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In ihrem Blog schreibt Coopzeitung-Redaktorin Deborah Lacourrège über ihre Erfahrungen als Mutter. Und plädiert dabei für mehr Toleranz in Erziehungsfragen.

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Christoph Kaminski
08. Mai 2017

Ihre Blogs schreibt Deborah Lacourrège vornehmlich beim Pendeln, wie hier beim Warten aufs Tram.


Muttertag

Charlotte und Deborah Lacourrège in ihrem Vier-Zimmer-Schloss in Zürich.

Deborah Lacourrège. Als ich den Namen zum ersten Mal hörte, glaubte ich an einen Scherz. Irgendwie klang er für mich viel eher nach Prinzessin als nach neuer Redaktionskollegin. Heute weiss ich: Sie heisst tatsächlich so und irgendwie scheint sie sich auch wie eine Prinzessin zu fühlen: Unser Leben soll bitte so bleiben, wie es ist, sagt sie. Wir haben tolle Jobs, eine tolle Familie, eine tolle Wohnung dafür bin ich sehr dankbar.
Und wie ist es denn, das Leben der Deborah Lacourrège (33)?
Ihr Schloss liegt mitten in Zürich. Es hat vier Zimmer und eine grosse Terrasse, ist erstaunlich ruhig und ebenso günstig. Und es hat einen Turm. Zumindest fast. Dieser steht nur einen Steinwurf entfernt, heisst Prime Tower und ist 126 Meter hoch.

Wenn die Tochter zur Königin wird

Ganz nah: Mama kocht und Klein C. fühlt sich geborgen.

Nach wenigen Sekunden im Schloss ist klar: Deborah ist gar nicht die Prinzessin im Hause Lacourrège, sondern die Königin. Die Rolle der Prinzessin hat ihre Tochter inne. Sie ist auch die Hauptperson in Deborahs Blog und wird da Klein C. genannt. Wir dürfen das Geheimnis lüften: C. steht für Charlotte, und Charlotte ist 20 Monate alt. Ein quirliges Mädchen. Es nimmt den Fotografen in Beschlag und führt ihn an der Hand durchs Wohnzimmer. Ihr Ziel ist der Kinder-Kochherd, wo sie mit ihrem neuen Küchenjungen etwas Feines kochen will.
Derweil spricht die Mutter am Tisch darüber, was bitte so bleiben soll. Ihr Job zum Beispiel. Deborah hat deren zwei: 60 Prozent arbeitet sie bei der Coopzeitung als Redaktorin, einen Tag pro Woche investiert sie in ihre beiden Blogs: den Hochzeits- und den Mamablog.
Beide sind aus persönlicher Betroffenheit entstanden, erzählt sie. Für die Planung ihrer eigenen Hochzeit im August 2013 habe sie viele Blogs gelesen. Viele aus Deutschland, andere englischsprachig. Aus der Schweiz dagegen gab es kaum Passendes. Als sie nach der Heirat wieder mehr Zeit hatte, machte sie sich daran, diese Lücke zu schliessen.
2015 kam Charlotte zur Welt und fand Eingang in den Hochzeitsblog. Doch dann bekam ich sehr schnell sehr viele Anfragen aus dem Marketing-Bereich, erzählt Deborah. Deshalb eröffnete sie einen zweiten Blog. Sein Name Mama rocks spielt mit der doppelten Bedeutung des englischen Wortes to rock: einerseits wiegen, andererseits eben rocken. Und so führt sie nun zusammen mit ihrem Mann Jérôme (34, ich spiele den kreativen Part, er macht die Administration) zwei Blogs, die sie wöchentlich mit mindestens drei neuen Beiträgen bespielt. Dazu kommt der Blog des Hello-Family-Clubs von Coop, wo sie sich monatlich zu Wort meldet.
Redaktorin, Bloggerin, Mutter, Ehefrau klar sei das alles schon sehr anstrengend, sagt Deborah. Aber es mache halt auch Spass. Und sie hat gelernt: Alles unter einen Hut zu bringen, das geht nicht. Eine Putzfrau sorge einmal wöchentlich für Entlastung. Und sowieso müsse die Wohnung nicht immer perfekt in Schuss sein.

