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Wein

Süss und süss gesellt sich gern

Wein zu Glace – das geht doch nicht! Oder doch? Diese Kombination passt bestens und überrascht und verwöhnt den Gaumen.

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Heiner H. Schmitt
15. Juli 2019

Ein Coupe mit Beeren und Schoggi zum Dessert. Wein dazu? Aber klar doch.

Ein lauschiger Sommerabend auf Ihrem Balkon oder der Terrasse. Eigentlich spricht alles für ein Glas Wein zum Abschluss des Tages. Oder etwa doch für eine Glace? Wer sagt denn, dass Sie sich entscheiden müssen? Auch wenn es auf den ersten Blick so gar nicht zusammen- passt, kann die Kombination aus Glace und Wein zu Aha-Erlebnissen führen – und zwar im positiven Sinne. Sie werden staunen, was für Geschmacksexplosionen gewisse Paarungen in ihrem Gaumen auslösen.

Die Krux von Glace und Wein

«Es stimmt, es ist nicht ganz leicht, Glace und Wein zu kombinieren», sagt Weinjournalistin Britta Wiegelmann (47). Zum einen sei da die Temperatur. Die kalte Glace betäube den Gaumen, dadurch wirkten viele Weine dünn und harsch. Und dann natürlich die extreme Süsse des Sommerdesserts: «Glace braucht Weine mit Restsüsse, sonst gehen sie unter.» Optimal sogar solche, die noch süsser seien als die Glace selbst.

Kommen noch andere «intensivierende» Faktoren dazu, umso besser. Glace mag Weine mit Kohlensäure, höherem Alkoholgehalt oder intensiver Säure. Sind Sie gewillt, Neues auszuprobieren? Los gehts!

Aber bitte mit Kohlensäure

Beginnen wir mit einem Klassiker unter den leichten Perlweinen: Der Moscato d'Asti kann viel mehr als an Studentenpartys für gute Laune zu sorgen. Ein hochwertiger Moscato ist die optimale Begleitung zur Erdbeer-, Orangen- oder Mandarinenglace. Auch zu weisser Schokolade passt die süsse Traube aus dem Piemont. Ebenfalls aus der nord- italienischen Region

stammt eine andere Wunderwaffe in der Kombination mit Glace: Der Brachetto d'Acqui, ein roter Schaumwein, mundet zu Schoggi. Aber bei Erdbeer- und Himbeersorbet oder dem Dessertklassiker «Heissi Liebi» muss sich der Wein mit der beerigen Note nicht verstecken.

Falls Sie klassische Geschmacksrichtungen mögen, müssen Sie unbedingt eine qualitativ hochwertige Vanilleglace mit halbtrockenem Champagner probieren.

Schwere Weine für cremige Noten

Zu schweren Weinen von der iberischen Halbinsel muss greifen, wer cremige Glaces wie Karamell, Kaffee oder Schoggi mag. Eine Traumkombination mit Schokolade und Karamell (die beiden Geschmacksrichtungen existieren bereits in einer Glace) ist der Tawny Port – ein süsser, im Holzfass gereifter Portwein. Durch den hohen Alkoholgehalt, die Creme und die Süsse ist diese Mischung keine leichte und eignet sich deshalb auch als Winterdessert wunderbar.

Kaffeeliebhaber trauen sich an die Kombination von Mocca mit Pedro Ximénez. «Der extrem süsse Sherry betont die Kaffeenote noch mal, im Abgang hat man das Gefühl, einen süssen Espresso im Mund zu haben», sagt Wiegelmann. Ein Dessert, das auch sie so servieren würde. Der Sherry passt auch gut zu Karamell, Vanille oder Schokolade.

Süsse und Säure zu Frucht

Zu Sorbets aus Zitrus- oder exotischen Früchten hingegen ist ein Glas Riesling Eiswein angebracht. Da er aus gefrorenen Trauben gewonnen wird, ist er extrem süss und konzentriert. Trotzdem hat er – der Traubensorte sei Dank – eine gute Säure. «Ein Zitronen- oder Mandarinensorbet oder eine Ingwer-Limetten- Glace betonen die Säure der Rieslingtraube», weiss Wiegelmann. Aber auch zu exotischen Geschmacksrichtungen kann der Wein genossen werden: Dabei kommt die Frucht hervor.

Was aber tun, wenn Sie Süssweine überhaupt nicht mögen? Wir gehen davon aus, dass Sie tief im Herzen ein Schleckermaul sind, wenn Sie den Text bis hierher gelesen haben. Deshalb seien Sie mutig und geben der Kombination eine Chance: Sie werden merken, dass die Glace einen grossen Teil der Süsse des Weines wegnimmt.