Das Velo voll im Griff | Coopzeitung
X

Beliebte Themen

Familie

Das Velo voll im Griff

Ob für den Schulweg oder in der Freizeit: Das Velo ist auch für Kinder ein praktisches Fortbewegungsmittel. Doch Velofahren will gelernt und geübt sein. Zum Beispiel in einem Verkehrsgarten.

FOTOS
Heiner H. Schmitt
09. Juni 2014
Franco Castronari von der Kantons-polizei Basel-Stadt erklärt Elisa, wann sie klingeln darf. Sven Hopf von Pro Velo: Wer weiss, was diese Schilder bedeuten?. Hand raus beim Abbiegen! Sonst gibts eine Busse auch für Velofahrer. Hier ist Augenmass gefragt beim Bremsen das Hölzli muss oben bleiben!

Franco Castronari von der Kantons-polizei Basel-Stadt erklärt Elisa, wann sie klingeln darf. Sven Hopf von Pro Velo: Wer weiss, was diese Schilder bedeuten?. Hand raus beim Abbiegen! Sonst gibts eine Busse auch für Velofahrer. Hier ist Augenmass gefragt beim Bremsen das Hölzli muss oben bleiben!

Sven Hopf von Pro Velo: Wer weiss, was diese Schilder bedeuten?.

Hand raus beim Abbiegen! Sonst gibts eine Busse auch für Velofahrer.

Hier ist Augenmass gefragt beim Bremsen das Hölzli muss oben bleiben!

Reportage

Rund ein Dutzend Kinder stehen mit ihren Velos am Fahrbahnrand im Verkehrsgarten Basel. Ein Polizist kon-trolliert noch einmal bei jedem Kind den Helm: Mal sehen, ob er festgenug sitzt, damit keine Flausen rauskommen. Diese Gruppe macht sich auf in die Quartierstrassen und überlässt den Verkehrsgarten den Fahranfängern, die sich gerade mit ihren Eltern besammeln. In der Anfängergruppe sind zwei Kinder, die heute zum ersten Mal auf dem Drahtesel sitzen. Sie halten sich noch etwas schüchtern im Hintergrund.

Den Eltern Red und Antwort steht Franco Castronari. Er ist stellvertretender Ressortchef der Verkehrsprävention der Kantonspolizei Basel-Stadt. Er erklärt, wie man Kindern das Velofahren beibringen kann. Sie sollten sich bewusst sein, dass der Griff ans Fahrrad nicht dem Antrieb, sondern zur Sicherung dient. Es ist also nicht sinnvoll, das Kind vorwärtszustossen.

Helfern rät er Folgendes:Das Velo zu Beginn am Lenker stabilisieren. Lassen Sie das Kind aufs Velo sitzen und die Bremsen anziehen dabei beide Füsse auf die Pedale und rückwärts treten. Das Kind sollte nachher einen Punkt in der Ferne anvisieren, Druck auf ein Pedal ausüben, die Bremsen loslassen und dabei vorwärts treten. Dann fährt es automatisch einige Meter. Zu Beginn könne der Helfer das Fahrrad zur Stabilisierung noch unten am Sattel oder am Gepäckträger halten, mitlaufen und dann loslassen. Meist merken die Kinder erst nach einigen Metern, dass man sie nicht mehr hält, weiss Castronari zu berichten. Es gebe solche, die vor Schreck hinfallen. Aber schliesslich lassen sie sich davon ermutigen, dass sie wirklich ein ganzes Stück selbst gefahren sind.

Die sechsjährige Elisamit den schicken roten Velohandschuhen hat schon mit ihrem Mami geübt: Am Anfang hat sie mein Velo gehalten und dann immer wieder losgelassen, bis ich es ganz alleine konnte.

Zwei Instruktorinnen und ein Instruktorvon Pro Velo betreuen Übungsposten. Sven Hopf schaut mit den Kindern die Verkehrssignale und Bodenzeichnungen an. Vor dem Kreisel fällt den Kindern etwas auf: Was heisst das da? Die nennt man Haifischzähnchen, erklärt Hopf, das bedeutet, dass wir keinen Vortritt haben, wenn wir in den Kreisel fahren wollen. Um die Geschicklichkeit zu trainieren, üben die Kinder im Kreisel Abstand zu halten und beim Abbiegen Handzeichen zu geben.

Den Helm richtig einstellen zu können ist lebenswichtig.»

