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Wein

Tropfen für den Alltag

Mondovino-Experte, Peter Keller, nimmt die Auswahl Walliser Weine genauer unter die Lupe.

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ILLUSTRATION JENS BONNKE
18. Februar 2019

Der Genussmensch liebt den Wein so sehr, dass er ihn nicht nur trinkt, sondern auch darüber schreibt.

Zu Beginn ein Bekenntnis: Ich trinke selten einen Fendant oder Dôle. Das hat weniger mit Snobismus zu tun, als vielmehr mit der Tatsache, dass bei mir die beiden bekanntesten Weine aus dem Wallis angesichts der grossen Auswahl schöner Tropfen schlicht und einfach vergessen gehen. Zudem stehen Fendant und Dôle nicht im grellen Rampenlicht der Medien und Geniesser.

Das ist eigentlich erstaunlich. Die «Brotweine» bilden für viele Walliser Produzenten das Rückgrat und sorgen für gut gefüllte Kassen. Ein Blick auf den Rebsorten-Spiegel der flächenmässig grössten Anbauregion der Schweiz besagt, dass der Pinot Noir, der den Hauptteil eines Dôle ausmacht, mit Abstand am meisten angepflanzt wird. Die Sorte macht gut 30 Prozent aus. Der Rotwein mit einer staatlich kontrollierten Herkunftsbezeichnung (AOC) darf vollständig aus Pinot Noir bestehen, ist aber oft eine Assemblage aus Pinot und Gamay. Allenfalls kann man zudem bis zu 15 Prozent andere Trauben zufügen, etwa Gamaret, Garanoir oder Syrah.

Der Fendant wird aus Chasselas gekeltert, der bedeutendsten Weisswein-Sorte des Wallis. Weinkenner unterschätzen sie oftmals, obwohl daraus subtile, elegante, leichtfüssige und bekömmliche Weisse gekeltert werden können. Ein Apérowein par excellence! Wenn ich im Wallis in den Skiferien bin, bietet sich ein Fendant geradezu an, am liebsten von Top-Produzenten wie Denis Mercier, Marie- Thérèse Chappaz, Domaine des Muses oder – mein Geheimtipp – Mathilde Roux von der Cave de l’Orlaya. Die talentierte Französin sorgt bereits mit ihren ersten Jahrgängen für Aufsehen.

Neben den ein wenig stiefmütterlich behandelten Weinen für den Alltag hat das Wallis eine Vielzahl von Spezialitäten zu bieten, die in aller Leute Munde sind. Cornalin, Humagne Rouge oder Petite Arvine lassen das Herz mancher Liebhaber höherschlagen. Total werden auf den 4875 Hektaren Rebfläche des Kantons über 50 verschiedene Sorten kultiviert, teilweise Kuriositäten wie Lafnetscha oder Rèze. Für meinen Februar-Monatswein habe ich mich für eine Assemblage aus Syrah sowie wenig Diolinoir und Cabernet Franc entschieden. Der Salconio «Edition Peter Keller» 2016 von Albert Mathier & Söhne (Fr. 22.95/75 cl) ist gut strukturiert, elegant und druckvoll – perfekt für den gehobenen Alltag.