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Muki-Hit: Die Eltern sind Vorbilder

Damit sich Kleinkinder genügend bewegen, braucht es gar nicht so viel: etwas Platz und den Willen von Mami und Papi, ihnen diesen zu bieten.

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Peter Mosimann
10. April 2017

Auch die erfolgreiche Kunstturnerin Illaria Käslin (r.) hat klein angefangen.


Reportage

Christop Baumann entdeckte die Liebe zum Sport im Mukiturnen.

Eigentlich ist es ja eine erfreuliche Entwicklung: Gemäss einer Studie der Gesundheitsförderung Schweiz waren in den letzten Jahren weniger Kinder und Jugendliche übergewichtig oder gar adipös. Dennoch; es ist noch lange kein Grund zum Jubeln. So ist seit den Achtziger- jahren der Anteil an dicken Kindern in der Schweiz um 50 Prozent gestiegen; die krankhafte Fettsucht, die sogenannte Adipositas, tritt sogar doppelt so häufig auf.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Statt im Freien herumzutoben, sitzen viele Kinder lieber zu Hause vor dem Fernseher, dem Computer oder spielen mit dem Handy der Eltern und naschen fettige und süsse Sachen. Dabei geraten sie in einen Teufelskreis. Weil sie sich wenig bewegen, nehmen sie zu, und weil sie zugenommen haben, bewegen sie sich weniger. Eine gute Sache, um diesem Verhalten schon im Kleinkindalter entgegenzuwirken ist das Mukiturnen. Seit über 40 Jahren schon wird dabei durch vielseitige, abwechslungsreiche Erlebnislektionen die Freude an der Bewegung bei Kindern und deren Eltern geweckt, gefördert und erhalten.

Der 2016 initialisierte Coop Mukihit geht noch einen Schritt weiter. Wir besuchten eine Coop-Mukihit-Turnstunde in Seedorf BE, um uns ein Bild davon zu machen. Mit von der Partie waren auch die beiden erfolgreichen Schweizer Kunstturner Ilaria Käslin und Christian Baumann sowie Olivier Bur, Chef Ausbildung beim Schweizerischen Turnverband STV. Letzterer gab uns dabei Auskunft, warum sich sportliche Betätigung schon bei Drei- bis Fünfjährigen auszahlt.

Zum Coop Mukihit

Coop Mukihit

Bewegen Spielen Erleben!

Mit vielseitigen Spiel- und Bewegungsinputs, die sowohl in der Turnhalle als auch zu Hause umgesetzt werden können, wird eine optimale, ganzheitliche gesunde Entwicklung des Kindes gefördert. Der Coop Mukihit basiert auf einer Geschichte mit Tieren, deren Charakteren und den dazugehörigen Eigenschaften.

Im Gegensatz zum bereits etablierten Mukiturnen werden beim Coop Mukihit modular aufgebaute, fixfertige Lektionsinhalte schweizweit umgesetzt.

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Interview

Es ist besorgniserregend

Olivier Bur, Chef Ausbildung des Schweizerischen Turnverbandes STV.

Olivier Bur, warum ist es schon für Kleinkinder so wichtig, dass sie sich genügend bewegen?
Weil es der ganzheitlichen Entwicklung der Kinder hilft. Durch die Bewegung wird nicht nur die motorische Grundlagenentwicklung gefördert, sondern auch deren Hirnaktivität. Es gibt grundlegende Bewegungsfertigkeiten, die im Alter zwischen drei und fünf Jahren erlernt sein sollten.

Welche sind das?
Wir haben im Schweizerischen Turnverband STV Bewegungsformen entwickelt, die eine Basis für alle sportartenspezifischen Bewegungen bilden: Kriechen und Schlüpfen, Hüpfen und Springen, Steigen und Klettern, Ziehen und Stossen, Gehen und Laufen, Schwingen und Drehen, Werfen und Fangen sowie Heben und Tragen.

Inwiefern können die Eltern ihr Kind dabei unterstützen?
Dazu benötigt es nur ganz wenig. Es reicht, wenn die Eltern ihren Kindern einfach nur die Möglichkeit geben, sich zu bewegen. Der Rest passiert von ganz alleine. Denn der natürliche Bewegungsdrang ist bei jedem Kind vorhanden. Für ein kleines Kind ist es doch eigentlich schon eine Qual, wenn es nur eine halbe Stunde still sitzen muss.

Der natürliche Bewegungsdrang ist bei jedem Kind vorhanden»

Trotzdem sieht man in der heutigen Zeit immer mehr Kinder, die vor dem Fernseher sitzen, Computergames spielen oder sich die Zeit mit dem Handy der Eltern vertreiben.
Ja, und das ist besorgniserregend, aber nicht die Schuld der Kinder.

Sondern?
Der Eltern. Denn im Kleinkindalter sind diese das grosse Vorbild ihrer Sprösslinge. Was Mami und Papi machen, das will ich auch. Hängen also die Eltern ständig am Handy oder sitzen vor dem Fernseher, ist es logisch, dass die Kinder diese Verhaltensweisen übernehmen.

Hat sich das Bewegungsgefühl der Kinder gegenüber früher verändert?
Nein, das glaube ich nicht. Wenn man ihnen die Gelegenheit dazu bietet, lernen sie beispielsweise einen Purzelbaum genauso schnell wie die Kinder früher. Die Kinder vor 50 Jahren waren sportlich nicht talentierter. Nur gab es halt noch ein anderes Freizeit- und Bewegungsverhalten als heute.

Beim Coop Mukihit wird auch die Eltern-Kind-Beziehung gestärkt.

Welche Sportarten eignen sich denn für Kleinkinder?
In diesem Alter sollten die Kinder noch nicht monothematisch unterwegs sein.

Was heisst das?
Sich auf eine Sportart zu spezialisieren, macht in diesem Alter noch keinen Sinn. Zwischen drei und sieben Jahren sollte mehr Wert auf polysportive Erfahrungen gelegt werden. Hierfür eignet sich das Mukiturnen und später das Kinderturnen im Schweizerischen Turnverband STV optimal. Das ist die Basis und diese hilft den Kindern, wenn sie sich später auf eine Sportart spezialisieren wollen.

Beim Muki- oder auch Vakiturnen ist entweder die Mutter oder der Vater mit dabei. Warum ist es wichtig, dass die Eltern mit ihren Kindern Sport treiben?
Die Eltern begleiten den Entwicklungsprozess ihres Sprösslings aktiv mit. Als Beispiel: In diesem Alter sind die Kinder meist noch etwas scheu oder trauen sich noch nicht so viel zu. Wenn aber Mami oder Papi mitturnt, dann klappt es besser, denn sie helfen Grenzen zu überwinden und zu verschieben. So stärkt es auch die Eltern-Kind-Beziehung.

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