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Das neue starke Geschlecht: Junge Frauen in Männerberufen

Sie sind Lokomotivführerin, Fensterschreinerin oder Linienpilotin und fühlen sich wohl dabei. Die Coopzeitung hat mit fünf Frauen gesprochen, die in typischen Männerberufen arbeiten.

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Heiner H. Schmitt, Peter Mosimann
21. April 2014

Wenn es um die Ausbildungs- und Berufswahl von jungen Frauen und Männern geht, hat sich in der Schweiz in den letzten 20 Jahren nicht sehr viel verändert. Laut den Indikatoren zur Gleichstellung von Frau und Mann des Bundesamts für Statistik (BFS) gilt noch immer: Junge Männer wählen häufiger als junge Frauen technische Berufe und Studiengänge. Letztere zieht es eher in das Gesundheitswesen, die Geistes- und Sozialwissenschaften, die soziale Arbeit oder die Lehrkräfteausbildung. Und doch gibt es Ausreisser, denn laut BFS wählen junge Frauen je länger je mehr auch männertypische Bildungsfelder und Berufe. So auch Marisa Grolimund (25), die sich mit 20 zur Lokführerin ausbilden liess (siehe Text unten). Überhaupt ist die weibliche Erwerbsbeteiligung in der Schweiz hoch und lag 2013 für Frauen zwischen 15 und 64 Jahren bei 78,0 Prozent; 1991 waren es noch 68,2 Prozent (Männer: 88,6 Prozent vs. 91,1 Prozent). Ein Grund für diese Zunahme ist sicher, dass viele erwerbstätige Frauen nämlich sechs von zehn von der Möglichkeit Gebrauch machen, Teilzeit zu arbeiten.

Lokführerin

Marisa Grolimund hat im März 2014 die Jungfernfahrt der Coop-Lok Miini Region bestritten.

Freude am Isebähnle reicht nicht»

Lokführerin Marisa Grolimund (25)

Coopzeitung:Sie haben als eine von wenigen Frauen den Traumjob fast jedes Buben verwirklicht: Lokführerin. Wie ist die Wirklichkeit?
Marisa Grolimund: Klar gibt es auch bei mir den Alltag. Das ist wie in jedem Beruf. Aber die Faszination für Loks, für die Technik, für schwere, schnelle, starke Maschinen, die ist eher noch grösser geworden.

Technik und schnelle Maschinen, das tönt eher nach Auto.
Die Lok ist viel anspruchsvoller und wir fahren heute etwa auf der Neubaustrecke zwischen Rothrist und Bern Mattstetten mit 200 km/h und einer Anhängelast von bis zu 700 Tonnen.

Ihrem Beruf hängt etwas Romantisches an. Dabei geht es doch heute um Sekunden und Ihr Cockpit ist voller Technik.
Ja, das ist so. Wer eine Lokomotive fährt, muss viel von Technik verstehen und mit Ausnahmesituationen umgehen können. Etwa, wenn der Zug eine Panne hat: Dann rufen der Fahrdienstleiter vom Stellwerk und das Zugpersonal gleichzeitig an. Im gleichen Moment muss ich entscheiden, ob und wie ich die Störung beheben kann, ob ich allenfalls das ganze System neu starten muss. In solchen Momenten ist da nicht mehr viel von der alten Lokomotivführer-Romantik. Und doch

und doch?
Wenn ich in der Nacht bei Vollmond fahre, den Sternenhimmel sehe, die Lok ruhig läuft und der Zielbahnhof in Sicht kommt, dann ist das wunderschön.

Hat man Ihnen die Liebe zur Lok in die Wiege gelegt?
Ja. Mein Vater ist zwar nicht Lokführer, arbeitete aber auch bei den SBB. Im Technikbereich. Ihn habe ich als Kind an den Tagen der offenen Türe oft besucht und er hat sicher die Lust an
der Technik in mir geweckt.

