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Sein Job ist ein Bubentraum

Der Mann hats wirklich gut: Er sieht sich ständig Star-Wars-Filme an, spielt den ganzen Tag mit Lego-Steinen und wird dafür auch noch bezahlt. Jan Neergaard ist Lego-Designer.

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Philipp Zinniker
10. Dezember 2012

Jan Neergaard mit Star-Wars-Minifiguren von Lego, Königin Amidala (links) und Meister Yoda.


Reportage

Zwei Dinge sind es, die Jan Neergaard (41) für die Firma Lego interessant machen: Er ist Industrie-Designer und somit dafür ausgebildet, schöne Dinge zu schaffen. Und: Er ist Star-Wars-Fan, vernarrt in die Science-Fiction-Geschichte des amerikanischen Regisseurs George Lucas, die in einer fernen Welt spielt, mit Dutzenden von Planeten, Raumschiffen und Hunderten von Figuren. Neergaard ist einer von sechs Lego-Designern, die ausschliesslich für die Star-Wars-Linie arbeiten. Zu seinen neusten Produkten zählen die Lego- Star-Wars-Planeten, ein neues Sammelkonzept und das Raumschiff Gungan Sub. Dass die Lego-Gruppe diese Linie nach wie vor ausbaut, hat einen einfachen Grund: Sie verkauft sich hervorragend. Lego Star-Wars ist das beste je verkaufte Lizenzthema, das die Lego-Gruppe auf den Markt gebracht hat, erklärt Katharina Sasse von der Lego GmbH.

Die Besatzung des Raumschiffs Gungan Sub: Königin Amidala, Obi-Wan Kenobi, Qui-Gon Jinn und Jar Jar Binks.

Auch wenn sich das Sortiment gut verkauft, es braucht Abwechslung. Rund zwei Jahre bleibt ein Produkt auf dem Markt, dann wird es bereits ausgetauscht. Das gilt für die Star-Wars-Serie, aber auch für viele andere Lego-Produkte, erklärt Sasse. Das heisst, dass rund ein Drittel des Sortiments jedes Jahr ausgewechselt wird. Entsprechend viel Arbeit bedeutet das für die Designer, die die neuen Sachen erschaffen müssen.

Am Anfang jedes neuen Lego-Bausatzes steht der Entscheid, welche Raumschiffe und Figuren aus der Serie nachgebaut werden und das bestehende Sortiment ergänzen sollen. Aufgrund von Skizzen, die von Lucasfilm stammen, sowie von Grössen- und Preisvorgaben, die das Endprodukt haben darf, machen sich die Designer an die Arbeit, sprich ans Legobauen. Neergaard zieht sich dafür in die Lego-Entwicklungsabteilung zurück und entwirft dort den ersten Prototypen. Diese Abteilung ist so geheim, dass kein Fremder Zutritt hat. Wir arbeiten etwa eineinhalb Jahre im Voraus, erklärt Neergaard. Zu viele Leute wären rasend interessiert daran, was wir machen und in eineinhalb Jahren auf den Markt bringen.

Jan Neergaard mit der Republic Frigate, einem der grösseren Raumschiffe aus der Star-Wars-Serie.

Nicht immer kommen die Designer mit den vorhandenen Bauteilen aus. Manchmal wünschen sie sich neue Elemente. Doch die Entwicklung von neuen Lego-Teilen ist ein heikler Punkt bei jedem Entwurf. Da kommt immer gleich die kritische Rückfrage: Brauchst du das wirklich?, schmunzelt Neergaard. Verständlich, denn neue Elemente sind teuer. Ein Element neu zu produzieren lohne sich in der Regel nur dann, wenn es auch für andere Bausätze verwendet werden kann. Deshalb müssten die Designer ihre neuen Prototypen wenn immer möglich nur aus vorhandenen Elementen bauen.

Ist dieser Prototyp fertig die Konstruktion der Republic Frigate hat zum Beispiel drei Monate in Anspruch genommen wird er mit dem Unternehmen von George Lucas abgeglichen. Das Modell soll so nahe wie möglich an der Filmvorlage sein. Farbgebung und Formen werden kontrolliert, verglichen und optimiert. Erst wenn beide Lizenzpartner, Lucasfilm und die Lego-Gruppe, zufrieden sind, gehen die Bausätze in die Produktion.

