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Familie

Facebook: Die guten Seiten des Netzwerks

Facebook steht häufig in der Kritik, doch das Soziale Medium hat auch positive Seiten. Zwei Familien erzählen, wie sie mit Verwandten und Freunden auf der ganzen Welt in Kontakt bleiben.

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FOTOS
zVg
18. Januar 2016

Im Bundeszentrum Glaubenberg im Kanton Obwalden werden die Flüchtlingskinder in kleinen Gruppen betreut. Sie lernen spielerisch die Umwelt und die Kultur ihres Gastlandes kennen.


Digitaler Treffpunkt

Als Paola Bocchini (50) die Nachricht erhielt, traute sie ihren Augen nicht: Die junge Frau auf dem Facebook-Profilbild war ihrer Cousine wie aus dem Gesicht geschnitten dabei war es deren Tochter. Paola Bocchini war bereits seit 30 Jahren nicht mehr in Süditalien gewesen und hatte den italienischen Teil der Familie aus den Augen verloren. Dank Facebook habe ich jetzt wieder Kontakt zu meiner Tante, meinen Cousinen und ihren Kindern, sagt sie. Seit Facebook 2006 öffentlich zugänglich wurde, ist es zu einem Internetgiganten mit über 1,5 Milliarden aktiver Nutzer herangewachsen, 3,4 Millionen davon in der Schweiz. Obwohl das Netzwerk nicht ohne Tücken ist (Seite 29), bietet es Vielen eine fast einmalige Gelegenheit, mit Familie und Freunden in Verbindung zu bleiben.

Dank Facebook in Kontakt: Silvan Omlin und seine Lebenspartnerin Claudia Berger tauschen sich mit  seiner

Auf der ganzen Welt verstreut

So auch Silvan Omlin (64) aus Emmen, dessen Bruder 1997 nach Neuseeland ausgewandert ist. Damals trennte die Brüder noch die halbe Erdkugel, heute sind es ein paar Mausklicks. Melanie Werro (29), die Nichte von Silvan Omlin, bleibt dank Facebook in Kontakt mit ihren beiden Onkeln: dem in der Schweiz und dem in Neuseeland. Ich verfolge gerne, was die Familie macht und teile Fotos meiner Kinder mit ihnen, sagt sie. Facebook scheint mir viel persönlicher als zum Beispiel eine E-Mail. Auf Facebook registrierte sich Melanie Werro, als sie nach einem Jahr in den USA die Beziehung zu ihren amerikanischen Freunden aufrechterhalten wollte. Die meisten konnte ich dank
Facebook wiederfinden! Auch zu Nachfahren von Familienmitgliedern, die bereits in den 1930er-Jahren nach Kalifornien ausgewandert sind, kann sie so in Kontakt bleiben. Und bei einer Ferienreise in die USA hat die junge Frau über das soziale Netzwerk kurzerhand ein Treffen mit den ehemaligen Mitschülern organisiert. Facebook ist wertvoll, um mit Freunden und Familie auf der ganzen Welt schnell zu kommunizieren, sagt sie.

Nichts zu verbergen, aber

Das schätzt auch Paola Bocchini an Facebook. Ausser der Familie in Süditalien hat sie Verwandte, die es nach Süd- und Mittelamerika verschlagen hat, und erwachsene Kinder in der Schweiz, die sie ebenfalls via Facebook auf dem Laufenden halten. Ich sehe gerne, was im Leben meiner Familie läuft und zeige natürlich auch meines, sagt sie. Dabei gibt sie acht, dass die Familienfotos auf Facebook nur für andere Familienmitglieder sichtbar sind. Ich habe nichts zu verbergen, aber man sollte sich trotzdem überlegen, was man wem zugänglich macht, sagt Bocchini. Aus diesem Grund will sie ihrem jüngsten Sohn Michele, der gerade das von Facebook vorgeschriebene Minimalalter von 13 Jahren erreicht hat, noch nicht freie Hand mit dem sozialen Netzwerk lassen. Und Melanie Werros Kinder sind mit drei und sechs Jahren dafür eh noch zu jung. Für unseren älteren Sohn haben wir zwar eine eigene Page eingerichtet, doch die verwalten wir selbst, erzählt die Mutter. Dort können Verwandte seine Fotos sehen und ihm zum Geburtstag gratulieren.

Nichte Melanie Werro und ihrer Familie meist auf elektronischem Weg aus.

