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Handarbeit und Leidenschaft: Coop-Miini-Region-Modellbahn-Lok

Eine SBB-Lok ist seit März als Botschafterin der Miini Region-Produkte von Coop in der ganzen Schweiz unterwegs. Nun hat die Modellmanufaktur HAG die Lok auf Spur H0 aufgegleist.

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Heiner H. Schmitt
31. März 2014

Vaterstolz: HAG-Chef Heinz Urech betrachtet das Coop-Modell, das originalgetreu der SBB-Lok nachgebildet wurde. Schwerarbeit für Jessica Beerli im antistatischen Anzug: In der Lackierkabine kommt es auf allerhöchste Reinheit an. Beim Aufdruck muss jedes Detail stimmen: Für Modellbähnler Eduardo Alvarez sind Beruf und Hobby nicht zu trennen. Hochwertiges Innenleben: Zur Montage der mechanischen und elektronischen Bauteile braucht es Geduld und eine ruhige Hand. Meisterwerk der Technik: Die Antriebseinheit der HAG-Lok wird von Hand montiert und exakt justiert. Aufwendige Herstellung: Zwischen dem Druckguss-Rohling und der fertigen Modell-Lok liegen viele Arbeitsschritte. Endkontrolle: Elias Dos Santos arbeitet bereits seit 30 Jahren bei HAG seinem kritischen Blick entgeht nichts. Werbeträger und Sammlerobjekt: Die Sondermodelle sind beliebt, auf dem Netz der SBB ebenso wie auf Modellanlagen. Feinmechanik mit Präzision: Jedes Rad der Eisenbahnmodelle wird einzeln auf dem Drehautomaten bearbeitet. Meisterwerk der Technik: Die Antriebseinheit der HAG-Lok wird von Hand montiert und exakt justiert. Kundenservice: Modelle, die meist schon viele Jahre im Einsatz sind, werden liebevoll gereinigt und wieder instand gesetzt. Faszinierender Lehrbetrieb: Mario Kempf absolviert bei HAG seine Ausbildung zum Polymechaniker mit Begeisterung.

Schwerarbeit für Jessica Beerli im antistatischen Anzug: In der Lackierkabine kommt es auf allerhöchste Reinheit an.

Beim Aufdruck muss jedes Detail stimmen: Für Modellbähnler Eduardo Alvarez sind Beruf und Hobby nicht zu trennen.

Hochwertiges Innenleben: Zur Montage der mechanischen und elektronischen Bauteile braucht es Geduld und eine ruhige Hand.

Meisterwerk der Technik: Die Antriebseinheit der HAG-Lok wird von Hand montiert und exakt justiert.

Für einen rechten Modelleisenbahnfan muss dies der Himmel auf Erden sein: Lokomotiven aller Art, Doppelstockkompositionen, Güterwagen und anderes Rollmaterial, wohin das Auge auch schaut. Dieses Paradies liegt in Stansstad NW, wohin die traditionsreiche Modelleisenbahnmanufaktur HAG Ende 2012 ihren Hauptsitz verlegt hat die dort ansässige Elektronikfirma Polytrona hatte den in die Krise geratenen Modellbahnhersteller unter ihre Fittiche genommen.

Diese Übernahme war ein Glücksfall. Nicht nur, weil Polytrona als langjähriger Zulieferer das Unternehmen HAG bestens kannte, sondern weil Chef Heinz Urech (55) selber begeisterter Modelleisenbähnler ist. Doch der Umzug von St.Gallen in die Innerschweiz war eine Mammutaufgabe: Das gesamte Inventar musste auf die Zügelwagen, von den Produktionsanlagen bis hin zum Ersatzteillager am Ende waren es 14 Anhängerzüge. Doch inzwischen läuft die Produktion in Stansstad schon wieder auf Hochtouren. Denn die Qualität und Präzision der HAG-Modelle sind weit über die Schweiz hinaus in Fachkreisen anerkannt. Der Ruf des vor über 25 Jahren entwickelten und bis heute aktuellen Motors Typ 88 ist legendär. Und eine der begehrten Neuheiten ist aktuell die SBB-Lok im Kleid von Coop Miini Region.

