Wie Dynastien den Weinbau prägen | Coopzeitung
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Wie Dynastien den Weinbau prägen

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Illustration Jens Bonnke
28. April 2019

Mondovino-Experte

Peter Keller

Der Genussmensch liebt den Wein so sehr, dass er ihn nicht nur trinkt, sondern auch darüber schreibt.

Weitere Informationen hier: https://www.mondovino.ch/peterkeller

Der Name Rothschild ist weltberühmt. Die Dynastie von Financiers und Winzern besitzt einige der aussergewöhnlichsten Weingüter der Welt. In Frankreich gebietet einer der Familienzweige über den Premier Cru classé Château Lafite-Rothschild aus dem Bordelais sowie über weitere Betriebe wie L’Evangile, Rieussec und Duhart-Milon. Anderen Verwandten gehört Mouton Rothschild, ein weiterer – unbezahlbarer – Premier Cru classé aus dem bekanntesten Anbaugebiet der Welt.

Auch in Italien prägen Familien den Weinbau. Etwa die Antinori, die sich seit 1385 mit dem edlen Rebensaft beschäftigen und heute Eigentümer eines fast unüberblickbaren Geflechts von Gütern sind. Ihre Aushängeschilder sind die beiden «Supertoskaner» Solaia, mehrheitlich von Cabernet Sauvignon geprägt, sowie Tignanello, dominiert von Sangiovese. Weinfreunde kennen diese Marken, die eine hohe Qualität versprechen, deren Preise aber nicht gerade als günstig zu bezeichnen sind. Nicht nur in der Weinbranche kosten bekannte Labels wesentlich mehr als No-Name-Produkte. Welchen Aufpreis man für gerechtfertigt hält, muss jeder für sich selber entscheiden.

Direkt neben der Toskana liegt Umbrien, das kleinste Anbaugebiet Italiens – dort ist die Familie Lungarotti zu Hause. Dem 1999 verstorbenen Giorgio Lungarotti ist es zu verdanken, dass dieses Anbaugebiet auf der önologischen Weltkarte erschienen ist. Heute stehen seine beiden Töchter an der Spitze der Dynastie – aus einem streng patriarchalisch geführten Unternehmen wurde eine Frauen-Domäne. 

Chiara Lungarotti und Teresa Severini führen die Geschäfte erfolgreich weiter. Heute besitzt die Familie zwei Weingüter mit 250 Hektaren Rebfläche. Wer Lungarotti besucht, spürt bald die Offenheit und Herzlichkeit der Eigentümer. Sie haben auch nichts zu verstecken. Grosse Aufmerksamkeit wird den Rebbergen geschenkt. Hier – und nirgendwo anders – entsteht guter Wein. So limitiert man die Erträge und setzt so wenig Spritzmittel wie möglich ein. Im Boden hat man zudem Sonden installiert, mit denen sich der Wasserbedarf der Rebstöcke feststellen lässt. Lungarotti hat ein vielfältiges, spannendes Sortiment, darunter auch meinen Mondovino-Monatswein für den April: Der Umbria Rosso Edition Peter Keller 2017 aus Sangiovese (Fr. 15.95/75 cl) bietet ein unkompliziertes Trinkvergnügen für jeden Tag.