fälschlicherweise! Eine klassische Cuvée hat damit nichts, aber auch gar nichts zu tun. Das «Assemblieren» von Wein ist vielmehr eine hohe Kunst. Denn auf diese Weise können die guten Eigenschaften unterschiedlicher Rebsorten zu einem ausgewogenen und harmonischen Gesamtwerk zusammengefügt werden. Beispiele gefällig? Grosse Bordeaux-Weine sind fast immer Cuvées, und ein Châteauneuf-du-Pape aus dem Rhônetal kann aus bis zu 13 einzelnen Sorten bestehen.

Auch mein Juni-Monatswein der Edition Peter Keller ist kein reinsortiger – aber auch keine Cuvée: Im grossen Jahr 2018 hat das deutsche Spitzenweingut Kühling-Gillot die Sorten Riesling und Gewürztraminer, die im selben Rebberg nebeneinander gewachsen sind, von der Ernte bis zur Abfüllung auch zusammen verarbeitet. Entstanden ist daraus ein trockener, aromatischer, frischer und spannungsreicher Weisswein (Fr. 15.95/75 cl, nur online auf Mondovino bestellbar). Probieren und geniessen!

www.mondovino.ch/peterkeller