Wie entstehen Kugelblitze? | Coopzeitung
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Wie entstehen Kugelblitze?

Daruber rätseln die Wissenschaftler noch immer.

30. Juni 2014

Glück oder Zufall? Lange Zeit war die tatsächliche Existenz von Kugelblitzen umstritten, heute jedoch wird sie kaum mehr in Zweifel gezogen. Erst kurzlich ist es chinesischen Blitzforschern zufällig gelungen, einen Kugelblitz zu filmen und dessen Existenz endgultig zu beweisen. Allerdings gilt das Phänomen nach wie vor als sehr selten.

Laut oder leise? Kugelblitze sind je nach Augenzeugenbericht leuchtende, weisse, gelbe, orange, rote oder blaue Bälle mit einem Durchmesser von weniger als einem Meter. Sie erscheinen wie aus dem Nichts und verschwinden ebenso schnell wieder mit oder ohne Knall. Sie können in Gebäude eindringen, sind meist wirkungslos, können aber auch Zerstörungen und Verletzungen hervorrufen.

Erde oder Wasser? Seit vielen Jahren versuchen Forscher aus aller Welt dem Phänomen Kugelblitz auf die Spur zu kommen. Im Labor ist es schon ein paar Mal gelungen, Kugelblitze oder etwas Ähnliches zu erzeugen. Die Entstehung naturlicher Kugelblitze ist jedoch nach wie vor ungeklärt. So könnte er beim Einschlag eines normalen Blitzes in Sand oder Kieselerde entstehen. Oder aber er bildet sich uber Wasserflächen durch elektrische Ladung in einer gewittrigen Atmosphäre. Eine weitere Annahme lautet, dass ein Kugelblitz geboren werden kann, wenn ein Blitz in eine Wasserpfutze einschlägt.

Häufig kommt der Wissenschaft Kommissar Zufall zu Hilfe. So auch beim noch ungelösten Fall der Kugelblitze. Erst kurzlich gelang es chinesischen Blitzforschern, einen Kugelblitz zu filmen. Allerdings hatten die Wissenschaftler der Universität Lanzhou auf der Qinghai-Hochebene in Nordwestchina Gewitter filmen und analysieren wollen und zu diesem Zweck Messgeräte installiert. Plötzlich aber zeigte sich ein Kugelblitz. Das Tolle daran: Mit ihren Instrumenten konnten die Forscher den Kugelblitz nicht nur filmen, sondern mithilfe des ebenfalls aufgestellten Spektrometers auch dessen Innenleben chemisch analysieren. In der Fachzeitschrift Physical Review Letter veröffentlichten sie die Resultate der ersten wissenschaftlichen Vermessung eines Kugelblitzes. Er entstand innerhalb einer Tausendstel Sekunde an der Einschlagstelle eines regulären Blitzes und bewegte sich anschliessend mit einem Tempo von mehr als acht Metern pro Sekunde seitwärts, als die Leuchterscheinung des auslösenden Blitzes längst verschwunden war. Den Durchmesser des Kugelblitzes berechneten sie auf funf Meter viel grösser als bisher angenommen. Am hellsten leuchtete der Kugelblitz zu Anfang. Dann nahm die Helligkeit schnell ab, blieb danach aber längere Zeit konstant, bis das Leuchten schlagartig erlosch. Zu Beginn war der Kugelblitz lila, danach orange, weiss und schliesslich rot. Das könnte eine Erklärung fur die sich bis anhin zu widersprechen scheinenden Augenzeugenberichte sein. Eine genaue Analyse des vom Kugelblitz ausgesandten Lichts ermöglichte den Forschern einen Ruckschluss auf dessen chemische Inhaltsstoffe. Sie fanden Silizium-, Eisen- und Calcium- Ionen alles im Erdboden vorkommende Elemente, welche durch den Blitzeinschlag freigesetzt wurden. Die Chinesen vermuten nun, dass der Einschlag des Blitzes in den Erdboden zur schlagartigen Verdampfung von Material und zur Verglasung von Silizium fuhrt, dieses sich also unter dem Einfluss der noch durch den Blitz vorhandenen starken elektromagnetischen Felder zu filigranen, kugelförmigen Atomnetzwerken anordnet. Die Oxidation des Siliziums bringe die Kugel dann zum Leuchten.


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