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Familie

Zu Tisch! Es wird gespielt

Gesellschaftsspiele Auch in Zeiten der digitalen Spiele gehen die klassischen Gesellschaftsspiele nicht verloren, wie ein Besuch in Spieltreffs zeigt. Doch warum spielen wir überhaupt?

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Sandro Mahler, Heiner H.Schmitt
13. Oktober 2014

Jennifer (l.) trifft sich mit Silvia und Nic im Drago Rosso zum Spielen, etwa das Kartenspiel Dixit. Spielen in guter Gesellschaft.

Spielen in guter Gesellschaft.

Reportage

Es wurde noch nie so viel gespielt wie heute.»

Ulrich Schädler, Direktor des Schweizer Spielmuseums

Dialektkurse sind gefragt

Mozart komponierte spielend
Heute spielt der Mensch nicht zuletzt dank der allgegenwärtigen digitalen Spiele so viel wie noch nie. Durch die Spiele auf dem Handy verbringen viele jede freie Minute mit Spielen und verkürzen sich damit etwa die Wartezeit auf den Bus oder den Zug. Und: Schauen Sie nur mal, wie viele Spielsendungen es im Fernsehen gibt, gibt Ulrich Schädler zu bedenken. Statt digitale Spiele zu verteufeln, sieht der Experte einen Vorteil in der Allgegenwärtigkeit von Spielen: Die Lust am Spielen entdeckt man zuerst durch die Spiele, die man im Alltag zur Hand hat, weiss er. Man sei danach auch für andere Spiele viel offener. Diese Spielwut ist, laut dem Fachmann, vergleichbar mit jener im 18.Jahrhundert. Spiele waren nebst dem Theater das bevorzugte Freizeitvergnügen der Erwachsenen. Mozart soll sogar Teile von Don Giovanni beim Kegeln komponiert haben.

Eile mit Weile ist ein Klassiker: ein Exemplar mit Pferdefiguren aus Frankreich von ca. 1940.

Es macht Spass gegen andere zu spielen»

Jennifer (13)

Spielen liegt in unserer Natur
Die Geschichte des Spielens geht aber noch viel weiter zurück. Schon in der Antike spielten die Leute gerne Gesellschaftsspiele. Die ältesten von Archäologen in Ägypten entdeckten Brettspiele stammen aus dem 4.Jahrtausend vor Christus, weiss Spielforscher Schädler. Das sei eine Art Eile mit Weile gewesen, das mit einem Würfel gespielt wurde und bei dem derjenige gewann, der zuerst das Ziel erreichte. Gut möglich, dass schon früher gespielt wurde. Es lässt sich jedoch nicht zurückverfolgen, in welchen Zeiten die Menschen verderbliche Materialien zum Spielen benutzten, beispielsweise in Sand gemalte Zeichnungen als Spielbrett und Kiesel als Spielsteine. Dass die Menschen aller Epochen überhaupt ein solch grosses Interesse am Spielen hatten, führt Schädler auf ihre Natur zurück: Der Mensch liebt es, das Unbekannte zu erforschen und seine Grenzen auszuloten. Er löse zudem gerne Probleme. Dies geschehe beim Spielen in einem amüsanten und ungefährlichen Umfeld. Diese Theorie bestätigen die regelmässigen Besucher des Basler Spieltreffs: Praktisch alle spielen lieber Strategie- als Glücksspiele.Man darf annehmen, dass der Mensch auch in Zukunft nicht aufhören wird zu spielen. An den Internationalen Spieltagen in Essen Mitte Oktober wurden rund 500 Neuheiten vorgestellt, sagt Ulrich Schädler. Jennifer und den Leuten des Spieltreffs Basel werden die Spielmöglichkeiten also bestimmt nicht ausgehen.

Zum Spiel des Jahres 2014 wurde das Spiel Camel Up erkoren.

Schummeln Sie beim Spielen?»

Gewinnen macht mehr Spass als Verlieren. Wie sehr darf man Ihrer Meinung nach seinem Glück auf die Sprünge helfen?

Hier gehts zu weiteren Wochenfragen

Erzählnacht 2014

Am Freitag, 14.November 2014, ist in der ganzen Schweiz wieder Erzählnacht. Dieser Event wurde 1991 dank der Initiative des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien ins Leben gerufen.

Das Konzept ist einfach:erzählen, laut vorlesen in der ganzen Schweiz, in der gleichen Nacht. Das diesjährige Motto lautet: Ich spiele, du spielst spiel mit!; Je joue, tu joues jouons!; Gioco, gioca, giochiamo; Eu giog, ti giogas giugain! Die Veranstaltungen finden an verschiedenen Orten statt darunter Schulen, Bibliotheken, Buchhandlungen und Vereinslokale.