Lust an der Technik alleine reicht wohl nicht?
Nein, nicht ganz. Es braucht eine Matura oder, wie in meinem Fall, eine abgeschlossene Berufslehre.Danach findet eine Selektionsphase statt: Wie gut kann jemand mit der IT umgehen?Belastungsfähigkeit, Reaktionsvermögen und Koordinationsfähigkeit spielen eine grosse Rolle.

Hatten Sie einen Plan B?
Nicht wirklich. Aber ich bin begeisterte Segelfliegerin. Eine Aufgabe im Flugbereich könnte mich reizen.

Was ist das Schöne an Ihrem Beruf?
Meine Selbstständigkeit. Meinen Chef sehe ich ja nicht allzu häufig. Dazu kommt, dass ich gerne Verantwortung übernehme und eben: die Technik, die Geschwindigkeit, die Lokomotive
an und für sich.

Und was das weniger Schöne?
Wenn ich nachts um vier eine halbe Stunde über das Gleisfeld zu meiner Lok laufe, ist das zwar sportlich, aber es braucht Disziplin, früh ins Bett zu gehen. Die Wochenenden verbringe ich auch öfter auf der Schiene als auf einer Party. Aber das gehört einfach dazu.

Sind Sie stolz, wenn Sie so allein im Führerstand sitzen?
Stolz ist vielleicht das falsche Wort. Aber es ist ein gutes Gefühl, wenn da ein paar Hundert Menschen im Zug sitzen, Menschen, die auf mich zählen. Es ist auch viel Verantwortung dabei. Ohne den Lokführer, die Lokführerin geht nämlich nichts.

Ist jeder Zug gleich zu fahren?
Nein. Es kommt sehr auf die Länge und somit das Gewicht, das Wetter oder das Alter der Lok an. Bei älteren Loks und Regen etwa kann ich beim Anfahren Sand auf die Schiene streuen so kann der Zug schneller beschleunigen. Die modernen Loks haben einen Schleuderschutz, eine Art ABS, damit die Räder nicht durchdrehen.

Bei älteren Modellen gehen Sie tatsächlich mit dem Sandkübel und der Schaufel nach draussen?
(Lacht.) Nein das mache ich per Knopfdruck vom Führerstand aus.

Gibt es schönere und weniger schöne Fahrten?
Eigentlich nicht. Aber eine ganz spezielle Geschichte ist der Orientexpress. Ich durfte diesen nostalgischen Zug schon ein paar Mal durch die Schweiz von Basel bis nach Buchs im Rheintal fahren.

Was ist daran so speziell?
Wir nennen ihn auch den Lämpli-Zug. Wenn man in der Kurve zurückschaut, sieht man in allen Zugsfenstern die kleinen Lampen brennen. In Buchs vertreten sich die Passagiere ein paar
Minuten die Füsse im Morgenrock. Dann schwebt ein Hauch der guten, alten Bahnzeit über der Szenerie.

Geburtsdatum: 15.Oktober 1988
Beruf: Lokomotivführerin SBB
Laufbahn: Bezirksschule, Berufslehre als Zahntechnikern, Ausbildung Lokführerin
Frauenanteil: 2428 Lokführer SBB und SBB Cargo, 83 Lokführerinnen (3,3%).
Ausbildungsinfos: www.sbb.ch/sbb-konzern/jobs-karriere

Schreinerin

Das will ich, sagte sich Giuliana Steiner nach der Schnupperlehre als Schreinerin. Sie hat ihr Ziel erreicht.

Ich bin Frau einfach ein anderer Typ»

Schreinerin Giuliana Steiner (20)

Coopzeitung:Frau Steiner, warum arbeiten Sie als Fensterschreinerin und nicht als Kosmetikerin oder Coiffeuse?
Giuliana Steiner: Das wäre nichts für mich! Ich war nie Schickimicki.

Sind Sie weniger Frau, als jemand,der als Kosmetikerin arbeitet?
Überhaupt nicht. Ich bin einfach ein anderer Typ Frau.

