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Babysitting: Sicherheit dank Kursbesuch

Mit Kinderhüten können Jugendliche ihr Taschengeld aufbessern. In den Babysitterkursen des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) lernen sie, wie sie richtig mit den kleinen Kindern umgehen.

FOTOS
Christoph Kaminski
15. August 2016

Nebenjob

Nick (13): Einen Brei füttern ist gar nicht so einfach.»

Vorsichtig knöpft Jessica den Body auf und befreit zuerst das eine, dann das andere Ärmchen des Kleinkindes aus dem Kleidungsstück. Sorgfältig dreht sie das Kind auf die Seite und zieht ihm den Body ganz aus. Das Anlegen der Windel geht der 13-Jährigen leicht von der Hand. Doch auch wenn sie etwas falsch machen würde, wäre das nicht schlimm: Geübt wird im Kurs mit Babypuppen. Jessica hat bereits Erfahrung. Ich habe schon Babys gehütet und möchte beruflich einmal mit Kindern arbeiten, sagt sie. Die Schülerin besucht den zweitägigen Babysitterkurs des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) in Bülach ZH, weil sie mehr darüber erfahren möchte, wie man mit kleinen Kindern umgeht. Deswegen ist auch Tavio (13) hier. Er geht ebenfalls bereits babysitten. Damit ist er eine Ausnahme, denn laut einer Statistik von 2014 sind 95 Prozent der Schweizer Babysitter Mädchen.

Sie wickeln schon sehr gekonnt: (v. l.) Fiona (14), Simona (14), Jessica (13).

Tabus gibts keine

Simona (14): Ich möchte beruflich mit Kindern arbeiten.»

Im Kurs Babysitting des SRK werden Jugendliche mit den Grundlagen der Kinderbetreuung vertraut gemacht, damit sie die anspruchsvolle Aufgabe als Babysitter verantwortungsvoll und sicher ausüben können. Meist sind es die Eltern, die den Kurs ihren Jugendlichen empfehlen, sagt Kursleiterin Silvia Müller. Fremde Kinder zu betreuen, bedeute nämlich eine grosse Verantwortung. Der Kurs behandelt nicht nur das Wickeln und Füttern von Babys, er geht auch auf die Entwicklung der Kinder in den ersten sechs Jahren ein. Wie lange trinkt ein Kleinkind eigentlich Milch und weshalb darf man ihm anfangs keine Kuhmilch geben, will Müller beispielsweise von den angehenden Babysittern wissen. Babys vertragen kein tierisches Eiweiss und trinken in den ersten Monaten Muttermilch oder Milchpulver aus dem Schoppen, antwortet die 14-jährige Andrina. Tabus gibt es keine. Die Kursleiterin spricht etwa darüber, wie die Muttermilchproduktion angeregt wird und darüber, was bei entzündeten Kinderpopos zu tun ist. Sie erklärt, wie man richtig säubert und worauf man beim Windelnanlegen achten muss: Putzt von oben nach unten, zieht das Baby dabei aber nicht an den Beinen hoch, da die Gefahr besteht, dass die Gelenke auskugeln. Und achtet darauf, dass die Windel nicht zu eng sitzt und die Bündchen draussen sind. Die Kursteilnehmenden, meist zwischen 13 und 16 Jahre alt, hätten in der Regel keine grossen Vorkenntnisse in Sachen Kinderbetreuung, sagt Silvia Müller.

Sicherheit für beide Seiten

Tavio (13): Es ist spannend, wie sich Kinder entwickeln.»

