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Motiviert: Wenn Kinder spielend lernen, macht das Lernen Spass

Dass schon Primarschulkinder für Informatik zu begeistern sind, zeigt ein Schweizer Professor. Bei ihm lernen sie Spiele programmieren.

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Rainer Eder
27. März 2017

Voll konzentriert: Programmieren ist eine faszinierende Herausforderung. Laptops an, Anleitung verteilt: Es kann losgehen mit der Entwicklung von Frogger. Nicht immer ist alles auf den ersten Blick klar. Bei Fragen helfen die Lehrpersonen weiter. Programmieren aus der Froschperspektive: Ablenken lässt sich hier kaum einer. Das Scalable Game Design Studio steht den Kinds jeden Mittwochnachmittag offen. Lernen funktioniert einfacher, wenn die Schulkinder es nicht müssen, sondern es wollen.

Laptops an, Anleitung verteilt: Es kann losgehen mit der Entwicklung von Frogger.

Nicht immer ist alles auf den ersten Blick klar. Bei Fragen helfen die Lehrpersonen weiter.

Programmieren aus der Froschperspektive: Ablenken lässt sich hier kaum einer.

Das Scalable Game Design Studio steht den Kinds jeden Mittwochnachmittag offen.

Zukunft

Der Frosch hüpft vom Anschauungsmodell

Schon allein darum wird sie wohl von vielen Lehrpersonen beneidet: Nachdem Nadine Stüber den Schülerinnen und Schülern kurz erklärt hat, was sie als Nächstes machen sollen, wird es still im Raum. Sehr still. Mit voller Konzentration arbeiten die Kids an ihren Computern an ihrem ersten eigenen Game.

Wir sind an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW in Windisch AG. Zehn Mädchen und vier Buben eine 6. Klasse aus Wangen bei Olten machen an diesem Vormittag die ersten Schritte im Programmieren. Ihr Klassenzimmer haben sie dazu mit dem Scalable Game Design STUDIO getauscht und ihre Klassenlehrerin Petra Ess gegen PH-Mitarbeiterin Nadine Stüber.

Das Spiel, für das sie ein Computerprogramm schreiben sollen, heisst Frogger und ist ein klassisches Jump-and-Run-Game: Ein Frosch (auf Englisch frog daher der Name) muss eine Strasse überqueren (ohne überfahren zu werden) und danach einen Fluss, in dem Baumstämme und Schildkröten in verschiedene Richtungen treiben. Um diese nicht ganz einfache Aufgabe ein Spiel programmieren zu lösen, nutzen die Schüler eine vom Computerwissenschaftler Alexander Repenning speziell entwickelte Programmierumgebung.

Hier bei uns bekommen die Kids nur wenige Erklärungen, um vergleichsweise komplexe Aufgaben zu bewältigen.»

Alexander Repenning,Computerwissenschaftler

Lernen als Grenzerfahrung

auf den Bildschirm der jungen Game-Designer.

Repenning hat sich an der Universität von Colorado USA seit vielen Jahren mit der Frage beschäftigt, wie die Jugend am besten fit gemacht wird für die Herausforderungen des digitalen Wandels. Seit drei Jahren ist der schweizerisch-amerikanische Doppelbürger Professor für Informatische Bildung an der PH, finanziert über die Hasler-Stiftung. Er ist überzeugt, dass bereits Primarschulkinder Programmieren lernen sollten. Nicht nur, weil es strukturiertes Denken fördert: Im klassischen Unterricht wird erst Wissen vermittelt, mit dem später Aufgaben zu lösen sind, erklärt Repenning. Hier bei uns bekommen die Kids nur wenige Erklärungen, um vergleichsweise komplexe Aufgaben zu bewältigen.

Dass die Schülerinnen und Schüler dabei manchmal nicht mehr weiter wissen, ist Absicht: Wenn sie an ihre Grenzen kommen und bei ihren Gspänli oder den PH-Mitarbeiterinnen nachfragen, bekommen sie eine Erklärung genau zu dem Zeitpunkt, an dem diese gebraucht wird. So bleibt viel mehr von der Theorie hängen, als wenn sie ohne praktischen Zusammenhang gelernt werden muss, erklärt Repenning.

Das leuchtet ein und es scheint tatsächlich zu funktionieren: Die Schülerinnen und Schüler haben offensichtlich Spass und sind mit Eifer bei der Sache obwohl Mathematik und Logik, die Grundlagen des Programmierens, sonst eher als langweilig und schwierig empfunden werden. Die von Repenning definierte Programmierumgebung lässt ihnen auch Raum für Kreativität: Der Frosch muss nicht immer grün sein, er kann auch rote Beine und einen blauen Körper haben. Das ist ein FCB-Frosch, meint einer der Jungs. Und ein Kollege hat einen ganz cleveren Weg gefunden, damit es sein Frosch in jedem Fall schadlos über die Strasse schafft: Ich lasse ihn einfach an der Seite des Spielfelds über den Tunnel laufen, aus dem die Autos herauskommen.

Die Schweiz ist führend

Kids wachsen an ihren Aufgaben davon ist Alexander Repenning (l.) überzeugt.

Nachdem Repenning und sein Team sich zunächst darauf konzentrierten, das Programmieren als Lernmethode bekannt zu machen, Lehrpersonen darin weiterzubilden und sich mit anderen Pädagogischen Hochschulen sowie ETH Zürich und EPF Lausanne zu vernetzen, sollen künftig Primarlehrer schon in der Ausbildung damit vertraut werden: Ab Herbstsemester 2017 steht das Fach an den Standorten Brugg, Liestal und Solothurn der Pädagogischen Hochschule FHNW auf dem Studienplan. Insgesamt 800 Studentinnen und Studenten werden so fit gemacht fürs Programmieren in der Schule. Da ist die Schweiz weltweit Vorreiter, sagt Repenning. Selbst Grossbritannien und die USA haben bislang keine derart systematische Lehrerausbildung in diesem Bereich.

Die IT-Branche, die hierzulande über Nachwuchsmangel klagt, wird sich freuen. Repenning geht es jedoch um mehr: Es muss nicht jeder Computerprogramme schreiben können. Aber ein grundlegendes Verständnis davon, wie Software funktioniert, ist meiner Meinung nach künftig unerlässlich.
Damit ist der Professor nicht alleine: Programmieren als Grundfähigkeit in der Schule neben Rechnen, Lesen und Schreiben das hat soeben an der IT-Messe CeBIT auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel propagiert.

Workshops und Kurse

Das Interesse wecken

Scalable Game Design STUDIO ist ein vom Schweizerischen Nationalfonds SNF unterstütztes Projekt an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz auf dem Campus Brugg-Windisch. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche für Informatik und Programmieren zu begeistern. Neben Workshops, Ferienkursen und Veranstaltungen für Gruppen (auf Anmeldung) wird schweizweit die Swiss Computerscience Educationweek angeboten. Zudem gibt es auch in der Ferienzeit jeden Mittwochnachmittag das Open STUDIO, bei dem die Kids unter fachkundiger Beratung und Betreuung an ihren Projekten weiterarbeiten oder neue Projekte beginnen können (keine Anmeldung erforderlich).

Alle Veranstaltungen sind in der Regel kostenlos. Weitere Informationen und die aktuellen Termine im Internet unter:www.gamedesignstudio.ch

Alle Jahre wieder: Swiss Computer Science Education Week So einfach: Online Spiele programmieren mit AgentCubes Red Bull Game Design Contest im Verkehrshaus Luzern Selber Spiele entwickeln mit Struckd Auch mit Lego kann man programmieren lernen