Waren andere Berufe ein Thema?
Eigentlich nicht. Allerdings wusste ich lange nicht, was ich machen möchte. Meine Eltern machten mich auf den Schreinerberuf aufmerksam. Nach der ersten Schnupperlehre war klar: Das will ich.

Und wie lief die Lehrstellensuche?
Es war nicht leicht, eine Lehrstelle zu finden. Viele Arbeitgeber haben Vorbehalte gegenüber weiblichen Lehrlingen, weil es halt doch eine recht körperliche Arbeit ist.

Aber es ist machbar.
Absolut. Klar komme ich von der Kaft her vielleicht mal an meine Grenzen. Aber dann kann ich mich melden. Meine Kollegen haben da auch kein Problem damit. Die ersten paar Wochen meiner Lehrzeit waren allerdings schon hart: Da war ich abends jeweils ziemlich auf den Felgen wobei das meinen männlichen Kollegen nicht anders ging.

Wie reagieren die Leute, wenn Sie erzählen, was Sie arbeiten?
Viele sind erstaunt das ist auch heutzutags noch so. Ich war jedoch nie mit negativen Reaktionen konfrontiert. Im Gegenteil, die meisten finden es toll.

Sie arbeiten in einer Männerwelt. Sind Sie da mit Sprüchen konfrontiert?
Klar. Aber die darf man nicht allzu ernst nehmen. Dumme Sprüche oder Anmachen ignoriert man am besten: beim einen Ohr rein und beim anderen raus. Vor allem sollte man sie als das nehmen, was sie sind: Witze, Neckereien.

Müssen Sie anderen etwas beweisen?
Anderen nicht mir selber schon. Ich will gute Arbeit liefern, besser sein als andere.

Gibt es Momente, in denen Sie Ihre Berufswahl bereuen?
Nein. Und ich würde auch jedem jungen Mädchen raten, den gleichen Weg einzuschlagen, wenn es sich für einen handwerklichen Beruf interessiert. Männer müssen einfach akzeptieren lernen, dass Frauen diese Arbeiten ebenso gut machen können.

Geburtsdatum: 4.Mai 1993
Beruf: Fensterschreinerin bei der Firma 4B Bachmann in Hochdorf LU
Laufbahn: Bezirksschule in Reinach AG, vierjährige Berufslehre zur Schreinerin (Fachrichtung Bau und Fenster)
Frauenanteil: Lehrabschlüsse 2012: 1331 Männer und 143 Frauen; aktuell üben rund 7% Frauen den Beruf aus.
Ausbildungsinfos:www.traumjob-schreiner.ch

Pilotin

Traumberuf Pilotin: Jennifer Knecht im Cockpit eines Airbus A319 der Swiss, auf dem Weg von Zürich nach Oslo.

Linienpilotin Jennifer Knecht (24)

Coopzeitung: Sie haben soeben darum gebeten, die Landung in Oslo auszuführen. Wie fühlen Sie sich?
Jennifer Knecht. Das ist immer ein gutes Gefühl! Und immer eine Herausforderung. So etwas wie Routine gibt es nicht: Die Landepiste und die Wetterbedingungen ändern ständig. Man möchte immer die perfekte Landung hinkriegen.

Und wie stehts mit der Verantwortung?
Man lernt, Verantwortung zu übernehmen. Wenn man vom Flugsimulator auf das echte Flugzeug mit Passagieren wechselt, beherrscht man die Landetechnik. Man konzentriert sich voll auf das, was man tut ob mit fünf oder 200 Passagieren an Bord. Ich bin mir der Verantwortung bewusst, aber ich teile sie mit dem Captain. Und ich achte darauf, immer hundertprozentig fit zu sein.

Weshalb wollten Sie Linienpilotin werden?
Jeder Tag ist anders. Und jeden Tag sieht man die Sonne mindestens einmal unabhängig vom Wetter. Zudem arbeitet man nie mit der gleichen Crew zusammen, man muss sich stets auf neue Situationen einstellen. Früher habe ich im Büro gearbeitet. Das war hart: Die Zeit verging wie im Schneckentempo.

