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Chlausschule: Auch St.Nikolaus hat nie ausgelernt

Der Samichlaus ist zwar schon ein alter Mann, aber auch er muss ständig dazulernen. Wir haben mit ihm die Samichlaus-Schulen in Bern und in Zürich besucht.

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FOTOS
Peter Mosimann, Keystone, Mezger, AKG-Images, Sigi Tischler, Jean-Christoph Bott, zVg,
30. November 2015

Im grossen Samichlaus-Buch stehen alle grossen und kleinen Geheimnisse der Kinder.


Lernen

Ob Mitra oder weiche Mütze, das Kostüm muss gut sitzen.
Samichlaus, himmlischer Kontrolleur

Und gut aussehen muss er auch

Wer sich jetzt wundert, warum er in Bern noch nie einen Samichlaus mit Schülerthek auf der Strasse gesehen hat, dem sei erklärt, dass die Samichläuse diese Schulungen in Strassenzivil besuchen. Schliesslich würde das ganz schön für Verwirrung stiften, wenn eine Gruppe Samichläuse schon im November durch die Strassen ziehen würde. Treffpunkt der Zunft von Bern ist der Sternen in Törishaus BE. Neben den Chläusen und den Schmutzlis gibt es an diesem Abend auch einige Frauen. Ja, gibt es denn in Bern etwa Samichläusinnen? Nein, nein, heisst es einstimmig. Die Frauen sind die Helfer der Chläuse und sorgen dafür, dass ihre Bärte schön rauschig, die Haare schön lockig und die Mützen schön zipfelig sind. Ihnen geht kein Chlous und kein Schmutzli unordentlich oder mit Turnschuhen aus dem Haus. Das Aussehen ist nämlich ein wichtiger Punkt des Mythos Samichlaus. Diesen zu bewahren, hat sich die Zunft auf die Fahne geschrieben. Schliesslich freuen sich die Kinder jedes Jahr auf den gütigen Mann. Obwohl er ihnen zum Teil auch ein bisschen Angst einjagt. Doch die Kinder würden eigentlich von Jahr zu Jahr offener werden, verrät einer der Chläuse. Kein Wunder, schliesslich ist heute der Samichlaus eher ein gütiger denn ein gestrenger Prüfer, wie er es noch zu Anfang seiner Einkehr-Zeit war. Diese Anfänge finden sich im katholischen Süddeutschland des 17.Jahrhunderts, von wo aus sich der Brauch verbreitete. Statt wie zuvor den Kindern heimlich Geschenke einzulegen, wurde der Besuch des heiligen Nikolaus dramatisch inszeniert. Wurde den Kindern früher noch Rute oder Verschleppung im Sack angedroht, lobt der Samichlaus heutzutage oder gibt Besserungstipps, ohne jedoch ein Kind blosszustellen.

In katholischen Gebieten trägt der Samichlaus noch die Bischofsattribute Mitra und Bischofsstab.

Gibts ihn oder nicht?

Ob böse oder gütig, immer schon haftete ihm etwas Magisches an und gerade Kinder ab drei Jahren, die in der sogenannten magischen Phase sind, lassen sich davon ganz schön beeindrucken, wie der Berner Kinder-Samichlous weiss: Sie erklären sich alles, was sie nicht verstehen, mithilfe ihrer Fantasie. Realität und Fantasie werden vermischt. Ausserdem würden sie Geschichten lieben, meint der Samichlaus, und davon hat er zum Glück mehr als genug. Wenn sie der magischen Phase mit fünf, sechs Jahren entwüchsen, kämen erste Zweifel und schliesslich würden sie die Maske durchschauen. Doch weil der Samichlausbesuch meist mit einer schönen Zeit in Verbindung gebracht wird, seien sie den Eltern für diese Flunkerei nicht böse. Eigentlich war der Samichlaus noch nie eine wirkliche Person aus Fleisch und Blut.

Auch für den Samichlaus ist jeder Besuch etwas Besonderes. 

