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Jugendbudget

Ein Taschengeld-Modell, mit dem Jugendliche nicht nur fürs Vergnügen, sondern auch für einige ihrer alltäglichen Bedürfnisse aufkommen müssen, schult ihren Umgang mit Geld. Tipps und Erfahrungen von der Budgetberatung und drei Jugendlichen.

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Stefan Bohrer, Barbara Sorg
06. Januar 2015

Laura (13) spart Handykosten, denn WhatsApp-Texten im Wlan zu Hause kostet nichts. Léon (16) gibt sein Taschengeld gerne beim Coiffeur aus. Seraina (18) gibt den grössten Teil ihres Taschengelds für die Verpflegung unterwegs aus.

Léon (16) gibt sein Taschengeld gerne beim Coiffeur aus.

Seraina (18) gibt den grössten Teil ihres Taschengelds für die Verpflegung unterwegs aus.

Interview

Claudia Fanara, im Vorstand der Budgetberatung Schweiz und Budgetberaterin beim Frauenverein Muttenz und frauenplus Baselland

Jugendliche lernen mit Geld umzugehen, indem man ihnen die Chance dazu gibt. Etwa im Rahmen eines Taschengeld-Budgets. Die 13-jährige Laura Moppert muss damit beispielsweise ihre Handykosten decken. Der 16-jährige Leon Leuch bezahlt den Coiffeur und seine Kleider selbst. Die 18-jährige Seraina kommt für fast alle ihre Bedürfnisse selbst auf. Ein Budget, das die Jugendlichen selbst verwalten, kann gemäss einer Studie der Hochschule Luzern vom letzten November präventiv vor Verschuldung schützen. Befragt wurden 120 Eltern.

Ein Jugendbudget ist ein geschützter Rahmen für Jugendliche, um den Umgang mit Geld zu lernen. Claudia Fanara, im Vorstand der Budgetberatung Schweiz und Budgetberaterin beim Frauenverein Muttenz und frauenplus Baselland, sagt, worauf Eltern und Jugendliche achten sollten, wenn sie den Schritt zum erweiterten Taschengeld wagen wollen.

Ist es sinnvoll Jugendlichen ab einem gewissen Alter mehr als nur Taschengeld zum Vergnügen zu geben also ein Budget?

Die Budgetberatung nennt das erweitertes Taschengeld. Wir empfehlen Interessierten, es im Alter von 13 bis 15 Jahren einzuführen. Das hängt davon ab, inwieweit die Jugendlichen schon ein Verständnis für Geld und Kosten haben. Taschengeld zu zahlen, ist generell freiwillig. Wir empfehlen bei Jugendlichen eine monatliche Zahlung. Die Höhe hängt auch vom Einkommen der Eltern ab. Eine gewisse Obergrenze sollte man jedoch nicht überschreiten.

Wie hoch darf es denn sein?

Die Budgetberatung Schweiz gibt Empfehlungen nach Altersstufen ab. Für einen 13-jährigen Schüler empfehlen wir etwa 30 bis 50 Franken Taschengeld pro Monat. Rechnet man zum Beispiel noch Geld für Handy, Kleider und Schuhe dazu, wären es circa 100 bis 160 Franken im Monat. Aktualisierte Empfehlungen sind auf der Webseite der Budgetberatung zu finden.

Für wen ist das sinnvoll?

Für Jugendliche, die noch zu Hause wohnen und in Ausbildung sind, ohne eigenes Einkommen.

Das Handy bietet viel Konfliktpotential»

Was kann ein erweitertes Taschengeld an fixen Kosten decken?

Ein Teil sollte sicher zur freien Ausgabe zur Verfügung stehen. Weitere Posten können zum Beispiel Kleider und Schuhe, Körperpflege, Verpflegung sofern diese ausser Haus stattfinden muss , Handy, Velo- oder Töffunterhalt oder ÖV sein. Beim Velo oder Töff sollten Reparaturkosten durch die Jugendlichen bezahlt werden, so lernen sie Sorge zu tragen. Das Geld für ein ÖV-Abo kann Jugendliche auch zum Umdenken bewegen, vielleicht doch mit dem Velo zu fahren. Das Handy bietet viel Konfliktpotenzial.

Welche Konflikte sind das?

Viele Jugendliche wollen sich punkto Handynutzung nicht einschränken lassen. Manche Eltern lösen aus Angst vor einer hohen Rechnung gleich ein Abo mit Flatrate zur unbegrenzten Handynutzung. Das ergibt hohe Fixkosten und die Jugendlichen lernen so keinen gemässigten Umgang mit dem Handy. Ich empfehle eine Prepaid-Lösung: Ein gewisses Grundbudget bekommen die Jugendlichen. Danach müssen sie ihr frei verfügbares Taschengeld für weiteres Prepaid-Guthaben einsetzen.