Das Raumschiff Gungan Sub verfügt über ein grosses Cockpit, Frachtluken, Aufbewahrungsboxen, einen rotierenden Schwanz als Antrieb sowie ein Mini-U-Boot mit Harpune.

Die Lego-Gruppe ist trotz durchgemachter Krisen stetig gewachsen und wächst nach wie vor, erst recht, seit Star Wars im Sortiment ist. Drei Milliarden Franken umgerechnet hat Lego 2011 umgesetzt, das war gegenüber 2010 eine Steigerung von 17 Prozent. Mehr als 10000 Mitarbeiter arbeiten aktuell weltweit für das Unternehmen. Zum grossen Wachstum haben 2011 im Lizenzbereich besonders die Linien Star Wars, Harry Potter und Pirates of the Caribbean beigetragen. Zudem hat auch das 2011 neu erschienene Spielthema Lego Ninjago bei seiner Markteinführung einen erfolgversprechenden Start hingelegt, denn es war die bis dahin erfolgreichste Produktneueinführung des Unternehmens.

Lego-Steine werden im Spritzgussverfahren mit hoher Präzision hergestellt. Moderne Steine passen noch immer auf alte.

Noch etwas macht Jan Neergaard zu einem perfekten Lego-Designer: Er hat vier Kinder im Alter zwischen 3 und 14 Jahren. Der Älteste sei nicht mehr wirklich Lego-Fan, gesteht Neergaard, aber da kommen ja noch Jüngere nach. Seine Kinder hätten durchaus auch schon Produkte beeinflusst. Ihrem Vorschlag sei es zum Beispiel zu verdanken, dass der Republic Frigate aufklappbare Seitenteile habe. Und auch die Freunde seiner Kinder kämen immer gerne ins Haus Neergaard. Die Sammlung von inzwischen etwa 150 Minifiguren sei für viele imposant. Und vor allem: Neergaard führt zu Hause kein Museum. Die Kinder dürfen mit den Lego-Sachen spielen. Wenn eine Figur kaputtgeht, kann man sie ja wieder flicken, sagt Neergaard. Das ist eben das Besondere an Lego-Steinen.

Lego

54 Jahre und kein bisschen greise

So kommen die Lego-Minifiguren auf die Welt.

Der Erfinder der Lego-Steine hatte ursprünglich gar nichts mit Kunststoff zu tun. Ole Kirk Kristiansen war ein dänischer Schreiner, der in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts sehr erfolgreich Holzspielzeug hergestellt hatte. Als es nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend schwierig wurde, qualitativ gutes Buchenholz für Spielwaren zu bekommen, hat er ein neues Material gesucht und im Kunststoff gefunden. 1949 entstanden die ersten Plastik-Bausteine, die im Vergleich zu den heutigen Steinen noch wenig stabil waren. Fast zehn Jahre Weiterentwicklung brachte 1958 den Lego-Stein hervor, den die Kinder heute noch kennen.

Das System damals war so gut, dass es bis heute unverändert blieb: Ein Stein aus dem Jahr 2012 passt mit einem aus dem Jahr 1958 zusammen und sie halten. 1978 erblickte die erste Minifigur das Licht der Lego-Welt. Bis heute bevölkern rund vier Milliarden Lego-Minifiguren diesen Planeten. Die Lego-Gruppe ist ausserdem der grösste Reifenproduzent der Welt wenn auch die Reifen relativ klein sind. Übrigens: Das Wort Lego leitet sich vom dänischen leg godt ab, was so viel bedeutet wie spiel gut.

Die Lego-Gruppe in Zahlen

In Billund (Dänemark) steht die grösste Produktionsanlage der Lego-Gruppe. Sie giesst und bedruckt rund 60 Prozent der Weltproduktion an Lego-Elementen. In Zahlen heisst das: Pro Jahr werden 22 Milliarden Lego- Steine produziert (42000 pro Minute). Dafür werden jeden Tag 60 Tonnen Plastikgranulat verarbeitet. Heute arbeitet die Lego- Gruppe mit knapp 9000 verschiedenen Bausteinen (einst waren es 13000). Die Teile werden im Spritzgussverfahren hergestellt. Die Maschinen lassen eine maximale Abweichung von einem Fünzigstelmillimeter zu. Das entspricht der Haardicke von ganz feinem Haar. So ist sichergestellt, dass neue Teile nach wie vor auf alte passen.

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