Um das Sondermodell auf die H0-Schiene zu bringen, brauchte es viel Erfahrung und Liebe zum Detail. Am Anfang war nur der Druckguss-Rohling einer SBB-Standardlok Re460 und ein Blatt Papier mit dem Entwurf des Coop-Designs. Für die realistische Umsetzung des Miini Region-Looks im Modell bringt Lackiererin Jessica Beerli (20) zunächst mehrere Farbschichten auf. Dann wird das Coop-Motiv im Tampon-Druck aufgebracht. Der Firmenchef ist sichtlich stolz, dass die junge Mitarbeiterin ebenso grosse Begeisterung für die Eisenbahnmodelle zeigt wie die alten Hasen.

Gestandene Männerbekommen leuchtende Augen und werden wieder zu kleinen Buben, wenn sie die HAG-Modelle sehen.»

Nicht nur beim Lackmuss jedes Detail stimmen, bis hin zum Typschild mit der selben Lok-Nummer wie beim SBB-Original. Auch die Technik der Miniaturausgabe ist auf höchstem Niveau, von den federnden Puffern über das je nach Betriebsmodus schaltbare Fahrlicht inklusive Führerstandsbeleuchtung bis hin zur digitalen Steuerung. Und das Anfahren erfolgt bei der knapp 600 Gramm wiegenden Modell-Lok ebenso sanft wie beim Original mit seinen 84 Tonnen. Diese Perfektion hat dann allerdings auch ihren Preis: 700 Franken kostet die Miini Region-Modell-Lok, mit Sound sind es 50 Franken mehr. Kein Wunder, bei so viel Handarbeit. Und für ein neues Modell betragen die Entwicklungskosten bis zu 400000 Franken. Ein Kinderspielzeug ist das also definitiv nicht.

Gestandene Männerbekommen aber leuchtende Augen und werden wieder zu kleinen Buben, wenn sie die HAG-Modelle sehen. Die Leidenschaft zeigt sich in unterschiedlichen Ausprägungen, erklärt Heinz Urech: Es gibt die rein technischen Modellbahnanlagen, bei denen es vor allem auf die Komplexität der Gleisbauten und der Steuerung ankommt. Andere Fans legen mehr Wert auf die optische Gestaltung und lassen ihre Züge mitten durch liebevoll nachgebaute Landschaften fahren. Und dann gibt es auch noch die Sammler, die sich allein am Anblick dieser detailgetreuen Modelle in einer Vitrine erfreuen. HAG-Chef Urech kennt viele Kunden persönlich, auch solche, die seit der Gründung vor 70 Jahren durch Hugo und Alwin Gahler aus den Anfangsbuchstaben entstand der Name HAG der Firma und ihren Produkten treu sind. In der Anfangszeit ab 1944 stellten die beiden Brüder allerdings noch grössere und robustere Spielzeugmodelle her.

In aller Weltsind die HAG-Modelle heute erhältlich. Neben den etwa 80 Fachhändlern in der Schweiz hat das Unternehmen auch 145 internationale Vertriebspartner in New York, Miami und San Francisco ebenso wie in Singapur und Tokio. Damit die hochwertigen Modelle auch nach vielen Jahren im Einsatz weiterhin fahrbereit bleiben, unterhält der Hersteller ein eigenes Ersatzteillager. Rund 1900 Artikel liegen dort bereit, von den Rädern bis zur Dachantenne. Dazu bietet das Unternehmen auch Service an, von der Reinigung über die liebevolle Ausbesserung von Spuren des intensiven Gebrauchs bis zum Einbau moderner Digitaltechnik bei älteren Modellen. Und als Lehrbetrieb im kaufmännischen Bereich ebenso wie für Polymechaniker sorgt HAG dafür, dass die Leidenschaft für den Eisenbahn-Modellbau auch in der nächsten Generation weiterlebt.