Doch die vielseitige Plattform bringt nicht nur Freunde und Familienmitglieder zusammen, sondern auch Fremde. Ich betreibe auch eine Flohmarkt-Seite, auf der man Sachen unkompliziert verkaufen kann, erzählt sie. Über Facebook-Gruppen kann sie ohne grossen Aufwand Hunderte oder gar Tausende von Menschen auf einmal erreichen. Aber nicht alles ausserhalb der Familie ist unternehmerisch motiviert: Die Gruppenfunktion von Facebook kann Menschen mit speziellen Interessen einfach mit Gleichgesinnten zusammenführen. Neben der Flohmarkt-Gruppe bin ich zum Beispiel auch in einer Frauengruppe und einer Mami-Gruppe, illustriert Paola Bocchini die Möglichkeiten. Gelegentlich verfolgt sie auch die Medien oder berühmte Persönlichkeiten über das soziale Netzwerk. Und sie organisierte mit dessen Hilfe eine Klassenzusammenkunft. Auch Silvan Omlin und seine Lebenspartnerin Claudia Berger (58) nutzen Facebook für ihr Hobby: Ursprünglich kamen wir wegen dem Motorsport auf Facebook. So können wir Fotos sehen und sind immer auf dem Laufenden, sagt Berger.

Frage der Woche!

Was schätzen Sie an den Sozialen Medien?»

Sind Facebook und Co. des Teufels oder nutzen Sie Ihre Möglichkeiten in Ihren Alltag?

Privatsphäre-Einstellungen

Wer darf was von mir sehen? Was will ich von andern sehen?

Paola Bocchini hält via Facebook nicht nur Kontakt zu ihrer Verwandtschaft in Süditalien, sie gewinnt auch Leser für ihren Blog und betreibt darauf eine eigene Flohmarkt-Seite.

Facebook (FB) bietet eine Reihe von Einstellungen, mit denen Sie Ihren Auftritt steuern können. Unter Privatsphäre-Einstellungen können Sie die Sichtbarkeit Ihrer Beiträge einschränken, sodass nur Ihre FB-Freunde sie sehen können. Ausserdem kann man verhindern, dass Suchmaschinen ihr FB-Profil finden.

Ferner können Sie Ihre FB-Freunde in Listen sortieren, etwa Enge Freunde, Familie, Arbeitskollegen oder Bekannte. Diese Listen können Sie selbst erstellen und verwalten. Beispielsweise können Sie Personen von der Datei Bekannte gänzlich davon ausschliessen, Ihre Posts zu sehen, oder ein Fotoalbum einrichten, das nur Familienangehörige ansehen können. Ihr Titel- und Ihr Profilbild bleiben immer öffentlich. Mit der Funktion Anzeigen aus der Sicht von können Sie prüfen, was einzelne Nutzer oder die Öffentlichkeit auf Ihrem Profil sehen können.

Schwieriger ist es zu steuern, welche Inhalte Sie zu sehen bekommen. Bei jedem Beitrag können Sie wählen, ob Sie diesen oder sämtliche Beiträge dieses Verfassers nicht mehr sehen möchten. Auf dem FB-Profil einer Person lässt sich einstellen, ob Sie alle ihre Beiträge, einen Teil oder gar keine zu sehen bekommen. Werbung dagegen lässt sich nicht abschalten. Sie können nur Einstellungen zu den Themen der Werbeanzeigen vornehmen. Kaum steuerbar sind Ihre Likes und Kommentare auf öffentlichen Beiträgen: FB zeigt diese gelegentlich in den Chroniken Ihrer Freunde an. Das einzige Mittel dagegen ist: nichts Öffentliches liken oder kommentieren.

Jürg Hirzel, 72,
aus Adetswil ZH

Ein Cousin meines Vaters ist 1956 mit seiner Familie nach Neuseeland ausgewandert. Als ein Onkel von mir starb, musste ich seine Erbschaft an die
gesetzlichen Erben verteilen. Das war nicht einfach, doch dank Facebook konnte ich auch diesen Hirzel-Stamm wiederfinden. Seither gibt es einen regen Austausch! Die Kinder der neuseeländischen Verwandten haben zum Teil Maoris geheiratet, und für mich ist es ist immer sehr interessant, ihre Bilder anzuschauen.

Lucilia Mendes
von Däniken, 41,
aus Bellach SO

Meine Eltern leben bereits seit 18 Jahren in Portugal, meine Schwester ist im Frühling 2015 nach Nordnorwegen gezogen. Auch wenn ich selbst nicht so viel poste, kann ich dank Facebook die Fotos von meiner Mutter und meiner Schwester ansehen und erfahre so, wie es bei ihnen gerade ausschaut, was sie beschäftigt. Manchmal tauschen wir uns auch in einem Dreier-Chat aus. Facebook und das restliche Internet machen den Kontakt etwas leichter aber leider nur etwas.

Joana Bill, 29, aus Utzigen BE

Vor über elf Jahren lebte ich ein ganzes Jahr in Kanada. Meine Gastmutter
empfing mich mit offenen Armen, sodass ich eine wundervolle Zeit in diesem fremden Land verbringen konnte. Dank Facebook bin ich noch heute regelmässig in Kontakt mit ihr und ihren Kindern und konnte sogar einige Leute wiederfinden, die ich damals kennengelernt hatte. Facebook ermöglicht es mir, lieben Menschen trotz grosser Distanz irgendwie nah zu sein und an ihrem Leben teilzuhaben und umgekehrt.