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Wenn Amors Pfeil durch Reben fliegt

Vom Vater zum Sohn, vom Gemüsebauern zum Winzer, durch die Arbeit zum Ehepaar – Thomas und Inès Bisang führen ihr Weingut in Altishofen LU mit Bedacht und ganz viel Leidenschaft.

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Monique Wittwer, Heiner H. Schmitt
21. Oktober 2019
Inès und Thomas Bisang teilen ihre Faszination für die Trauben ? gerne stibitzt auch Hündin Lilly davon.

Inès und Thomas Bisang teilen ihre Faszination für die Trauben ? gerne stibitzt auch Hündin Lilly davon.

Empfindlich kühl ist es und ein paar frühmorgendliche Nebelschwaden schleichen noch durch die Rebstöcke auf dem Weingut Bisang in Altishofen. Vom nahe gelegenen Feld beobachten zwei Damhirsche die herbstliche Szenerie, während vom Tal das sonore Rauschen der Autobahn die Stille durchdringt. In regelmässigen Abständen kräht der elektronische Sperber und Böllerschüsse hallen vom angrenzenden Waldrand durch die Luft. Die kostbaren Trauben müssen ja irgendwie durch Übergriffe aus der Luft geschützt werden.

Vom Gemüsegärtner zum Winzer

«Mein Vater hat hier 1980 die erste Rebe gesetzt», erzählt Thomas Bisang (54). Das sei aber mehr eine Spielerei und ein Hobby gewesen. «Er war kein Winzer, sondern baute im grossen Stil Gemüse an». Der Filius aber entdeckte durch die vom Vater gepflanzten Rebstöcke seine Leidenschaft für den Wein. Er, eigentlich gelernter Gemüsegärtner, absolvierte an der renommierten Hochschule Geisenheim (D) den praxisbezogenen Bachelor-Studiengang für Internationale Weinwirtschaft. Ein Studium, das sechs Semester dauert und das ökonomische Themen wie Marketing und Betriebswirtschaft mit Wissen über Weinbau und Kellerwirtschaft verbindet.

Das Jahr der Katastrophe

Spricht Thomas Bisang über seinen Beruf, spürt man die Faszination. «Es ist die Vielfältigkeit», sagt er. Die Verbindung verschiedener Berufe. «Winzer, Önologe und wirtschaftlicher Vermarkter in einem.» Zudem hätten gewisse Arbeiten wie beispielsweise das Schneiden der Reben im Winter etwas Meditatives. Ehefrau Inés (52) teilt heute seine Hingabe für die sinnliche Beerenfrucht, obwohl sie zugibt: «Als wir uns kennenlernten, hatte ich keine Ahnung von der Winzerei.»

So wie sich der Weinberg heute präsentiert, gibt es ihn seit 1994. Es war das Jahr einer kleinen Katastrophe. Ein Hagelsturm zerstörte sämtliche Rebstöcke. Also kaufte Thomas Bisang neue Merlot- trauben im Tessin. Es war gleichzeitig der Beginn einer Romanze. Für seinen neuen Wein benötigte der Winzer auch neue Etiketten.

Den Auftrag dafür erhielt Inès Heller, eine gelernte Vergolderin aus dem Nachbardorf. Und wie so oft: Aus Zusammenarbeit wurde Liebe, gefolgt vom Eheversprechen. So also kümmern sich die beiden seit 1994 gemeinsam um das Weingut im lauschigen Luzerner Oberland. Zusammen mit der 12-jährigen Kromfohrländer Hündin Lilly lebt das Ehepaar inmitten der Reben in seinem Haus ein Stück weit oberhalb von Dagmersellen LU.

Thomas Bisang: «Arbeiten wie das Schneiden der Reben im Winter hat für mich etwas Meditatives.»

Rund fünf Hektaren gehören zum Weingut Bisang. Zwei davon befinden sich hier in Altishofen, der Rest auf dem nahe gelegenen Kreuzberg, wo der Winzer aufgewachsen ist, und in Reiden. Zwischen 40 000 und 45 000 Flaschen an eigenem Wein produziert das Paar mithilfe von zwei Festangestellten damit jährlich. Daneben keltern sie noch für Weinbauern aus der Region.

Thomas Bisang ist sich sicher, dass es auch dieses Jahr einen guten Wein geben wird. «Aber die Ernte muss zügig vorangehen. Wegen des kalten Frühlings und des heissen Junis verderben die Trauben schneller.» 

Luzerner Cuvée rot, 2018

Preis: Fr. 17.50/70 cl
Herkunft: Schweiz
Rebsorten: Pinot Noir
Genussreife: 2018–2020
Erhältlich: in den Coop-­Läden der Region.