Deswegen wird nun geübt: Während sich die Mädchen ernsthaft über die richtige Temperatur des zubereiteten Schoppens unterhalten, amüsieren sich die Jungs beim gegenseitigen Füttern des selbst gemachten Bananenbreis. Nach kurzer Zeit ist Kursteilnehmer Philipp im ganzen Gesicht mit Brei verschmiert. Das ist gar nicht so einfach, lacht Nick. Und als Philipp auch noch wie ein Baby zu spucken beginnt, können sich die Jungs nicht mehr halten vor lachen. Silvia Müller lacht mit. Kleine Malheure passieren immer wieder. Jetzt heisst es halt aufputzen. Der Kurs behandelt auch ernstere Themen: Stürze, Verbrennungen, Vergiftungen oder Ersticken und wie man damit umgehen soll. Vernachlässigung oder Missbrauch sind ebenfalls Themen. Das ist wichtig, damit sich die Babysitter sicher fühlen und die Eltern ihre Kinder mit ruhigem Gewissen abgeben können. Denn: Nur so erhalten Eltern Freiräume und Verschnaufpausen, sagt Müller.

Riccarda (14): Ich möchte im Umgang mit Kindern sicher sein.»

Neue Plattform

Auf der neuen Familienplattform finden Eltern Angebote, die ihnen das Leben erleichtern sollen, zum Beispiel: Babysittervermittlung: Die Plattform vermittelt zwischen Babysittern und Eltern, die einen solchen suchen. Die registrierten Jugendlichen haben den Babysitterkurs des SRK absolviert. Die Webseite enthält auch Tipps für den reibungslosen Ablauf des Babysittings. Hello-Family-Mitglieder erhalten 20 Prozent Rabatt bei der Babysittervermittlung.

Kinderbetreuung zu Hause:
Die Rotkreuz-Kinderbetreuung (KBH) ist eine verlässliche Lösung, wenn erwerbstätige Eltern nicht wissen, wem sie ihr krankes Kind anvertrauen sollen, und sie hilft Eltern, die gesundheitliche Probleme haben oder sich in einer schwierigen Situation befinden (Angebot regional unterschiedlich). Coop unterstützt die Familienplattform.

Weitere Informationen finden Sie hier

Der SRK-Babysitter-Kurs

Der zehnstündige Kurs wird in der Regel verteilt auf zwei Tage in der ganzen Schweiz angeboten. Er richtet sich an Jugendliche ab 13 Jahren.
Der Kurs kostet Fr. 132.- (inkl. Lehrmittel). Dieser Betrag kann regional variieren. Kurs-Absolventen erhalten einen Ausweis und können sich auf www.babysitter-srk.ch registrieren.

Der zehnstündige Kurs (www.redcross-edu.ch) wird in der Regel verteilt auf zwei Tage in der ganzen Schweiz angeboten. Er beinhaltet die folgenden Themen:

  • Babysitting (Erwartungen der Eltern, Rechte, Versicherungen etc.)
  • Das Kind und seine Bedürfnisse
  • Harmonische Entwicklung
  • Beschäftigung (Spaziergang, Malen, Bücher, Lieder etc.)
  • Essen und Trinken
  • Ruhe und Schlaf
  • Sicherheit (Rettungsschema, Verhüten von Unfällen etc.)
  • Sauberkeit und Schutz (Zähneputzen, Wickeln, Bekleidung etc.)
  • Wohlbefinden und Gesundheit (Symptome, Zahnen, Fieber, Erbrechen etc.)
  • Kinderrechte im Alltag
  • Checkliste mit wichtigen Infos der Eltern an den Babysitter, z.B. wie sie im Notfall zu erreichen sind.

Rechte und Pflichten

Jeder Babysitter
braucht eine Unfallversicherung und eine private Haftpflichtversicherung, die über die eigenen Eltern laufen können.
muss gegenüber Drittpersonen verschwiegen sein.
soll sich den Gewohnheiten der Familie anpassen ohne darüber zu urteilen.

Babysittern
sollten keine Kinder unter 3 Monaten und keine kranken Kinder anvertraut werden.
sollten keine anderen Aufgaben als das Kinderhüten übertragen werden.
sollten wache Kinder nicht länger als fünf Stunden am Stück selbständig überlassen werden.

Nach dem Hütedienst haben Babysitter Anrecht auf eine sichere Heimkehr.