Gummiboot: Auf Schweizer Flüssen unterwegs | Coopzeitung
X

Beliebte Themen

Familie

Gummiboot: Auf Schweizer Flüssen unterwegs

Wenn es so heiss und schwül ist, dass man es nur im oder am Wasser aushält, gibts ein sehr gutes Mittel: im Gummiboot auf einen Fluss!

FOTOS
Christoph Kaminski
20. Juli 2015
Im Aare-Cheer bei Wolfwil muss man durch etwas bewegtes Wasser paddeln.

Im Aare-Cheer bei Wolfwil muss man durch etwas bewegtes Wasser paddeln.


Bericht

Das Kehrwasser bei Aarburg mit imposantem Panorama von Kirche und Festung.

Rechtzeitig zur Sommersaison hat die Schweiz einen Gummibootführer (Buchtipp Seite 33) bekommen. Das war eigentlich überfällig, denn Gummiboottouren auf Schweizer Flüssen waren bis anhin jenen vorbehalten, die sich auskennen. Nur wer wusste, wo man am besten einsteigt, wo die heiklen Passagen sind und wo man wieder aus dem Fluss steigen muss, wagte sich bis jetzt auf eine Gummiboottour, sagt Iwona Eberle. Die Zürcher Journalistin hat dem Vorrang dieser Insider ein Ende bereitet. Im Werd Verlag hat sie vor Kurzem den ersten Gummibootführer für die Schweiz herausgegeben. Er listet 22 Bootstouren auf diversen Schweizer Fliessgewässern auf und zeigt vor allem die geeigneten Ein- und Ausstiegsstellen und die Anbindungen an den öffentlichen Verkehr. Das ist deshalb sehr hilfreich, weil man Fliessgewässer ja nicht an der Stelle verlässt, an der man eingestiegen ist. Darüber hinaus gibt der Führer Tipps und wichtige Hinweise für Gummibootanfänger.

Jede Woche die neusten Themen im Newsletter! Hier abonnieren

Schnell einsatzbereit

Um die Stauwehre muss man die Boote tragen. 

Eine Gummiboottour ist ideal für alle jene, die sich keine Jacht auf einem Schweizer See leisten können und das sind die meisten Schweizerinnen und Schweizer. Ein mittelgrosses Boot (circa 11 Kilogramm) lässt sich gut mit Zug und Bus transportieren, es ist leicht aufzupumpen und auch in nützlicher Frist am Ende wieder einzupacken.
Bequeme Kleidung, im Idealfall Badehose, Flipflops, ein Badetuch, Sonnenschutz und Verpflegung genügen für einen traumhaften Tag auf dem Wasser. Das haben sich zum Beispiel Julia Leykauf (42) und ihr Mann Wolfgang (51) gedacht und haben kurzerhand Boot, Paddel und die beiden Kinder Lotta (9) und Anton (8) eingepackt und sind nach Aarwangen BE gefahren. Dort befindet sich wenige Schritte von der Bahnstation Aarwangen Schloss der Einstieg in die Aare.

Die Ausstiege sind gut markiert.

Grundsätzlich ist das Befahren der Schweizer Fliessgewässer mit einem Gummiboot erlaubt mit wenigen Ausnahmen. Basel ist so eine, weil da einfach zu viel Werkverkehr auf dem Rhein ist. Aber sonst gehen im Mittelland sehr viele Abschnitte. Gerade die Aare lässt sich, wenn man lange Paddelstrecken nicht scheut, von Thun bis zur Mündung in Koblenz mit dem Gummiboot befahren. Vor den Stauwehren verlangsamt sich die Strömung. Dort muss man das Boot an Land um das Wehr tragen.

Das steht für Wolfgang und seine Familie in Wynau an. Sie fassen das Boot an der Rundumleine und booten danach über die Kahnrampe wieder ein. Dann gehts flott weiter, und bei Wolfwil, im sogenannten Aare-Cheer, bewegen ein paar Wellen die Gummiboote. Als letzter natürlicher Aareabschnitt ist dieser Teil geschützt. Bei der Holzbrücke in Murgenthal ist eine mögliche Ausstiegsstelle, doch das wäre jetzt zu früh. Nach Murgenthal und bis kurz vor dem Kraftwerk Ruppoldingen ist Gelegenheit, ins Wasser zu hüpfen. Die Aare ist frisch aber nur bis zum Eintauchen. Das finden auch Julia (18) und Seraina (18), die ebenfalls zusammen unterwegs sind. Cool, genial, mega, ähhhh... es gibt scheinbar Momente, da ist selbst die grosse Auswahl an Superlativen, die die Jungen heute zur Verfügung haben, zu klein, um den Spass angemessen auszudrücken.