Punktgenaues Bremsenüben die Kinder am Posten von Blenda Mulaj. In einer anderen Übung hält sie hinter dem fahrenden Kind ein paar Finger hoch. Mit einem Blick zurück über die linke Schulter muss es erkennen, wie viele es sind. Gar nicht so einfach, dabei weiter geradeaus zu fahren! Beinahe jedes Kind reisst das Vorderrad beim Zurückblicken etwas he-rum. Das Gleichgewicht verliert aber fast niemand. Die Übung bereitet darauf vor, dass man beim Einspuren vor dem Linksabbiegen immer wieder zurückschauen muss vor und während des Handzeichens. Hierzu hat Castronari eine Anekdote: Ich frage die Kinder, ob sie schon mit nur einer Hand am Lenker und schliesslich, ob sie freihändig fahren können. Da gibt es tatsächlich ein paar, die sich melden! Obwohl freihändig verboten ist.

Den Helm richtig einstellenzu können ist lebenswichtig. Das lernen die Kinder von Jackie Dos Santos: Idealerweise hat unter dem Verschluss noch ein Fingerbreit Platz, erklärt sie. Manche fürchten dann, zu wenig Luft zu bekommen, weiss sie. Wenn sie nach ein paar Minuten immer noch meinen, der Verschluss sitze zu eng, lockern wir ihn leicht. Aber das ist in der Regel nicht der Fall. Wie wichtig der Helm ist, demonstriert sie den Kindern mit einem Hühnerei in einem Mini-Helm. Dieses lässt sie zu Boden fallen es bleibt unversehrt! Geht es doch mal kaputt, kann sie das begründen: Der Helm schützt eben nur den oberen Kopf, das Kinn kann trotzdem eine Schramme bekommen.

Max kann schon länger fietsen (Velo fahren).

Max (7) kam vor einigen Monatenmit seiner Familie in die Schweiz. Er hat schon in Holland Velofahren gelernt. Aber hier sind die Bedingungen um einiges anders, begründet Max Vater, warum sein Sohn heute mit den anderen Kindern im Verkehrsgarten übt. Miteinem Augenzwinkern könnte man sagen: Holländer werden schon mit dem Velo geboren. Mit zwei Jahren habe ich ihn aufs Laufrad gesetzt, erzählt der Vater. An meinem dritten Geburtstag bekam ich ein richtiges Velo, strahlt Max. Er sei sofort losgedüst, ohne Probleme, sagt der stolze Vater, und Max fügt an: Ich finde Velofahren toll! Da kann man draussen sein und sich bewegen.

Expertentipps und Verkehrsgärten

  • Üben sie auf verkehrsarmen Strassen mit dem Kind.
  • Auf ersten Ausfahrten mit dem Kind vorausfahren, damit sich das Kind das richtige Verhalten im Strassenverkehr abschauen kann.
  • Wenn das Kind etwas an Erfahrung gewonnen hat, kann man es vorausfahren lassen. So sehen die Eltern, wie sicher ihr Kind sich im Verkehr bewegt.
  • Zu Beginn sollten Sie den Abstand als Begleitperson noch gering halten zirka zwei Meter und ihn dann schrittweise vergrössern.
  • Lassen sie das Kind den Radius, in welchem es Velo fährt etappenweise erweitern. Zum Beispiel: Zuerst um den Wohnblock, dann zur Schule, schliesslich zu Freunden, Trainings, Musikstunden oder dergleichen.
  • Am besten sucht man den für das Kind sichersten (Schul-) Weg heraus und nicht den kürzesten.
  • Kinder können im Verkehr Distanzen und Tempo schlecht einschätzen und sind bis sie das Jugendalter erreichen unsichere Verkehrsteilnehmer. Deshalb ist ihnen gegenüber besondere Rücksicht geboten.
  • Immer einen Velohelm tragen. Unter dem Verschluss sollte nur noch ein Fingerbreit Spielraum bleiben, damit der Helm gut sitzt.

Rechtliches

  • Kinder dürfen vor dem vollendeten sechsten Altersjahr auf Hauptstrassen nur unter Aufsicht einer mindestens 16 Jahre alten Person Rad fahren. (SVG, Art. 19, Abs 1)
  • Fahrradfahrer über 16 Jahre dürfen ein Kind auf einem sicheren Kindersitz mitführen. Der Sitz muss namentlich die Beine des Kindes schützen und darf den Radfahrer nicht behindern. (VRV, Art. 63, Abs. 4 )
Verkehrsgarten Basel Verkehrsgarten Schaffhausen Verkehrsgarten Zürich Verkehrsgarten Winterthur