Wie ist das beim Budget für die Körperpflege sollen Mädchen und Jungs gleich viel bekommen? Auch im Hinblick darauf, dass sich Mädchen anfangen zu schminken.

Wir von der Budgetberatung machen keinen Unterschied nach Geschlecht. Gewisse Mädchen geben mehr aus für Kosmetik, andere weniger. Genauso bei den Jungs.

Welche Kosten sollten nicht durch ein erweitertes Taschengeld gedeckt werden müssen?

Alle Kosten rund um die Gesundheit und Ausbildungskosten, etwa Schulgeld, ausser Verbrauchsmaterialien für die Schule wie Stifte, Blöcke und Radiergummis.

Was können Eltern tun, wenn die Tochter oder der Sohn mehr Geld verlangen?

Sie können es schlicht ablehnen. Manchmal entstehen Forderungen jedoch auch dadurch, dass viele Kinder meinen, ihre Eltern behalten das ganze Geld, das sie verdienen, für sich. Eltern können dieses Missverständnis ausräumen, indem sie mit dem Kind das Familienbudget anschauen und erklären, was wofür ausgegeben wird, auch Steuern gehören dazu. Sie können dem Kind so aufzeigen, was sie als Eltern selbst noch für sich haben. Meist haben die Eltern selbst nämlich gar kein Taschengeld für sich. Beim Aufstieg in eine andere Altersgruppe könnte eine Erhöhung angemessen sein.

Wie können Jugendliche lernen, ihre Ausgaben besser zu kontrollieren?

Indem sie aufschreiben, wie viel sie für welchen Zweck ausgeben. Das kann auf Karteikarten, in einem Heft oder auch in einer App sein. Denn viele Jugendliche haben ihr Handy immer dabei. Von der Budgetberatung gibt es hierzu eine bereits Budgetplanungs-App. Ende Januar 2015 kommt eine neue Version heraus für iPhone, iPad und Android-Phone. Sie ist kostenlos und basiert auf der Erfahrung der Budgetberatung Schweiz. Von der Schuldenberatung gibt es zudem Anschauungsbeispiele, die aufzeigen, wie leicht die Schuldenfalle schon früh zuschnappen kann.

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Jugendliche und ihr Budget

Ich bekomme monatlich 160 Franken in bar. Damit bezahle ich Kleider (inklusive Schuhe und Jacke), den Coiffeur und dann habe ich noch Taschengeld zum Vergnügen. Der Betrag für die Handyrechnung ist schon abgezogen, den überweisen meine Eltern direkt. Eigentlich komme ich gut damit klar. Es kommt zwar vor, dass es mal nicht ganz reicht bis Ende Monat beispielsweise wenn drei Events im gleichen Monat sind. Dann kann ich es aber durch kleine Arbeiten aufbessern. Ich bekomme zum Beispiel etwas, wenn ich das Auto meiner Mutter wasche oder meinen Bruder hüte. Ich entscheide selbst, wie viel ich jeweils für Kleider, Coiffeur und Vergnügen liegen lasse. Am meisten für den Coiffeur, zu dem ich zweimal im Monat gehe, und wenn ich mit meinen Kumpels unterwegs bin und wir essen gehen. Ich führe nicht Buch über meine Ausgaben, aber ich weiss, dass ich sollte.

Seit etwa zwei Jahren habe ich mehr als das normale Taschengeld. Seit einem Monat bekomme ich monatlich 330 Franken auf ein Konto. Davor waren es noch 300 Franken. Es steigt jährlich an. Damit muss ich so ziemlich alles bezahlen, ausser Schulsachen, Toilettenartikel wie Shampoo, und den Coiffeur, der in meinem Fall sehr teuer ist. Ich entscheide selbst, wie viel ich wofür ausgebe. Ende Monat bin ich oft auf Null, aber Schulden habe ich keine. Fürs Essen gebe ich am meisten aus fast die Hälfte meines Budgets. Denn ich esse vier Mal in der Woche ausserhalb zu Mittag.

Um etwas mehr Geld zu haben, arbeite ich zwei Mal in der Woche als Babysitterin und helfe einmal im Monat im Konfirmationsunterricht aus. Das verdiente Geld, das ich dort verdiene, lege ich zur Seite für Ferien oder finanzielle Notfälle, sonst wird es nicht angerührt. Ich versuche immer mal wieder aufzuschreiben, was ich ausgebe. Aber so genau ist das manchmal nicht möglich: Wenn ich in der Schule esse, bekomme ich keine Quittung und weiss somit später auch nicht mehr genau, was es gekostet hat. Ich überprüfe jedoch meinen Kontostand regelmässig online.