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Familie

Babylon innerhalb der Familie

Der 21. Februar ist Welttag der Muttersprache. Doch je länger je mehr Menschen haben mehr als eine davon. Ein Einblick.

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Heiner H. Schmitt, Nicolas de neve, Christoph Kaminski, zVg
15. Februar 2016

Für Léa, Elsa und Sara (v. l.) ist Mehrsprachigkeit kein Problem: Bei ihnen wird Französisch, Spanisch und Italienisch gesprochen.


Mehrsprachigkeit

Einfluss der Schule

Familie Mouzo ist damit kein Einzelfall. Die in der Schule gesprochene Sprache entwickelt sich meist zur Hauptsprache der Kinder. Es ist eine Frage des Wortschatzes und des Sich-Wohlfühlens in einer Sprache, erklärt Hélène Delage, Koordinatorin des Masterstudiums in Logopädie der Uni Genf. EinKind wählt die Sprache, mit der es am häufigsten in Kontakt ist. Bei den Mouzos pflegt man dennoch die Vielfalt es gibt Bücher und DVDs in drei Sprachen. Innerhalb der Familie dominiert oft Französisch. Deshalb haben wir ein paar Tricks auf Lager, damit das Italienische und Spanische im Alltag mit den Kindern nicht zu kurz kommen.

Verschiedene Sprachwelten

Was aber ist, wenn die Muttersprachen innerhalb einer Familie überhaupt keine Ähnlichkeiten miteinander haben? Ein Beispiel dafür ist Familie Iacomini aus Etoy VD: Bei dem aus Italien stammenden Giovanni, Nina aus Thailand und ihrem neunjährigen Sohn Luca prallen sozusagen Sprachwelten aufeinander: Wir sprechen vorwiegend französisch, erzählt Nina Iacomini. Als Luca noch klein war, habe ich oft thailändisch mit ihm gesprochen. Aber weil Giovanni so nichts verstand, habe ich bald damit aufgehört. Jetzt habe sie wieder damit begonnen: Luca versteht die Sprache zwar sehr gut, spricht sie aber nicht.
Anders sieht es mit Italienisch aus: Ich bin häufiger in Italien als in Thailand. Ausserdem habe ich Schulfreunde, die italienisch sprechen. Luca grinst: In dieser Sprache erzählen wir uns unsere Geheimnisse. Auch Lucas Eltern nutzen die Vorteile von Fremdsprachen. Wenn wir etwas besprechen, das Luca nicht verstehen soll, sprechen wir deutsch, sagt Giovanni. Aber er lernt schnell. Es wird nicht mehr lange dauern, bis er alles versteht. Das ist kein Zufall: Mehrsprachig aufwachsende Kinder haben es leichter, eine Sprache zu lernen nicht zuletzt auch in der Schule.

Für die Eltern von Léa, Sara und Elsa ist klar: Das Wichtigste ist, dass die Kleinen die französische Sprache gut beherrschen.

Das Wichtigste ist, dass Kinder die Muttersprache der Eltern lernen.»

Hélène Delage, Sprachwissenschaftlerin

Den Wortschatz pflegen

Einfach ist es indes nicht, zwei Sprachen in einem Haushalt am Leben zu erhalten. Es ist ein täglicher Kampf, gesteht Ariane Gigon, die mit ihren beiden 14- und 11-jährigen Kindern in Zürich lebt. Dabei scheint es doch selbstverständlich zu sein, sich mit seinen Kindern in der eigenen Muttersprache zu unterhalten. Bevor ich mich in dieser Situation befand, dachte ich das auch. Aber das stimmt nicht: Es ist leichter, sich anzupassen. Da seien die Nachbarn, die Werbung... Das Umfeld ist überhaupt nicht dafür gemacht. Ich muss mich wirklich bemühen, französisch zu sprechen.
Die beiden Teenager reden untereinander schweizerdeutsch, so wie es ihr Vater und ihre Kollegen tun. Aber mit unserer Mutter sprechen wir meist französisch, sagt der 11-jährige Basil. Aber Deutsch ist irgendwie natürlicher, erklärt die 14-jährige Maxine. Wir bewegen uns nun mal in einem deutschsprachigen Umfeld. Ariane Gigon wendet daher verschiedene Tricks an, damit die für sie so wertvolle Muttersprache im Alltag lebendig bleibt. Wir schauen uns gemeinsam französische Filme an und fahren oft in die Westschweiz. Das hilft.
Das sei richtig, sagt die Sprachwissenschaftlerin Hélène Delage. Das Allerwichtigste ist, dem Kind die Muttersprache seiner Eltern beizubringen, hält sie fest. Die Sprache, die in der Schule gesprochen wird, lernt es automatisch, da kann man unbesorgt sein.

Interviews

Familie Mouzo, Cormondrèche NE

Welche Vorteile hat die Mehrsprachigkeit in Ihren Augen?
Unsere Mädchen können dereinst in allen drei Ländern reisen oder sogar wohnen. Und im Beruf sind die drei Sprachen eine absolute Trumpfkarte.

Gibt es auch Nachteile?
Nein, es gibt keine! Wir raten allen Eltern, ihren Kindern die eigene Muttersprache beizubringen auch wenn es ziemlich schwierig ist, wenn diese erst einmal zur Schule gehen.

Familie Lacomini, Ètoy VD

Welchen Vorteil hat es, wenn in der Familie beide Muttersprachen gesprochen werden?
Es ist sehr wichtig für ein Kind! Nur so kann es auch mit anderen Familienmitgliedern zum Beispiel den Grosseltern kommunizieren.

Was sind die Nachteile der Mehrsprachigkeit?
Es ist recht schwierig, eine Sprache wie Thai zu pflegen. Denn anders als das Italienische hört Luca es nirgendwo sonst. Aber es ist wichtig, also gebe ich mir viel Mühe damit.

Familie Gigon, Zürich

Welchen Vorteil haben Ihre Kinder?
Sie verstehen nicht nur die französische Sprache, sondern auch die Kultur und die Lebensart: Die Sprache prägt schliesslich auch die Identität eines Menschen.

Wo liegt der Haken?
Es ist schwierig, eine Sprache zu pflegen, wenn das Umfeld vollständig von einer anderen Sprache dominiert ist. Manchmal ist man schon versucht, das Handtuch zu werfen.

Wissenswertes


Sollten Kinder zweisprachig aufwachsen? Was halten Sie von mehrsprachigen Horten und Schulen?»

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