Interview

Coopzeitung: Wird heute weniger gespielt als vor einigen Jahren?
Synes Ernst:Im Gegenteil. Es ist nur so, dass nicht mehr alle, die spielen wollen, um einen Tisch sitzen müssen.

Welche Spiele werden gerne gespielt?
Immer gerne gespielt werden die klassischen Spiele, die in der Regel innerhalb der Familie von Generation zu Generation weitergegeben werden. Mit diesen Spielen lernt man auch die Grundmuster, die in neueren Spielen immer wieder auftauchen. Beliebt sind Spiele, die einen nachvollziehbaren, logischen und leicht verständlichen Ablauf haben.

Es soll also simpel sein?
Man kann nicht sagen, dass einfache Spiele generell lieber gespielt werden. Das kommt immer auch auf den Spielertyp an: Es gibt Menschen, die sich mit einem schnellen und einfachen Spiel unterhalten, während andere sich dabei eher langweilen. Für diese sind komplexe Spiele mit anspruchsvollen Regeln das Richtige. Wichtig ist ein gutes Spielerlebnis. Gesucht werden vermehrt auch Spiele, die sich für einen grösseren Kreis eignen.

Was bedeutet das für das Angebot an Spielen?
Das Angebot an Gesellschafts-, Brett- und Kartenspielen ist seit Mitte der 1990er-Jahre vielfältiger geworden. Es gibt auch immer mehr Titel, die von ihrer Komplexität her eher für ein Publikum gedacht sind, das beim Spielen eine grössere Herausforderung sucht, als ihm ein durchschnittliches Familienspiel bieten kann. Auch das Angebot bei den Kinderspielen ist viel besser geworden, sowohl in Bezug auf die Qualität als auch auf die Quantität.

Was ist ein gutes Spiel?
Ein gutes Spiel spricht mich von der Aufmachung über das Cover bis hin zur Gestaltung des Spielplans und des Materials an. Es weckt durch seine äussere Erscheinung meine Neugier. Schon die erste Lektüre der Regeln vermittelt mir einen groben Überblick über den Spielverlauf. Und bereits beim ersten Mal spielen spüre ich, wie das Spiel mich hineinzieht. Ich habe ein Spielerlebnis mit Spannung und Überraschungen. Ich persönlich mag Spiele mit einer guten Mischung aus Glück und Taktik. Ein gutes Spiel fordert mich als Person auf verschiedenen Ebenen heraus. Und nicht zuletzt: Ein gutes Spiel macht mir Freude, es vermittelt mir Spass und bietet hervorragende Unterhaltung.

Wichtig für ein gutes Spielerlebnis sind Spannung und Unterhaltung.»

Synes Ernst

Wann wird ein Spiel zum Spiel des Jahres gekürt?

Das Spiel des Jahres ist nicht, wie viele meinen, das beste Spiel eines Jahrgangs. Es ist vielmehr das Spiel, von dem die Jury überzeugt ist, dass es der beste Botschafter zur Erfüllung des Vereinszwecks von Spiel des Jahres ist. Demnach muss der ausgezeichnete Titel möglichst vielen Menschen zeigen, wie schön Spielen an sich ist. Für das Kinderspiel des Jahres und das Kennerspiel des Jahres gelten je noch ein paar zielgruppenspezifische Kriterien. Für alle drei Kategorien wird eine gewisse Innovation bei der Spielidee und beim Spielmechanismus vorausgesetzt.

Spieltipp

qwixx deluxe
  • Einer würfelt, alle können das Ergebnis nutzen. Das ist genauso simpel wie spannend.
  • Ab 8 Jahren
  • Fr. 19.95
my monopoly**
  • Seit 80 Jahren ist Monopoly erhältlich. Bei My Monopoly können Spielbrett, Figuren und Ereignis-karten mit eigenen Bildern und Texten gestaltet werden.
  • Ab 8 Jahren
  • Fr. 54.95.
triominos turbo
  • Das Spiel ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Es muss schnell gespielt werden und der Timer darf nie ablaufen.
  • Ab 6 Jahren.
  • Fr. 24.95.
crazy cups
  • Geschwindigkeit und ein gutes Auge sind gefragt. Der schnellste Stapler gewinnt.
  • Ab 6 Jahren
  • Fr. 29.95
Junior Labyrinth
  • Den Klassiker gibt es auch in der Version mit den Charakteren des Disney-Films Planes 2.
  • Ab 4 Jahren
  • Fr. 29.95
Cranium*
  • In diesem Denk- und Ratespiel müssen die Teams ihr Können in vier unterschiedlichen Kategorien beweisen.
  • Ab 16 Jahren
  • Fr. 29.95

Alle Spiele sind in Coop-Citx-Warenhäusern und in grösseren Supermärkten erhältlich.
* in Coop-City Warenhäusern erhältlich.
** Fr. 44.95 bis 22. November oder solange Vorrat.

Quiz   01
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