X

Beliebte Themen

Familie

Rotes Kreuz überbrückt Engpass

Manchmal kann eine Rechnung das Haushaltsbudget über den Haufen werfen. Das Rote Kreuz hilft verhindern, dass Familien deshalb in die Abhängigkeit der Sozialhilfe geraten.

TEXT
FOTOS
Christoph Kaminski
02. November 2015

Sie schmecken soooo gut, die Grittibänzen. Mit jedem verkauften Teigmännchen gehen 10 Rappen ans Rote Kreuz.


Budget

Wer jetzt einen Grittibänz bei Coop kauft, tut Gutes. Von jedem verkauften Grittibänz gehen zehn Rappen an das Schweizerische Rote Kreuz SRK für bedürftige Familien in der Schweiz (siehe Box links). Damit unterstützt das SRK gezielt einzelne Personen. Das Ziel ist, dass wir Familien und Einzelpersonen aus einem Engpass helfen, damit sie nachher finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen können, sagt Manuela Tobler (53) vom SRK. Sie ist eine von zwei Mitarbeiterinnen des SRK, die sich um diese Unterstützung kümmern.

Manuela Tobler: Unsere Hilfe kann wichtig sein.

Wozu brauchen manche Familien diese Unterstützung? Hat unser Sozialstaat Lücken im Netz?
Die Hilfe für bedürftige Familien ist eine Überbrückungshilfe für Menschen, die in der Regel noch nicht in der Sozialhilfe sind. Eine einmalige Unterstützung kann mithelfen, dass das Budget der Familie wieder ausgeglichen ist und sie nicht von der Sozialhilfe abhängig wird. So gesehen ist diese Hilfe auch in einem Sozialstaat sehr wichtig. Wenn die Gesuchsteller hohe Schulden haben, verweisen wir sie an die Schuldenberatungsstelle, die mit den Betroffenen zusammen dann eine Sanierung plant.

Geht es jeweils um eine einmalige Unterstützung?
Ja, wir leisten sogenannte Einzelhilfe. Der Begriff steht für eine einmalige Unterstützung und vor allem auch für Hilfe an eine einzelne bestimmte Person.

Was für Kosten übernimmt das SRK?
Sehr oft sind das Gesundheitskosten. Eine unerwartete Zahnarzt- oder Arztrechnung. Gerade bei der Arztrechnung stellen wir oft fest, dass viele aus Spargründen eine hohe Franchise wählen und dann die Arztrechnung nicht zahlen können. Hier versuchen wir natürlich immer zu veranlassen, dass die Franchise zum nächstmöglichen Termin herabgesetzt wird, damit sich das Problem nicht wiederholt.

Wie kommt man zu dieser Unterstützung des SRK?
Es gibt viele, die uns direkt anschreiben. Doch wir müssen alle Gesuche an die lokalen Sozialdienste verweisen. Die Sozialdienste haben Einblick in sämtliche Unterlagen. Sie klären mit den Gesuchstellern die Situation ab und garantieren uns, dass der Sachverhalt stimmt.

Sie haben diesen Einblick nicht?
Nein, sonst müssten wir alle Gesuchsteller zu uns nach Bern zu einem Gespräch einladen. Da wir landesweit arbeiten, geht das nicht. Deshalb müssen Gesuche immer über das Sozialamt oder einen anderen Sozialdienst zu uns kommen etwa über kirchliche Sozialdienste oder Sozialberatungsstellen.

Wie beurteilen Sie die Fälle?
Die Fälle, die wir bekommen, sind nicht immer auf den ersten Blick nachvollziehbar. Es gibt Sozialdienste, die uns ein Gesuch einreichen, weil die betroffene Person ein enges Budget hat. Sie liefern alle Unterlagen mit, und auf den ersten Blick könnte man das gutheissen. Wenn wir feststellen, dass im Budget noch Luft ist, sodass man eine Eigenleistung verlangen kann, wollen wir mehr wissen. Und plötzlich zeigt sich, dass sich die Person noch um ihre hochbetagte Mutter kümmert und dadurch Auslagen hat, oder dass sie deswegen weniger arbeiten konnte. Das sind Lebensgeschichten, die irgendwann ein ganzes Bild ergeben.

Wir zahlen einen Maximalbetrag von 1000 Franken.»

Manuela Tobler, Schweizerisches Rotes Kreuz.

Um wie viel Geld geht es dabei eigentlich?
Der Maximalbetrag, den wir zahlen, ist 1000 Franken. Wenn es um höhere Beträge geht, und bei Gesundheitskosten ist das schnell der Fall, muss der Gesuchsteller auch andere Organisationen anfragen. 1000 Franken sind nicht sehr viel, aber für Menschen mit engem Budget kann das eine wichtige Hilfe sein.

