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Wein

Sizilien im Glas

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zvg, Illustration: Marie-Noëlle Berdat
05. August 2019

 «Die Höhenlage ist entscheidend für die Eleganz.» Neuer Schwung für den Weinbau in Sizilien.

«Wollen Sie wissen, wie alles anfing?», fragt Diego Cusumano (48) – athletisch, sonnengebräunt und die Sprache durchsetzt von Anglizismen. Seine mondäne Art passt zum modernen Weinkeller. «Als wir 2001 an den Start gingen, hatten wir sofort Erfolg. Es war genau der richtige Zeitpunkt, um Siziliens Weinbau wieder in Schwung zu bringen.»

In Partinico, westlich von Palermo, liegt das Weingut hell in der Sonne. Ein Juwel mit altem Gebälk und haselnussbraunen Steinmauern. Im vorgelagerten Garten wachsen Feigenkakteen, Oliven- und Zitrusbäume. Als sie die Gründung beschlossen hatten, wussten Diego, der studierte Ökonom, und sein Bruder Alberto (54), Agronom und Önologe, wo- rauf es ankommt, um Qualitätswein zu machen. Bei der Suche nach den besten Lagen half ihnen damals Pater Francesco (80): «Er kannte die Gegend sehr gut, hatte lange im Rebberg gearbeitet und half uns bei der Auswahl der am besten geeigneten Böden», erinnert sich Diego. «Denn das ist die Basis für ein grosses Weingut.»

Klasse statt Masse

Über Jahrzehnte hatten die Sizilianer vor allem sogenannte Verschnittweine produziert. Sie dienten dazu, die an Frucht und Alkohol armen Weine der nördlichen Landesteile anzureichern. «Es war schwer, und zuweilen ist es das noch heute, die Bauern davon zu überzeugen, dass eine Pflanze besser ist, wenn sie weniger produziert. Dass es besser ist, weniger Wein zu haben, aber dafür guten», sagt Diego. «Daher wollten wir stets nur Trauben aus den eigenen Rebbergen verarbeiten.»

Über die Insel verteilte Rebberge

In knapp 20 Jahren wuchs die Rebfläche der Brüder Cusumano von 140 auf 520 Hektar. «Lassen Sie sich davon nicht beeindrucken», meint Diego. «Für uns sind das sechs separate Weingüter, die wir in ihren Eigenheiten respektieren.» Die Lage der Parzellen ist sehr unterschiedlich. Oberhalb von 700 m ü. M. wachsen die Weisswein-Rebsorten. Bei Butera in der südlichen Provinz Caltanissetta ist das Land «weiss wie Nougat». Hier dominiert der rote Nero d’Avola. In der Nähe von Partinico werden Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah und Nero d’Avola angebaut, und von den Hängen des Vulkans Ätna kommen die Trauben für den «Alta Mora»-Wein.

Siziliens Terroir ist grosszügig – zuweilen so sehr, dass die Trauben zur Erntezeit allzu süss und säurearm sind. Dann hat der Wein einen hohen Alkoholgehalt, und der Geschmack tendiert in Richtung Glühwein. Cusumano-Weine sind hingegen besonders ausgewogen und elegant. «Unsere Rebberge liegen alle zwischen 250 und 980 Metern Höhe. Die höheren Temperaturschwankungen ergeben Weine mit mehr Säuregehalt. Das ist das Geheimnis für mehr Eleganz und bessere Alterungsfähigkeit», erklärt Diego. «Bei der Auswahl der Weinberge hatte unser Pater Francesco offenbar ein sehr gutes Händchen.»

Terre Siciliane IGT Benuara Cusumano, 2016

Nero d’Avola mit dem Aroma roter Beeren, kombiniert mit dem leicht würzigen Duft von Syrah. Ein starker Wein, doch zugleich weich und ausgewogen im perfekten Cusumano-Stil.

Woher: Die Kellerei Tenuta Presti e Pegni liegt wenige Kilometer vom Meer entfernt am Rande von Palermo.
Wozu: Pasta mit rotem Pesto oder Grillwürstchen.
Wann: Klassischer Begleiter zum Abendessen nach einem Arbeitstag.
Preis: Fr. 12.50/75 cl
Erhältlich: in grösseren Coop-Supermärkten und bei Mondovino