X

Beliebte Themen

Familie

Mummenschanz: Eine neue Generation

Bereits fünf Jahre liegt die letzte grosse Schweizer Tournee von Mummenschanz zurück. Im Dezember feiert das neue Bühnenprogramm you&me mit frischer Besetzung Premiere.

TEXT
FOTOS
Patrick Lüthi, ZVG
12. September 2016

Dunkle Kleidung, schwarzer Hintergrund: Auch in der neuen Mummenschanz-Show you&me spielen Masken die Hauptrolle.


Reportage

Dunkel verhüllte Gestalten sitzen isoliert voneinander auf der Bühne, starren auf rechteckige Drahtgestelle und setzen sich für ein Selfie in Szene. Die Smartphone-Welle hat also auch die Erfinder des stillen Maskenspiels erreicht. Die digitale Revolution à la Mummenschanz kommt während der Proben düster daher. Erst ein weiterer Darsteller mit einem noch grösseren Gerät bringt einen wohltuenden Bruch in das Geschehen auf der Bühne. So kommt es, dass am Schluss alle wild durcheinander tanzen, ihr Kunsthaar schwingen und sich gegenseitig mit akrobatischen Einlagen überbieten.

Mal leise, mal lauter

Die Koffer für die Reise über den grossen Teich sind gepackt: Oliver Pfulg, Floriana Frassetto, Christa Barrett, Kevin Blaser und Sara Hermann (v.l.) freuen sich auf die Proben in den USA.

Für die neue Bühnenshow you&me liess sich Gründungsmitglied Floriana Frassetto zu einem Sketch inspirieren, der die ständige Erreichbarkeit in Zeiten von Smartphone&Co. liebevoll auf die Schippe nimmt. Die Idee dazu hatte sie nach einem 20-stündigen Flug auf der Zugreise nach Hause: Alle haben auf ihr Smartphone gestarrt. Kein Mensch hat mich angesehen, geschweige denn mir einen Sitzplatz angeboten. Das musste ich einfach zum Thema machen. Wie in allen bisherigen Programmen gehe es auch bei you&me um Begegnungen, vor allem jene zwischen Künstlern und Publikum. Als Brückenbauer dienen einerseits dieMasken und Verkleidungen, für die Mummenschanz berühmt ist, aber auch zarte, nur angedeutete Handlungen. Und dann, plötzlich: Flickflacks, Handstand und Breakdance. In dieser einen von insgesamt 25 Nummern in der neuen Show kommt die Truppe deutlich verjüngt daher. Wir haben ja auch jüngere Künstler im Ensemble, lacht Floriana Frassetto.

Aufgeben? Auf keinen Fall!

Seit dieser Saison ist Mummenschanz um vier Darsteller reicher, die im Gründungsjahr noch gar nicht geboren waren. 1972 war es, als Floriana Frassetto gemeinsam mit Andres Bossard und Bernie Schürch in Paris die Maskenspiel-Formation gründete, welche die Welt des stummen Theaters bereichern sollte. Seither entstanden mehrere abendfüllende Programme mit über 100 Sketches. Mummenschanz tourte durch die ganze Welt und gab sogar ein dreijähriges Gastspiel am Broadway in New York. Auch nach dem Tod des kreativen Mitbegründers Andres Bossard 1992 blieb der Erfolg des Ensembles ungebrochen. Als aber Bernie Schürch 2012 seinen Rücktritt bekannt gab, hatte Floriana Frassetto manche schlaflose Nacht auszustehen: Nun war ich das erste Mal alleine. Ich hatte Angst, was sollte ich machen ohne ihn? Aufzugeben sei nie eine Option gewesen. Mummenschanz ist mein Leben, ausser meiner Familie ist nichts so wichtig für mich. Die erste Zeit alleine sei schwierig gewesen. Glücklicherweise habe sie gute Freunde im Metier, von denen sie in den letzten Jahren sehr viel Unterstützung erfahren habe. Es sollte aber gute vier Jahre dauern, ein neues, abendfüllendes Programm auf die Beine zu stellen.

