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Von der Sonne verwöhnt

In Argentinien ist Grillieren Volkssport. Kein Wunder, passt der berühmteste Weinexport des Landes so hervorragend zu gebratenem Fleisch: Malbec trifft in der Trockensteppe von Mendoza auf ideale Bedingungen. Dort hat auch das Weingut Trapiche seine Wurzeln.

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Edelweiss/Melanie Stocker, ZVG
21. April 2019

Unerbittlich brennt die Sonne auf die Reben in Mendoza. Zum Glück sind die Anden nicht weit.

Die Bodenplatten sind rutschig. Mit Absicht, wie Emiliano Magariños (40) erklärt. «Damit die Weinfässer leichter über den Boden gleiten, direkt zu den Zügen.» Doch die Gleise vor dem Weingut Trapiche führen nirgends mehr hin. Wohin auch? Das argentinische Zugnetz existiert nicht mehr. So bleibt nur ein Stück Gleis und ein alter Waggon als Erinnerung an die Zeit, als der Wein von dem 1883 gegründeten Weingut in der argentinischen Provinz Mendoza noch in grossen Fässern nach Buenos Aires zum Abfüllen transportiert wurde. Auch die Bodenplatten und die alte Weinpresse in dem 1912 erbauten Gebäude sind reine Nostalgie, ein kurzer Blick in die Geschichte von Trapiche.

Von Holzfässern zu Stahltanks

«Ich liebe diesen Geruch», schwärmt Magariños und fächert sich den Duft des gärenden Weins zu, der über der ganzen Anlage liegt. Als Europa-Verantwortlicher ist er die meiste Zeit im einige Hundert Meter entfernten Büro. Für die Coopzeitung macht er eine Ausnahme und führt durch die Kellerei. Folgt man dem Geruch in den hinteren Teil der Anlage, sieht man, wie sich die Zeiten gewandelt haben: Wie in jeder modernen Kellerei gibt es auch bei Trapiche, dem grössten Weinproduzenten Argentiniens, heute Stahltanks und Förderbänder.

Trapiches Weingüter sind im ganzen Land verteilt. Verarbeitet und abgefüllt werden die Trauben aber allesamt im Hauptsitz in Mendoza. Dieses Weinbaugebiet an der Grenze zu Chile ist vor allem für Malbec bekannt. Der opulente Rotwein trifft in der westlichen Provinz auf die idealen Bedingungen: Die Trockensteppe wird von der Sonne verwöhnt. Regen ist eine Ausnahme- erscheinung. Gerade einmal 200 Millimeter Regen fallen dort pro Jahr. Zum Vergleich: In Zürich regnet es gut dreimal so viel. Weil Mendoza jedoch am Fusse der Anden liegt, verfügt das Weinbaugebiet trotzdem über genügend Wasser, das über Bewässerungssysteme zu den Weingütern fliesst.

Nachts wird es kalt, weshalb die täglichen Temperaturschwankungen stark sind. «Das macht Rotweintrauben besonders kraftvoll», erklärt Magariños. Gerne würde Trapiche in Menodza noch mehr Wein anbauen – dafür sind die Wasserreserven in der Trockensteppe dann aber doch zu knapp. Weisswein baut das Unternehmen unter anderem im Osten des Landes nahe Buenos Aires an, wo das Klima ozeanisch ist, oder ganz im Norden in der Provinz Salta, besonders bekannt für Torrontés – in Argentinien unglaublich beliebt, hierzulande kaum bekannt.

Emiliano Magariños erklärt: «Die täglichen Temperaturschwankungen in Mendoza machen Rotweintrauben besonders kraftvoll.»

«Unsere Weissweine werden immer gefragter, vor allem Pinot Grigio», erzählt Magariños. «Aber keine Frage: Unsere beliebteste und berühmteste Sorte bleibt Malbec – vor allem im Ausland, wo diese Weintraube eng mit Argentinien verknüpft wird.» Das kommt nicht von ungefähr: Mit 24 000 Hektaren befinden sich mehr als die Hälfte der weltweiten Anbaugebiete der in Frankreich als Côt bekannten Sorte im Land des Tangos.

Tango, Steak und Malbec

Malbec Perfiles Mendoza Trapiche, 2015

Dunkles Kirschrot, zurückhaltend in der Nase, füllig am Gaumen mit dichtem Tanningerüst, Frucht-süsse, kräftiger Körper, sehr langer Abgang. Auf Mondovino und in ausgewählten Coop-Supermärkten erhältlich. Fr. 16.80/75 cl

«Der einheimische Markt unterscheidet sich stark vom ausländischen», so Magariños. Von der zweitwichtigsten Traubensorte des Unternehmens wird in Europa zum Beispiel nur wenig gekauft: Cabernet Sauvignon. «Trotz seiner sehr guten Qualität ist es einfach schwierig, argentinischen Cabernet in der Welt bekannt zu machen, wird die Sorte doch vor allem mit Frankreich in Verbindung gebracht.»

Als erstes argentinisches Weingut, das mit dem Export in die ganze Welt begonnen hat, weiss Trapiche, was das Ausland will. Heute werden dort 20 Prozent der gut 80 Millionen Liter Wein, die Trapiche jährlich herstellt, konsumiert. «Die Schweiz ist einer unserer wichtigsten Abnehmer», verrät Magariños – nach den ganz grossen wie China, Russland und Grossbritannien. Dass an all diesen Orten so manche Spitzentraube aus seiner Heimat gar nicht gefragt ist, trägt er mit Fassung: «Argentinien, das bedeutet im Ausland eben: Tango, Steak – und Malbec.»