Die Zeit beim Pendeln nutzen

Nur für den Fotografen: Mutter und Tochter am Laptop.

Seit sie vier Monate alt ist, verbringt Klein C. zwei Tage pro Woche in der Kindertagesstätte (Kita), an einem weiteren Tag kommt ihre Grossmutter zum Hüten. Anfänglich, gibt Deborah zu, brach es mir fast das Herz, als ich Charlotte in der Kita ablieferte. Heute habe sie kein schlechtes Gewissen mehr. Ich weiss nicht, ob das für alle Kinder gilt, aber Charlotte profitiert sehr stark von der Kita und sie geht gerne hin. So finde sie von sich aus schnell Kontakt zu andern Leuten. Der Fotograf nicht wissend und zeichnet für Klein C. wie geheissen einen lustigen Hasen.

Ich weiss auch nicht, wies geht, ich gebe einfach mein Bestes.»

Ihre Blog-Beiträge schreibt Deborah Lacourrège vorwiegend beim Pendeln: im Zug zwischen Zürich und Basel, beim Warten aufs Tram. Oder ich stehe am Morgen früher auf. Denn wenn Charlotte wach sei, gelte ihre Aufmerksamkeit der Tochter. Dann hacke sie weder auf ihrem Laptop noch auf ihrem Smartphone herum. Und so schreibt sie über zweisprachige Erziehung, Familienferien, Reflux während der Schwangerschaft, postnatale Depression und vieles mehr. Und natürlich über Klein C. Aber immer mit Respekt: Wir veröffentlichen keine Bilder, die ihr später peinlich sein könnten. Sprich: keine Nackt- und hässlichen Sabberbilder.
Deborah schreibt für alle, die mit kleinen Kindern zu tun haben. Ich möchte sie unterhalten, trösten, bestätigen und inspirieren. Was sie dagegen nicht will: die Besserwisserin spielen. Ich weiss ja auch nicht, wie das geht mit der Kindererziehung, sagt sie, aber ich gebe einfach mein Bestes. In diesem Sinne plädiere sie für mehr Toleranz gegenüber andern Erziehenden. Jeder muss für sich selber herausfinden, was für ihn und sein Kind funktioniert.
Und nun kommt der Muttertag. Ich finde, etwas Anerkennung habe ich schon verdient, sagt die Bloggerin augenzwinkernd. Von Charlotte erwartet sie zwar noch nicht viel: Aber ein selbst gebackener Kuchen oder eine hübsche Bastelei müssten in ein paar Jahren schon drinliegen. Bis dahin muss Jérôme in die Bresche springen. Er wird mich sicher ausschlafen lassen. Der Arme denn da ist ja auch noch seine Charlotte-hütende Mutter.

So vielfältig und individuell die Mütter und ihre Erziehungsmethoden, so unterschiedlich ihre Art, darüber zu bloggen. Die Auswahl an elektronischen Tage- und Beratungsbüchern ist riesig. Sie reicht vom hochprofessionellen Angebot bis zum absolut dilettantischen Machwerk. Mal stehen Erziehungsfragen im Vordergrund, mal die Partnerschaft. Mal Basteleien mit Kindern, mal Gesundheitsfragen. Mal geht es bierernst zu und her, mal sind die Erzählungen aus dem Mutteralltag garniert mit witzigen Pointen und viel Ironie. Schauen Sie sich um. Ein paar empfehlenswerte Adressen haben wir für Sie zusammengestellt.

www.happymumblog.com www.beautifulvenditti.ch www.rabenmutter.ch www.doublyblessedblog.com www.dieangelones.ch www.mamarocks.ch www.mademoiselle-no-more.com www.hellofamily.ch