Goldrausch am Duero | Coopzeitung
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Goldrausch am Duero

Rebbau gab es hier schon zur Römerzeit. Doch erst in den letzten Jahren stieg Ribera del Duero zu einer Top-Region in Spanien auf. Teil dieser Geschichte ist die Finca Villacreces.

FOTOS
PRISMA, KEYSTONE, zvg
21. Oktober 2019
Abendstimmung: Die Finca Villacreces liegt inmitten geschützter Pinienhaine.

Abendstimmung: Die Finca Villacreces liegt inmitten geschützter Pinienhaine.

Die Sonnenuntergänge sind hier in den Rebgärten sehr malerisch, gerahmt von den Pinien, die sich dunkel gegen das milde Abendlicht abzeichnen. Wer dieses Spektakel – und den Weinkeller der Finca Villacreces – erleben möchte, der muss sich aufmachen zur kastilischen Hochebene und zum Duero, dem drittgrössten Fluss Spaniens, Namensgeber der Weinbauregion Ribera del Duero. Gut zwei Autostunden nördlich von Madrid liegt in der Provinz Valladolid der kleine Ort Quintanilla de Onésimo, und ein wenig ausserhalb das Weingut.

Vom Kloster zur modernen Bodega

Im späten 14. Jahrhundert hatte der Franziskaner Pedro de Villacreces hier ein Kloster gegründet – inklusive Rebgärten und Weinkeller für den Eigenbedarf. Im Zuge der Säkularisierung von Kirchengütern kam das Anwesen 1836 in Privatbesitz. 1994 wurde das Weingut Finca Villacreces etabliert, welches die Familie Antón zehn Jahre später erwarb, um es in ihre «Grupo Artevino» aufzunehmen, ein Unternehmen mit Wein­gütern in Rioja und Toro.

Der Kauf war wohlüberlegt, denn die Finca liegt mitten in der «Milla de Oro», der «goldenen Meile», mit den besten Bodegas der Region. Und in direkter Nachbarschaft zum renommierten Weingut Vega Sicilia, das sich für die Einführung der geschützten Ursprungsbezeichnung D. O. (Denominación de Origen) Ribera del Duero im Jahr 1982 stark gemacht hatte.

Für die Finca Villacreces begann mit den neuen Besitzern eine neue Epoche. Der Bau eines modernen Weinkellers und Neupflanzungen in den Rebgärten waren 2007 abgeschlossen, ein Jahr darauf machte man den ersten eigenen Wein, den Pruno: tiefrot und auf der Basis von Tempranillo, der hier meistverwendeten Rebsorte, dazu zehn Prozent Cabernet Sauvignon. «Wir machten anfangs mit den Weinen der Vorbesitzer weiter», erzählt Arte­vino-Chef Lalo Antón (44) beim Fest zum 25-jährigen Bestehen der Finca Villa­creces vor sechs Wochen. «Doch wir konnten in dieser Zeit viel Erfahrung mit dem Terroir sammeln.»

Vom Duero abgelager- ter Sand (u.) ? jeder ein Charakter für sich. Der Barrique-Keller (r.) ist der Stolz der Finca.

Vom Duero abgelagerter Sand - jeder ein Charakter für sich.

Den Schweizer Markt im Blick: Lalo Antón, Chef «Grupo Artevino».

Die Rebgärten der Bodega liegen auf etwa 750 m ü. M. dicht am Duero. Daher verfügt Villacreces zwar nicht über die begehrten Hanglagen am Rand des Tals. Doch der Fluss hat im Lauf der Zeit mehrfach seinen Lauf geändert. Deshalb finden sich im Boden unterschiedliche Sedimente, zum Teil sandig, zum Teil durchsetzt von Steinen. Dort gedeihen hier verschiedene Rebsorten prächtig. Das Klima – meist trocken mit heissen Tagen und kühlen Nächten – ist für das Reifen der Trauben ideal. Nur in den tiefsten Lagen unmittelbar am Fluss gibt es gelegentlich Frost.

Schweiz als Schlüsselmarkt

Der erste eigene Wein der Bodega sollte «fröhlich» werden, sagt Antón: «Wie ein junger Wein, frisch und mit viel Frucht, aber zugleich mit der Struktur einer für Ribera del Duero typischen Crianza.» Die fruchtbetonte Aromatik sollte bereits der Name andeuten: Pruno heisst auf Deutsch Pflaume. Das Konzept war goldrichtig: Bald wurde der Pruno international als Entdeckung gerühmt.

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die kleine Schweiz eine wichtige Rolle bei diesem Erfolg spielt? «Die Schweiz ist mengenmässig tatsächlich der wichtigste Markt für Ribera del Duero», betont Antón. «Und die Konsumenten achten dort besonders auf die Qualität.»

Um auch für die Zukunft – inklusive Klimawandel – vorbereitet zu sein, hat Villacreces-Chefönologe Lluis Laso (44) einen Experimentiergarten, in dem er verschiedene Rebsorten testet, etwa die nur wenig verbreitete Graciano oder die italienische Barbera. Auch Touriga Nacional findet man, die klassische Traube Portugals. Dorthin fliesst ja der Duero, um dann als Douro in den Atlantik zu münden. Gute Perspektiven biete vor allem die Marselan-Traube, meint Laso, eine französische Neuzüchtung aus Cabernet Sauvignon und Grenache.

Wer jetzt Lust bekommen hat, die Weine und die Finca kennenzulernen, findet erstere bei Coop (s. u.) und bei Casa del Vino. Weintouristen können online (www.villacreces.com) diverse Packages buchen, unter anderem eine E-Bike-Tour inklusive gut gefülltem Picknick-Korb. 

Ein neuer Stil

Ribera del Duero DO Pruno Finca Villacreces, 2017

Preis: Fr. 19.50/75 cl
Genussreife: 2019–2023
Erhältlich: in grossen Coop- Supermärkten sowie bei Mondovino.