Schauspieler mit Herz

Ab Dezember gehen Mummenschanz mit der neuen Bühnenshow you&me auf Schweizer Tournee. Sie habe jetzt schon Lampenfieber, sagt Frassetto lachend. Vor der Premiere stehen allerdings wochenlange Proben an, und zwar in den USA. In Los Angeles kann das Ensemble einen grossen Raum und die nötige Infrastruktur nutzen. Daher soll das neue Programm dort zur Bühnenreife gebracht werden. So haben auch die vier frischgebackenen Mummenschänzler Zeit, sich an das einzigartige Format des Maskenspiels zu gewöhnen. Sie habe die neuen Darsteller sorgfältig ausgewählt, sagt Frassetto. Nicht jeder Künstler eignet sich für diese ganz besondere Form des Theaters. Nebst einer soliden Theaterausbildung mit Fokus auf Pantomime und Maskenkunst habe sie viel Wert auf Herzensbildung gelegt: Ich wollte liebenswürdige Menschen finden, die Leidenschaft für das Leben, einen positiven Charakter und viel Geduld mitbringen.

Den Zuschauer nicht verwöhnen

Christa Barret setzt dem Frosch Augen auf. Bei Mummenschanz kümmern sich die Darsteller auch um die Requisiten.

Bereits während der Proben ist zu erkennen, dass Sara Hermann (31), Christa Barrett (26), Kevin Blaser (26) und Oliver Pfulg (31) sich gut verstehen und in ihrer Arbeit aufgehen. Mummenschanz ist einzigartig, sagt der Tessiner Kevin Blaser, der erst seit einigen Wochen mit von der Partie ist und nun sorgfältig in die Kunst des visuellen Bewegungstheaters eingeführt wird. Für ihn sei das Engagement eine grosse Ehre und eine Herausforderung. Diesen abstrakten Formen Leben einzuhauchen gefällt mir sehr. Die Arbeit mit den verschiedenen Materialien ist anspruchsvoll, aber inspirierend. Das stille Maskenspiel lasse viel Raum für Interpretationen bei den Künstlern, aber auch beim Publikum, so Floriana Frassetto: Wir wollen die Zuschauer nicht mit Eindrücken erschlagen, sodass sie wie auf Kommando applaudieren. Sie dürfen und sollen selber denken und fühlen.

Vielleicht ist dies der Grund, weshalb die Popularität von Mummenschanz auch nach mehr als vier Jahrzehnten ungebrochen ist und Menschen auf der ganzen Welt in die Theater lockt. Die Bündnerin Sara Hermann ist jedenfalls davon überzeugt: In einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint, bietet Mummenschanz eine Einfachheit, die jedem entspricht.

Mummenschanz

(R)evolution

Die 1972 gegründete Theaterformation Mummenschanz präsentiert der Welt das erste Programm Evolution. Auf seiner Tournee tritt das Ensemble unter anderem in den USA und Israel auf.

Welttournee

1984 feiert das zweite Bühnenprogramm The New Show Premiere. Danach gibt die erfolreiche Theatergruppe Gast-spiele auf allen Kontinenten. 1988 treten Mummenschanz im Circus Knie auf.

Millennium

Mit dem Programm Next läuten Mummenschanz das neue Jahrtausend ein. Die zusammensetzbaren Figuren stellen menschliche Gefühle und Verhaltensweisen in den Vordergrund.

Retrospektive

Mit dem Jubiläumsprogramm 40 Jahre blicken Mummenschanz 2012 auf vier Jahrzehnte Maskenspiel zurück. Der Slinkyman (l.) ist eine berühmte Nummer von Mummenschanz.

Zukunft

Das neue Programm you&me setzt den ganz normalen menschlichen Alltag in den Fokus. In die neue Show wurden auch ein paar Sketches integriert, die beim Publikum besonders beliebt sind.

Neues Programm

Die Poeten der Stille auf Tournee

Seit 1972 begeistern Mummenschanz mit ihrer poetischen Kunst das Publikum. Ohne Worte oder Musik, nur mit ruhigen Handlungen und wenigen Requisiten ziehen die Maskenkünstler das Publikum in ihren Bann. Ab Dezember geht das Ensemble mit der neuen Bühnenshow you&me auf Tournee durch die Schweiz. Coop ist als Presenting Sponsor mit dabei.

Supercard-Angebot:
Coop-Supercard-Inhaber profitieren von 20 Prozent Rabatt auf alle Vorstellungen. Das Angebot ist limitiert. Ihre vergünstigten Tickets (max. 4 Tickets pro Person) erhalten Sie bei allen Coop-City-Vorverkaufsstellen am Kundendienst, über www.mummenschanz.com, über die Starticket- Vorverkaufsstellen, über die Ticket-Hotline 0900 325 325 (Fr. 1.19/Min. ab Festnetz) oder unter www.starticket.ch. Für den Bezug der Tickets ist die Angabe der ersten fünf Ziffern der Hello-Family-Supercard-Nummer (blaue Seite der Karte) erforderlich.