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Kinder(t)raum: Kindertagesstätte Baselini in neuem Glanz

In Rekordzeit haben Mitarbeiter von Coop Bau+Hobby mit tatkräftiger Hilfe der Erzieherinnen die Kita in Basel kostenlos verschönert.

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FOTOS
Elena Monti
30. Oktober 2017

Umbau

Kein Jubeln, kein Freudengeschrei. Ruhig und etwas verunsichert betreten die Kinder den Raum. Ist das unser Zimmer?, scheinen ihre Blicke zu fragen. Schritt für Schritt wagen sie sich vor, nehmen die für sie neue, hell und freundlich gestaltete Umgebung auf. Der Boden in Holzoptik und die dimmbaren Leuchten strahlen Wärme aus. Der platzraubende Spielturm ist verschwunden. Dafür stehen mobile Kleinkind-gerechte Spielhocker und Holzpodeste von Hand geschreinert da.

Kinder brauchen Zeit, das Neue zu erfassen, erklärt Baselini-Gründerin Rosa Pilgermann (49) die Szenerie. Die Kleinen sind vif, erforschen ziemlich schnell und dann ist kein Halten mehr. Das Spielen beginnt: Die Zwei- und Dreijährigen krabbeln durch die Holzmöbel, türmen die zugeschnittenen Klötzchen oder kuscheln sich im Tipi-Zelt. Das ist unser Zimmer, vermitteln ihre lachenden Gesichter.

Rückblende

Tage zuvor bietet sich ein anderes Bild. Das Baselini ist eine einzige Baustelle. Bodenleger, Elektriker, Schreiner und Maler haben die Kindertagesstätte, die als Gewinnerin aus über 330 Bewerbungen für die Verschönerungsaktion von Coop Bau+Hobby hervorging (wir berichteten), in Beschlag genommen. Auch die Erzieherinnen packen mit an, arbeiten Hand in Hand mit den Handwerkern. In jedem der vier Räume wird gebohrt, gesägt, geschliffen und gemalt. Täglich sind etwa sechs Profis von Bau+Hobby auf der Baustelle, darunter auch die Projektleiter Andy Vögtli und Heiri Bolzern

Alles, einfach alles ist schön. Ich hätte aber gerne mehr geholfen.»

Aiden (5), kleiner Heimwerker

Wir liegen nicht im Zeitplan, stellt Bolzern nüchtern fest. Diesen Satz wird der gelernte Hafner- und Plattenleger in den Folgetagen oft wiederholen. Für den Umbau ist eine Arbeitswoche kalkuliert. Ein kaum realistisches Ziel. Denn auf Baustellen gibt es immer einige Hürden; um ein Beispiel zu nennen: Der externe Bodenleger kommt mit dem Klick-System der Fliesen nicht klar, auf die Schnelle muss für ihn ein Ersatz gefunden werden, um die verlorene Zeit aufzuholen.

In der Kita ist was los!

Die meisten Kinder sind während des Umbaus in den Herbstferien. Buben und Mädchen, die nicht weg sind, werden einen Steinwurf entfernt im Baselini-Zusatzraum betreut. Natürlich entgeht ihnen nicht, was in der Kita vor sich geht. Heiri Bolzern nimmt sich Zeit und erklärt ihnen die Umbaupläne. Toll, das alte Spielpodest kommt weg, freut sich Lianne (7). Ihr Bruder Colin (9) findet gut, dass die Wände Farbe bekommen. Aufmerksam lauscht der fünfjährige Aiden den Worten des Bauleiters und fragt keck: Dürfen wir auch helfen?. Selbst Yara (2) will auch. Und so geschiehts, dass die Kinder tags darauf mit Malerhüten aus Zeitungspapier auf die Baustelle kommen und sich als Mini-Heimwerker mit Farbeimer und Pinsel vergnügen. Eine Baustelle ist aber kein Platz für Kinder und so heisst es für die kleinen Maler nach getaner Arbeit die Pinsel wieder den Grossen zu überlassen.

Toll. Das alte Spielpodest ist weg, jetzt hat es mehr Platz.»

Lianne (7), hatte Spass beim Malen

Hier muss sich was ändern

Im Vorfeld der Aktion diskutierte das Kita-Team mit Bau+Hobby und unter Einbezug eines Architekten viele Ideen und deren Machbarkeit. Unser grösster Wunsch war, den Spielturm zu entfernen, weil dieser für die kleinsten Kinder nicht zum Spielen geeignet war, erzählt Kita-Leiterin Desirée Weber (32). Ein einheitlicher Bodenbelag, rutschfest, robust und pflegeleicht, war ein weiterer Wunsch, ebenso wie die Neugestaltung der Terrasse. Wir sind überwältigt von den vielen realisierten Massnahmen, die unsere ursprünglichen Wünsche weitaus übertreffen, zeigt sie sich überglücklich aber auch erschöpft nach den intensiven Umbautagen.

Der zeitliche Rahmen war sehr knapp, bestätigt Christoph Theler, Chef von Bau+Hobby. Alle Beteiligten haben Riesiges geleistet, Eigeninitative entwickelt und Sinnvolles realisiert. Obwohl sie unter Zeitdruck standen, habe ich auf der Baustelle nur lachende Gesichter gesehen, zeigt er sich berührt vom Engagement. Alle haben angepackt und für ein Ziel gearbeitet. Das ist toll! Er kann sich darum vorstellen, die Aktion, deren Kosten sich auf rund 120000 Franken belaufen, im nächsten Jahr fortzusetzen

Baselini: Kindern Raum geben

Die Kita Baselini im Basler Neubad-Quartier wurde 2008 von Rosa Pilgermann gegründet. Sie bietet eine Ganztagesbetreuung für Kinder ab 3 Monaten bis
8 Jahren an. In den 180 Quadratmeter grossen Räumlichkeiten befand sich einst eine Bäckerei. Das Angebot der Kita mit 37 Plätzen nutzen rund 60 Familien aus der Umgebung. Das 12-köpfige Team steht unter der Leitung von Rosa Pilgermann und Desirée Weber. Es findet ein Generationenwechsel statt, sagt die Gründerin. Sie will sich langsam aus dem Kita-Alltag zurückziehen und sich vermehrt der pädagogisch-strategischen Konzeption widmen.

Das Baselini ist familiär und geprägt von Herzlichkeit, Offenheit und Authentizität, führt sie aus. Das sei unerlässlich, damit sich Kinder geborgen fühlen und Eltern Vertrauen haben. Die Betreuung lehnt sich unter anderem an die pädagogischen Ansätze einer achtsamen und beziehungsvollen Pflege sowie freien Bewegungsentwicklung nach Emmi Pikler an. Das Kind kann dabei selbstständig aktiv sein und vieles seiner Entwicklung entsprechend ausprobieren.

Kita Projekt bei Coop Bau&Hobby