Wofür und für wen geben Sie Geld aus?
Was wir nicht zahlen, sind Reisekosten, Ferien- oder Ausbildungskosten. Aber sonst ist es schwierig, hier Kategorien zu nennen, da wir immer den Gesamtkontext anschauen und den Einzelfall beurteilen. Wenn Sie etwas über die Menschen erfahren möchten, die unsere Hilfe beziehen, würde ich sagen, Schweizer und Ausländer halten sich etwa die Waage. Es gibt viele Familien, viele ältere und vereinzelt auch junge Menschen. Insgesamt bearbeiten wir rund 400 Gesuche pro Jahr.

Woher kommen die Mittel?
Das SRK finanziert diese Hilfe für bedürftige Familien etwa zur Hälfte durch Eigenmittel und den Rest über Spenden aus einer Patenschaft, von Stiftungen und Unternehmen. Durch die steigende Nachfrage ist das SRK auf vermehrte Spenden angewiesen.

Frage der Woche

Wer soll Familien helfen? Private wie das SRK oder der Staat?»

Hier gehts zu weiteren Wochenfragen

4 Beispiele für Hilfe

Hilfe für Kinderbetreuung
Nach der Geburt des zweiten Kindes nimmt das Familienleben von Kevin M. (27) eine drastische Wende. Kevins Ehefrau (26) erkrankt an einer Depression. Pflege und Betreuung von Frau und Kindern überfordern den jungen Mann, der noch in einer Ausbildung steckt und nicht zu viel am Arbeitsplatz fehlen darf. Sein Arzt schreibt ihn krank und empfiehlt ihm, eine ambulante psychiatrische Behandlung für seine Frau und Unterstützung in der Kinderbetreuung zu organisieren. Die Kosten für die Behandlung der Mutter übernehmen die sozialen Dienste der Gemeinde. Jene für die Kinderbetreuung muss der junge Familienvater selber tragen. Das SRK sowie zwei weitere Institutionen übernehmen in diesem Fall die nicht gedeckten Kosten der Kinderbetreuung.

Franchise übernommen
Sandro T. (34) ist zu 100 Prozent angestellt, geschieden und hat zwei Kinder. Für Frau und Kinder muss er hohe Alimente bezahlen. Durch eine Depression verliert er die Kontrolle über sein Budget und häuft Schulden an. Seine Ex-Frau ist bereit, auf einen Teil der Alimente zu verzichten. Zusammen mit dem Sozialdienst seines Arbeitgebers hat Sandro T. ein Budget und einen Schuldenplan erstellt. Dennoch bleibt die finanzielle Lage angespannt. Sandro T. ist verzweifelt, muss mehrmals zum Arzt. Seine Herzbeschwerden stehen in Zusammenhang mit seiner finanziellen Situation. Die SRK-Einzelhilfe übernimmt einen Teil der Franchise und des Selbstbehalts, um die Situation zu entschärfen.

Teure Zahnarztrechnung
Dorothea L. (45) ist geschieden und arbeitet zu 80 Prozent in der Gastronomie. Ihre älteste Tochter absolviert eine kaufmännische Lehre und wohnt zu Hause. Sie gibt einen Teil ihres Lohnes zu Hause ab. Trotzdem lebt Dorothea L. mit dem absoluten Existenzminimum. Immer wieder hat sie deshalb Zahnarzt-termine hinausgeschoben, bis die Schmerzen unerträglich und eine Behandlung unumgänglich wurden. Die Rechnung sprengt jedoch das Budget der Familie. Die SRK-Einzelhilfe hat hier einen Beitrag an die Zahnbehandlungskosten übernommen.

Lohnausfall auffangen
Katja P. (33) ist Hausfrau und leidet seit Jahren unter chronischen Krankheiten. Als sie die Nachricht bekommt, ein Knoten im Gewebe müsse dringend operiert werden, bringt das das ganze Familienleben durcheinander. Es ist zwar nicht der erste Tumor, den Katja P. hat, und bisher stellten sich alle als gutartig heraus. Doch die Diagnosen lösen bei Katja immer wieder Angst-zustände aus. Auch die Kinder leiden unter der Situation und entwickeln verschiedene Verhaltensauffälligkeiten. Damit ihr Mann während der Zeit der Operation für die Familie da sein kann, bietet sein Arbeitgeber an, einen unbezahlten Urlaub zu gewähren. Das bedeutet allerdings einen fünfwöchigen Lohnausfall. Im Sinne einer Sofortmassnahme und zur Entlastung der Familie hilft die SRK-Einzelhilfe gemeinsam mit zwei weiteren Institutionen mit, die Folgen des Lohnausfalls mit einem einmaligen Beitrag abzufedern.

Grittibänz-Aktion

Vom 27.Oktober bis 19.Dezember verkauft Coop die beliebten Grittibänzen. In dieser Zeit gehen für jeden verkauften Grittibänz zehn Rappen an das Schweizerische Rote Kreuz für bedürftige Familien in der Schweiz.
Erfahrungsgemäss verkauft Coop in dieser Zeit rund eine Million Grittibänzen.

Mehr zur Spendenaktion