Was hätten Sie gemacht, wenn Sie nicht Pilotin geworden wären?
Eine schwierige Frage. Ich war zuerst zwischen der militärischen und der zivilen Luftfahrt hin und her gerissen. Ursprünglich wollte ich Kampfjetpilotin werden. Doch aufgrund meiner Grösse von 1,60 m war das etwas schwierig. Und auch beim Gewicht gab es Vorgaben. Zudem hatte ich keine Lust, zehn Jahre in diese Ausbildung zu investieren. Heute bin ich froh über meine Entscheidung. Wenn ich es jedoch als Linienpilotin nicht geschafft hätte, hätte ich mich für die militärische Luftfahrt entschieden.

Müssen Sie sich und den anderen etwas beweisen?
Nicht wirklich. Aber manchmal möchte ich doch zeigen, dass auch Frauen gute Piloten sind. Es gibt noch immer Vorurteile. Dann sage ich jeweils, dass auch Frauen ein Linienflugzeug sicher auf die Landepiste bringen! Deshalb möchte ich besonders gut sein.

Sind Sie eine Abenteurerin?
Ja. Meine Hobbys sind Kite- und Wellensurfen sowie Tauchen, und ich bin gerne draussen in der Natur. Ich bin sechs Monate allein durch Australien gereist. Ich liebe es zu reisen, andere Kulturen, Landschaften und klimatische Verhältnisse zu entdecken und dabei meinen Horizont zu erweitern.

Die Fliegerei ist noch immer eine Männerdomäne. Wie erklären Sie sich das?
Das glauben die Leute immer noch. Es ist noch nicht lange her, seit die Frauen Zugang zu gewissen Berufen haben. Doch wenn sie die notwendigen Fähigkeiten besitzen und ihnen der Beruf gefällt, sind Frauen absolut fähig für den Pilotenberuf. Man muss seinem Herzen folgen. Würde das Fliegen physische Stärke voraussetzen, wäre es schwieriger, aber das ist ja nicht der Fall. In hundert Jahren wird eine Frau im Cockpit vollkommen normal sein. Das müssen auch die Männer akzeptieren. Doch eine solche gesellschaftliche Veränderung ist nie einfach.

Wie wurden Sie in diesem Milieu aufgenommen?
Sehr gut. Obwohl ich in meiner Klasse die einzige Frau war, habe ich keinen Unterschied gespürt.

Als Sie in Oslo die Passagiere verabschiedet haben, wurden Sie kaum beachtet.
Ich bin jung und wirke auch so. Vielleicht dachten die Leute, ich sei eine Flight Attendant. Ich kann das nachvollziehen.

Doch Flight Attendant war nie eine Alternative ...
Doch, als ich sehr jung war. Schon da hatte ich Lust, die Welt zu bereisen und erst noch dafür bezahlt zu werden! An der Expo.02 fand ich jedoch beim Anblick der Patrouille Suisse, dass es doch cooler wäre, selbst im Cockpit zu sitzen. Alle habe gesagt: Ja, ja, wir werden ja sehen! Doch der Traum ist geblieben. Und ich wollte ihn verwirklichen.

Was hat Sie an der Patrouille Suisse beeindruckt?
Wie ein Vogel zu fliegen. Diese Freiheit, selber fliegen zu können. Ich hatte Lust auf diese Herausforderung. Man entdeckt ein anderes Element, die Luft. Nicht jeder ist dafür geschaffen. Es ist ein Privileg.

Welches ist der schönste Moment beim Fliegen?
Davon gibt es viele! Wenn man aus der Wolkendecke herauskommt und die Sonne scheint. Aber auch die Landschaft ist wundervoll manchmal sieht man die Alpen glasklar, manchmal eine Küste. Es gibt immer wieder neue, überraschende Landschaften. Die Morgen- und die Abenddämmerung. Oder wenn man den Mond sieht, wie heute Morgen.

