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Enkeltrick: So schützen Sie sich vor Betrügern

Mit dreisten Methoden gewinnen sie das Vertrauen ihrer meist älteren Opfer. Gegen diese Ganoven kann man sich aber zur Wehr setzen. Wie, das weiss am besten die Polizei.

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Getty Images
11. September 2017

Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen: keine Geschäfte an der Haustür, kein Geld an Unbekannte übergeben!


Tipps

Das Telefon klingelt, der Anrufer grüsst in vertrautem Ton und fragt: Weisst du, wer dran ist? Wer nun anfängt nachzudenken und einen Namen nennt, ist auf dem besten Weg, ein Opfer des sogenannten Enkeltricks zu werden: Der Betrüger behauptet, er sei ein Verwandter respektive Bekannter in einer Notlage. Er bittet um Geld und um absolutes Stillschweigen, da ihm die Sache peinlich sei. Das Geld soll so schnell wie möglich einem Boten ein Komplize übergeben werden, und den Betrag werde er in wenigen Tagen zurückzahlen.

Hohe Dunkelziffer

Diese Masche ist der Polizei seit Anfang der 1990er-Jahre bekannt, doch die Betrüger finden immer wieder neue Opfer. Für das Jahr 2016 verzeichnet die Statistik in der Schweiz 803 versuchte und 73 vollendete Fälle von Telefonbetrug, die Opfer waren im Schnitt 77 Jahre alt, und die Täter erbeuteten insgesamt 3 Mio. Franken.

Wir gehen davon aus, dass die echten Fallzahlen fünf- mal höher sind, sagt Rolf Decker von der Präventionsabteilung der Kantonspolizei Zürich. Der Grund für die hohe Dunkelziffer liegt wohl darin, dass die Opfer sich schämen und so keine Anzeige machen. Mit Vorträgen versucht Decker ebenso wie seine Kollegen der anderen Polizeikorps die Leute aufzuklären. Dabei hat er die Erfahrung gemacht, dass die meisten nicht glauben, dass sie auf solche Betrügereien hereinfallen würden.

Wenn jemand um Geld bittet, legen Sie sofort den Hörer auf!»

Rolf Decker (55), Projektleiter Prävention bei der Kantonspolizei ZH

Nie unter Druck handeln!

Doch die Anrufer gehen sehr geschickt vor, warnt Decker: Die Betrüger horchen das Opfer im Gespräch aus und benutzen jedes so erfahrene Detail, um ihre frei erfundene Geschichte weiterzuspinnen. So glaubt das Opfer bald, dass dieser Anrufer wirklich ein Verwandter oder Bekannter ist. Zudem kommen meist mehrere Anrufe in rascher Folge, um so das Opfer zu drängen. Die Menschen dieser Generation sind noch eher hilfsbereit, und das nutzen die Betrüger gnadenlos aus, erklärt Decker. Daher rät er zu Härte: Bittet jemand, den Sie nicht kennen, am Telefon um Geld, legen Sie sofort den Hörer auf und informieren Sie die Polizei unter der Nummer 117.

Der falsche Polizist

Die Notrufnummer ist der einzig sichere Weg, denn zuweilen arbeiten die Betrüger auch zu zweit einer wendet den klassischen Enkeltrick an, und dann meldet sich ein zweiter als Polizist: Er habe den Anruf abgehört, man sei dem Betrüger schon lange auf der Spur, und um ihn auf frischer Tat ertappen zu können, soll der Angerufene nun alle Anweisungen genau befolgen. Das ist eine ganz besonders fiese Masche!, meint Decker. Und er hat einen ganz einfachen Tipp, wie sich das Risiko, zum Betrugsopfer zu werden, verringern lässt: Geben Sie im Telefonbuch nicht den ganzen Vornamen an, sondern kürzen Sie ihn ab. Also A. anstatt Adelheid denn auf solche und ähnliche Vornamen, die nahezu ausschliesslich bei älteren Menschen vorkommen, haben es Betrüger abgesehen. Die gehen das ganze Telefonbuch durch und rufen dann gezielt an, sagt Decker.

Verwandte oder Betreuungspersonal im Seniorenzentrum sollten ebenfalls die Polizei einschalten, wenn sie einen Betrugsversuch mitbekommen: Durch den emotionalen Druck, den der Täter in den Telefongesprächen aufbaut, ist das Opfer für die Argumente seines Umfelds nicht zugänglich.

Wichtig: Information

Der Enkeltrick ist nicht die einzige Masche, mit der es Betrüger auf Senioren abgesehen haben. Daher nutzen wir jede Chance zur Aufklärung, erklärt Decker, auch mit Partnern wie etwa der Schweizerischen Kriminalprävention, Pro Senectute, Kirchen oder Unternehmen wie Home Instead. Weitere Informationen finden Sie unter dem nebenstehenden Link im Internet.

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