Werner Mezger, Professor für Volkskunde und europäische Ethnologie, schreibt in seinem Buch Sankt Nikolaus. Zwischen Kult und Klamauk, dass Sankt Nikolaus ein rein geistliches Konstrukt war nichts anderes als das fiktive Resultat eines langen ideengeschichtlichen Prozesses. Denn über den historischen Bischof Nikolaus von Myra, der immer wieder als Quell der Legenden identifiziert wird, gibt es fast keine historischen Fakten. Trotzdem entstanden um seine Person ein Kult, Legenden und Brauchtümer. Dadurch hat er das Leben vieler Personen beeinflusst und das sei das, was ihn real mache. Weiter schreibt Mezger: Für die Mehrheit der Bevölkerung stellt Nikolaus [...] einfach so etwas wie ein Stück Märchenland, ein bisschen verlorenes Paradies, Kinderglück und Geborgenheit [dar]. Und deshalb besuchen ihn auch die Erwachsenen noch gerne: Im Wald passiert es mir öfter, dass eine Gruppe von acht Erwachsenen mit zwei oder drei Kindern kommt, lacht der Samichlous aus dem Waldhüsli. Viele sagen mir dann, dass es für sie ohne einen Besuch bei mir einfach keine richtige Weihnachtszeit sei.

Schmutzli und Samichlaus verkörpern den Dualismus von Böse und Gut.

Wer will was vom Samichlaus?

Dass die Erwartungshaltungen an den Samichlaus sehr differenziert sind, und wie man ihnen gerecht wird, ist der Schwerpunkt in der Samichlausschulung der St.Nikolausgesellschaft Zürich. Um ihre 30 Chläuse und 45 Schmutzlis einzustimmen, hat die Gesellschaftsleitung zum Unterricht in die Kantonsschule Hottingen gerufen. Die Männer hören dem Schulungs-Chlaus aufmerksam zu. Ihr Fokus liegt auf Grossfeiern, das heisst Besuche in Schulklassen, Seniorenheimen oder an Geschäftsfeiern. Was wird in den verschiedenen Situationen erwartet und wie schafft es der Samichlaus, diesen zu begegnen, ohne seinen Prinzipien untreu zu werden? Wie reagiert der Samichlaus etwa, wenn ihm ein frecher Schüler ein Gümmeli anspickt (intervenieren, nicht ignorieren) oder darf er an Firmenanlässen auch mal einen zweideutigen Witz machen (bei der Gürtellinie ist Schluss)? Im Anschluss wird ausführlich diskutiert, denn oftmals gibt es kein Falsch oder Richtig. Wir sind ein Freiwilligen-Verein und da soll es jedem Samichlaus freistehen, seine persönliche Note einzubringen, erklärt der Schulungs-Chlaus. In einem Punkt sind sich aber alle einig: Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Denn wie es ein Chlaus ausdrückt: Improvisieren kann man nur, wenn man die Materie kennt. Und improvisieren, dass muss ein Chlaus schliesslich weiss er nie, wie genau die Stimmung ist und wer die Leute sind, die er besucht.

Das Fazit der Schulung: Am Ende eines Hausbesuches sollen die Erwachsenen Tränen der Rührung in den Augen haben und bei Firmenanlässen soll es Standing Ovations geben.

Briefe ans Christkind oder den Weihnachtsmann

Quelle: Schweizerische Post

Der Mythos

Hier werden die drei gefangenen Feldherren gerettet.

Die erste und die Keimzelle war das Strateleten-Wunder. Gemäss diesem rettete Nikolaus drei unschuldige Feldherren vor einer ungerechten Verurteilung zum Tod, indem er Kaiser Konstantin noch zu seinen Lebzeiten als Geist erschien. Dies machte ihn zum Schutzherrn aller Verurteilten.

Drei Goldstücke erinnern an die Ausstattung der drei Jungfrauen.

Seine Rolle als heimlicher Schenker begründet sich in der Legende um die Ausstattung dreier Jungfrauen. Er liess jeder heimlich in der Nacht ein Goldstück zukommen, als er davon erfuhr, dass ihr Vater sich keine Mitgift leisten konnte und die drei zur Prostitution verurteilt gewesen wären. Die Legende um die Rettung von Schiffsleuten vor einem Seesturm führte dazu, dass er auch Schutzherr dieser Berufsgattung wurde.