Wenn Sie ein Vogel wären, was für einer wären Sie?
(Lacht) Ein Adler. Weil er einen scharfen Blick hat und weil er stark und schön ist. Als Pilotin kann ich keine Loopings fliegen. Als Vogel schon.

Was würden Sie jungen Mädchen sagen, die sich für einen sogenannt typischen Männerberuf interessieren?
Man sollte seine Träume nicht für andere aufgeben, sondern alles dafür tun, um sie zu verwirklichen.

Geburtsdatum: 20. September 1989
Beruf: Linienpilotin/First Officer
Wohnort: Ermatingen TG
Werdegang: Matura. Sechsmonatiger Sprachaufenthalt in Australien. SPHAIR-Ausbildung (unter der Leitung des VBS). Eignungsabklärung und zweiwöchige fliegerische Vorschulung als Zugang zu einem vereinfachten Selektionsverfahren bei Swiss. Ausbildung zur Linienpilotin bei Swiss Aviation Training (SAT) in Zürich.
Familie: Ihre Mutter arbeitete 18 Jahre lang als Flight Attendant.
Inspiration: Die Flugshow der Patrouille Suisse an der Expo.02.
Karriere: Einstellung mit 20 Jahren bei Swiss. Insgesamt 1300 Flugstunden, 700 Landungen, wovon die Hälfte selbständig ausgeführt.
Freizeit: Surfen, Kitesurfen, Tauchen

  • Swiss: Von den 1323 Piloten sind 57 Frauen
  • Weltweit: Von den 130000 Piloten sind 4000 Frauen
  • Schweizer Armee: Von den 300 Militärpiloten sind 7 Helikopterpilotinnen

Feuerwehrfrau

Mit Leib und Seele, mit Herz und Verstand Feuerwehrfrau: Nicole Welti.

Wir haben 75 Sekunden»

Feuerwehrfrau in Ausbildung, Nicole Welti (27)

Coopzeitung: Feuerwehr das ist jetzt nicht unbedingt der Job, den man mit einer Frau in Verbindung bringt.
Nicole Welti: Warum nicht? Auf diesen Job arbeite ich hin, seit meinem ersten Tag in der Jugendfeuerwehr.

Wie das?
Ich ging mit 14 Jahren in die Jugend- und später in die Ortsfeuerwehr. Das Militär und die Lastwagenprüfung habe ich eigentlich auch im Hinblick auf die 18-monatige Ausbildung als Berufs-
feuerwehrfrau gemacht.

Was hat Sie denn an diesem Beruf derart fasziniert?
Alles. Die imposanten Einsatzfahrzeuge, die spezielle Ausrüstung, die Kameradschaft. Einfach alles. Und ausserdem kann ich helfen und es gibt keinen vielseitigeren Beruf.

Vielseitig?
Der Name Feuerwehr ist ein bisschen missverständlich, die eigentlichen Brandfälle werden immer weniger. Aber wir werden zu Unfällen gerufen, rücken bei Hochwasser, Chemieunfällen oder Personenrettungen aus. Speziell sind auch die Einsätze mit Flugzeugen, denn Schutz&Rettung Zürich ist auch auf dem Flughafen im Einsatz. Und manchmal gehts auch nur um eine Katze, die sich verstiegen hat.

Wenn Sie einen Einsatz haben, werden Sie oft mit menschlichen Schicksalen konfrontiert. Wie gehen Sie damit im Berufsalltag um?
Das gehört zu unserer Ausbildung. Ausserdem haben wir für den Fall eines Falles speziell ausgebildete Berufskollegen als Ansprechpartner sowie einen Seelsorger, der für uns da ist.

Können Sie nach einem Einsatz gut schlafen?
Ich habe das grosse Glück, dass ich rasch einschlafen kann. Und ebenso schnell wieder erwachen. Das ist auch gut so, denn wenn ein Alarm kommt, dann pressierts: Zum Anziehen, drei Stockwerke an der Feuerwehrstange runtersausen, ins Einsatzfahrzeug steigen und losfahren haben wir genau 75 Sekunden.

