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Hände weg! Gefahr durch giftige Pflanzen

Dass Maiglöckchen oder Eibe giftig sind, sollte jedes Kind wissen. Es sind aber längst nicht die einzigen Risiko-Kandidaten. Im Zweifel hilft ein Anruf bei Tox Info.

FOTOS
Markus Lamprecht, Jacqueline Kupper
22. Mai 2017
Sogar Rhododendron-Honig hat es in sich: Tierärztin Jacqueline Kupper kennt die Gefahren der Giftpflanzen für Mensch und Tier.

Sogar Rhododendron-Honig hat es in sich: Tierärztin Jacqueline Kupper kennt die Gefahren der Giftpflanzen für Mensch und Tier.


Ratgeber

Darf nicht ins Auge kommen:der Saft der Walzen-Wolfsmilch (Euphorbia myrsinites).

Eine rote Blume muss er suchen, um seine Braut zu befreien im Grimm-Märchen Jorinde und Joringel hat deren Blüte magische Wirkung. Solche Märchen gehen zurück auf die menschliche Erfahrung mit der fatalen Wirkung von Pflanzen: Sie können heilen, aber auch töten. Heute fehlt vielen Menschen diese Erfahrung. Gut, gibt es das Notfall-Telefon 145 von Tox Info Suisse: Wenn einem Kind plötzlich schlecht ist und die Kollegen erzählen, sie hätten im Wald Bärlauch gesammelt und daraus Salat gemacht, bekommen die besorgten Eltern kompetenten Rat und Hilfe.

Giftpflanzen meiden

Maieriesli herzig, aber gefährlich: Die Blätter des Maiglöckchens (Convallaria majalis) ähneln dem Bärlauch.

Kinder probieren einfach alles aus, weiss Jacqueline Kupper (56). Die promovierte Tierärztin arbeitet im Team von Tox Info und kennt sich mit giftigen Pflanzen bestens aus. Auch alte Menschen mit Demenz zeigen dieses Verhalten. Schützen kann man Kinder und Betagte, indem man schon beim Anlegen des Gartens darauf achtet, dass es darin keine Giftpflanzen hat. Das ist nicht immer selbstverständlich meist stehen bei der Auswahl Optik und Pflegeleichtigkeit im Vordergrund. So kann man in manchen Gärten Eibe, Goldregen und Stechpalme nebeneinander wachsen sehen dass es giftige Bäume und Sträucher sind, wissen viele nicht.

Genau hinschauen

Weit verbreitet: Die Eibe (Taxus baccata) wird schnell einmal mit anderen Nadelbäumen verwechselt, ist aber giftig. 

Bei Erwachsenen kommt es oft durch Verwechslung zu Vergiftungen. Und dies wird durch das gestiegene Interesse an der Naturmedizin noch gefördert: Wer mit jungen Tannenschösslingen einen Sirup zubereitet, kann damit vielleicht den Husten lindern. Wer sich aber nicht mit Nadelbäumen auskennt und die Spitzen der Eibe erntet, riskiert so eine schwere Vergiftung, die im schlimmsten Fall zum Tod führen kann Kleinkinder sind generell besonders gefährdet.

Täuschende Ähnlichkeit

Riskante Schönheit Engelstrompete (Brugmansia suaveolens)

Oft ist nicht sicher, was die mögliche Vergiftung ausgelöst hat. Dann hilft ein Handy-Foto der verdächtigen Pflanze, sagt Jacqueline Kupper. Ein typischer Verwechslungskandidat im Frühling ist der Bärlauch, trotz seines eigentlich unverkennbaren Geruchs: Die Blätter der Herbstzeitlose und des Maiglöckchens beide giftig sehen ähnlich aus, und häufig wachsen sie erst noch gleich nebeneinander. Im Frühstadium ihrer Entwicklung sind viele Pflanzen für Laien schwer zu unterscheiden. Bevor er blüht, sieht der Weisse Germer (Nieswurz) aus wie Gelber Enzian, doch zum Schnapsbrennen sollte man Ersteren auf keinen Fall verwenden er ist sehr giftig. Ebenso wie der Fingerhut: Es gab einen Fall, bei dem jemand für seinen Smoothie statt Borretsch aus Versehen junge Fingerhut-Blätter verwendet hatte, erzählt die Tox-Info-Expertin.

Giftige Pflanzenwirkstoffe wurden in der Antike sogar schon zur biologischen Kriegsführung verwendet: An der Schwarzmeerküste beschenkte man die Gegner mit Pontischem Honig, den die Bienen aus Rhododendron-Blüten gesammelt hatten mit durchschlagender Wirkung: Die Krieger bekamen davon Brechdurchfall und waren leicht zu überwältigen.

Verlockende Beeren: Die Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna) ist eine der bekanntesten Giftpflanzen.

Aber auch Tiere können sich vergiften: Pferde sind wie Kinder und knabbern an allem herum, sagt Jacqueline Kupper. Daher sind Zäune oder Holzschnitzel aus Akazie, Eibe und Thuja für sie sehr gefährlich. Wenn gelangweilte Stubenkatzen von einem Lilienstrauss naschen, ist dies für sie ebenso riskant wie scheinbar Harmloses für andere Haustiere: Schokolade kann beim Hund zu Herzrhythmusstörungen und Krämpfen führen, Weintrauben oder Rosinen zu akutem Nierenversagen, warnt die Tierärztin.

Wer nicht an Grimms Märchen glaubt, sollte sich besser über Giftpflanzen informieren, etwa bei einer speziellen Führung, wie sie botanische Gärten anbieten. Im Zweifel Hände weg! und notfalls Tox Info 145 anrufen.

Notruf 145

Telefonische Beratung rund um die Uhr

Die gemeinnützige Stiftung Tox Info Suisse hilft bei Fragen rund um Vergiftungen: Über die Notfall-Telefonnummer 145 geben medizinische Fachpersonen rund um die Uhr gratis Auskunft.

Coop unterstützt diese wertvolle Dienstleistung finanziell.

Hinweise zur Vorbeugung im Internet unter: toxinfo.ch/praevention

Vergiftungsgefahren im Garten und im Haushalt. Führungen im botanischen Garten der Uni Basel Führungen im botanischen Garten der Uni Zürich Führungen im botanischen Garten der Uni Bern Führungen im botanischen Garten St. Gallen Veranstaltungen im Jardin Botanique in Freiburg Literaturtipp: Giftige Pflanzen für Klein- und Heimtiere