Ein Wirt tötete drei Schüler, Nikolaus liess sie auferstehen.

Die Auferweckung dreier getöteter Schüler verlinkte ihn auf immer mit den Schülern und Kindern.Ab dem 9. Jahrhundert wuchs sein Ansehen auch in der westlichen Kirche ausgehend von Neapel und Süditalien. Kurz nach der Jahrtausendwende war er sowohl in der östlichen als auch in der westlichen Kirche sozusagen ein Superstar unter den Heiligen. Die Blüte der Verehrung hatte er aber zwischen dem 13. und 16.Jahrhundert, als er sozusagen als Allround-Heiliger von den verschiedensten Interessengruppen verehrt und ihm zahlreiche Kirchen, Klöster und Kapellen gewidmet wurden.

Zudem entwickelten sich Bräuche zu seiner Verehrung. Wie etwa die Nikolausspiele, bei denen sich die Leute verkleideten und die Legenden nachspielten. Aus diesen heraus entstanden Umzüge, an denen der Nikolaus von allerhand Teufeln (deren Kostü-me meist von der Fasnacht her vorhanden waren) begleitet wurde und von Haus zu Haus zog.

Auf seinem Ruf als heimlicher Schenker basiert der Brauch, Kinder am 6.Dezember heimlich zu beschenken. Diese Form der Heiligenverehrung kritisierte Luther 1545. Er setzte sich dafür ein, dass nur noch der Heilige Christ, also das Christkind, die Geschenke bringt. Seine Nachfolger beraubten Nikolaus dann auch seiner bischöflichen Attribute, der Mitra und des Bischofsstabs. Die Brauchtümer um Nikolaus selbst liessen sich aber nicht so leicht ausmerzen und haben sich bis zum heutigen Tag in den verschiedensten Facetten erhalten und weiterentwickelt.

St.-Nikolaus-Bräuche

Küssnacht

Um 20:15 Uhr gehen in Küssnacht am Rigi am 4.Dezember die Lichter aus und die prächtigen Iffelen erleuchten. Die Iffelen sind aus Karton und farbigem Seidenpapier gefertigt und sehen aus wie Kirchenfenster, welche von innen durch Kerzen beleuchtet werden. Zwischen den Iffelenträgern schreitet St.Nikolausbegleitet von Schmutzlis, Musikanten, Fackelträgernund Klausjägern.

Fribourg

Am 5.Dezember wird in Fribourg der Schülerbischof mit seinem Esel durch die Stadt ziehen und die Plattform der Kathedrale besteigen, von wo aus er eine humorvolle, aber auch kritische Ansprache hält.

Appenzell

Die Silvesterkläuse aus Urnäsch haben ihre Auftritte am Silvester (dem neuen am 31.Dezember und dem alten am13.Januar). Dann ziehen Schuppel (Gruppen) von Wüeschte und Schöne und Schö-Wüeschte von Haus zu Haus, schellen und singen Zäuerli.

Bern

Jeweils am 1.Adventssonntag ziehen die Samichläuseund Schmutzlis in der Kramgasse bis zum Zytgloggeturm, wo der Oberchlaus eine Weihnachtsgeschichte erzählt. Am 12. und 13.Dezember kann man Samichlous und Schmutzli im Waldhaus besuchen.

Zürich

Auch der Samichlaus der St.Nikolausgesellschaft derStadt Zürich zog am 1. Adventssonntag durch die Stadt ein. Wer ihn verpasst hat, kann ihn vom 1. bis 6.Dezember in seinem Waldhüsli auf dem Käferberg besuchen.

Chlaus werden

Freude bringen, sich für die Gemeinschaft einsetzen, eine Brauch am Leben erhalten, die Gemeinschaft untereinander das motiviert die Samichläuse, Schmutzlis und ihre zahlreichen Helfer dazu jedes Jahr Zeit und Muse in ihre Tätigkeit zu investieren. Falls auch Sie Interesse haben ein Teil davon zu werden, wenden Sie sich einfach an eine Samichlausgemeinschaft in Ihrer Nähe.

Alle Adressen und Kontakte

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