Ist es schwierig, eine Ausbildungsstelle zu bekommen?
Schon. Für die diesjährigen Ausbildungsplätze für unsere Berufsfeuerwehr gab es über 150 Bewerbungen. Sechs haben sie genommen. Auch mich.

Geburtsdatum: 4.April 1987
Beruf: Feuerwehrfrau in Ausbildung
Laufbahn: Berufslehre als Drechslerin, Rekrutenschule, LKW-Chauffeuse, auszubildende Berufsfeuerwehrfrau
Frauenanteil: Schweizweit arbeiten 1132 Männer und 6 Frauen bei Berufsfeuerwehren (0,5%).
Ausbildungsinfos: www.stadt-zuerich.ch/feuerwehrundwww.swissfire.ch (Feuerwehrverband)

Chauffeuse

Daniela Stübi wusste schon als Kind, dass sie mal schwere Brummis fahren wollte. Ihr Wunsch ist in Erfüllung gegangen.

Hinter dem Steuer bin ich glücklich»

LKW-Chauffeuse Daniela Stübi (22)

Coopzeitung:Können Sie einen Reifen wechseln?
Ja, sicher! Das gehört zu meiner Ausbildung.

Wann haben Sie beschlossen, Lastwagenchauffeuse zu werden?
Als ich in der 5. Klasse war, also etwa mit 10, 11 Jahren. Mein Vater ist auch LKW-Chauffeur. Es ist mein Traumberuf.

Und wie war seine Reaktion auf Ihren Berufswunsch?
Meine Familie und meine Freunde sind eigentlich stolz auf mich.

Wie reagieren die Männer im Beruf?
Gut. Während der Ausbildungszeit gab es schon Situationen, wo mir ein männlicher Kollege zeigen wollte, wie man es besser macht. Wenn er mich überzeugen konnte, habe ich seinen Vorschlag angenommen. Wenn nicht, habe ich es gemacht, wie ich es für richtig hielt. Ich muss als Frau ab und zu deutlicher zeigen, was ich kann, aber ich habe nie Schwierigkeiten gehabt, dass ich von den männlichen Kollegen respektiert werde. Ich finde Männer sowieso oft einfacher als Frauen.

Warum?
Ich glaube, ihre Art und ihr Humor liegen mir eher. Die Gespräche von Frauen interessieren mich oft nicht. Ich sähe mich auch nicht in einem Büro, wo man immer seriös sein muss.

Das heisst, ein typischer Frauenberuf wäre für Sie nicht infrage gekommen?
Nein. Wenn ich nicht LKW-Chauffeurin geworden wäre, dann Auto- oder Lastwagenmechanikerin.

Gibt es Situationen, wo Sie Angst spüren?
Angst nicht. Aber es gibt Situationen, wo ich merke, dass ich mich sehr gut konzentrieren muss. Das kann bei starkem Stadtverkehr sein oder wenn zum Beispiel ein Kind am Strassenrand läuft oder spielt. Dann passe ich wirklich extrem gut auf.

Welche Situation lieben Sie ammeisten?
Immer wenn ich hinter dem Steuer sitze, ist meine Welt in Ordnung.

Können Sie jungen Frauen Ihren Beruf empfehlen?
Grundsätzlich ja. Die Frau muss sich einfach bewusst sein, dass sie sich in einer Männerwelt bewegt. Und manchmal braucht es auch Muskelkraft.

Geburtsdatum: 22.April 1992
Beruf: Lastwagenführerin EFZ
Laufbahn: Primar- und Realschule Toffen bis 2008, Berufsschule Lyss, Ausbildung zur Lastwagenführerin 20082011
Frauenanteil: Bei Coop gibt es 586 LKW-Chauffeure, davon sind 24 Frauen (4%).
Ausbildungsinfos:www.coop.ch/grundbildung