Aussteigen erlaubt: Mit dem Gummiboot geht man aufs Wasser, damit man auch ins Wasser geht.

Die guten Schwimmer lassen sich ganz einfach im Wasser treiben. Noch bequemer ist es, wenn man mit der Rettungsweste ins Wasser geht. Hier gilt zu beachten, dass ein Schwimmer im Wasser schneller vorwärtskommt als ein Schlauchboot auf dem Wasser. Zu empfehlen ist daher, zuerst nach hinten zu schwimmen und sich dann zum Boot treiben zu lassen. Wer sich dem Boot voraus treiben lässt, der muss unter Umständen schwer dafür arbeiten, wieder zum Boot zu kommen ausser die im Boot Verbliebenen paddeln auf die Schwimmer zu.

Im Wirbel bei Aarburg

Inzwischen liegt Rothrist hinter der Familie und dem Boot mit den zwei jungen Frauen. In Aarburg versuchen beide, die sogenannte Aare-Waage zu treffen. Der dort einströmende Mühletych-Bach verursacht einen Gegenstrom, der das Wasser am rechten Ufer zurückfliessen lässt. So kann man einen kleinen Halt einlegen, sich im Wirbel im Kreis drehen lassen und die auf dem Fels thronende Kirche und Festung Aarburg bestaunen.
Nach einer weiteren halben Stunde taucht auch schon Olten auf, wo diese Tour endet. Zuvor gilt es noch, den Felsen im Chessiloch zu umpaddeln, und dann ist auf der linken Seite schon die Badi von Olten zu sehen. Vom Schwimmbad sind es nur ein paar Gehminuten zum Bahnhof.

Die Tour: von Arwangen nach Olten

Anschaffung

Das kostet ein Gummiboot

Boot fur 3 Erwachsene oder 2 Erwachsene mit 1 bis 2 Kindern (erhältlich bei Coop Bau+Hobby)

Set mit 3er-Gummiboot, Paddel, Pumpe, Rundumleine, Sitzkissen Fr. 119.
Ersatzpaddel Fr. 24.95
Rettungsweste, ohnmachtssicher Fr. 80. bis Fr. 100.
Seil 15 Meter ca. Fr. 10.

Total (basierend auf 1 Rettungsweste) ca. Fr. 250.

Boote bei Bau und Hobby Rettungswesten und Zubehör bei Bau und Hobby

Tipps: Darauf müssen Sie achten

  • Das Boot muss mindestens drei Luftkammern haben. Es wäre riskant, mit einem Boot mit nur einer oder zwei Luftkammern auf einem Fliessgewässer unterwegs zu sein.
  • Rettungswesten sind für alle Unternehmungen auf dem Wasser sehr empfehlenswert.
  • Paddel können kaputt- oder verlorengehen. Ohne Paddel ist das Boot jedoch nicht mehr zu manövrieren. Nehmen Sie immer Ersatzpaddel mit.
  • Ein zusätzliches separates Seil ist praktisch, um das Boot am Ufer festzubinden oder ans Ufer zu ziehen.
  • Ein Trockensack schützt das Gepäck vor Spritzwasser. Die Kunststoffbeutel haben einen Gurt- und Clipverschluss zum Umrollen.
  • Sowohl ein Rinnsal wie auch ein reissender Fluss sind für Gummiboote ungeeignet. Es ist daher empfehlenswert, den aktuellen Abfluss vor der Tour abzufragen. Das Bundesamt für Umwelt stellt Abflussdaten kostenlos zur Verfügung (www.hydrodaten.admin.ch und per SMS). Für die Strecke AarwangenOlten ist ein Abfluss von bis 400 m3/s empfehlenswert (Messstation Murgenthal; SMS an 9234: Q 2063).
  • Beim Schwimmen im Fluss bleibt mindestens eine Person im Boot.

Buchtipp

Der erste Schweizer Gummibootfuhrer präsentiert die 22 lohnendsten Flusstouren des Landes inklusive Kartenmaterial, uber 200 Fotos und wichtigen Tipps rund ums Thema Bööteln. Eine einfache Ausrustung genugt. Alle Ein- und Ausstiege sind mit dem öffentlichen Verkehr bequem erreichbar. Iwona Eberle: Gummibootfuhrer , Werd Verlag (2015), erhältlich im Buchhandel oder fur Fr. 39.90 (plus Fr. 5. Versandkosten) unter folgendem Link:

Gummiboot-Führer jetzt bestellen