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Kindergeburtstag: Ein besonderer Tag

Mit Freunden und Familie Geburtstag zu feiern, ist Kindern sehr wichtig. Der feierliche Anlass unterstützt sie bei ihrer persönlichen Entfaltung und stärkt den Familienzusammenhalt.

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Getty Images
12. November 2018

Der Geburtstag ist für Kinder auch eine Gelegenheit, ihre Umgangsformen zu trainieren.

Workshop im Museum, Nachmittag beim Lasergame, traditionelle Einladung zum Zvieri zu Hause, mit der Familie oder mit Freunden – Geburtstagsfeiern sind aus dem Leben von Eltern nicht mehr wegzudenken. Sie haben einen so hohen Stellenwert, dass oft sogar mehrere Feiern organisiert werden: sowohl in der Schule wie auch mit der Familie und natürlich den Freunden. Dabei ist das Geburtstagsfest als solches ein relativ neuer Brauch, wie der Autor Stefan Heidenreich (53) festgestellt hat. In seinem Buch «Geburtstag – warum wir uns selbst feiern» (erschienen im Hanser Verlag) schreibt er, dass dem Geburtstag bis ins Mittelalter kaum Beachtung geschenkt wurde, nicht zuletzt, «weil vor 1600 nur wenige Menschen ihren Geburtstag überhaupt kannten.»

Einladungskarte ist begehrt

Heutzutage hingegen ist der Geburtstag von Kindern ein Grund zum Jubeln, was zeigt, wie sich ihr gesellschaftlicher Status über die Jahrhunderte verändert hat. Sie stehen im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit, und «wir legen grossen Wert auf ihre Sozialisierung, da sie eine unverzichtbare Voraussetzung für ihre persönliche Entfaltung ist», analysiert die Kindheitssoziologin Régine Sirota, Professorin an der Universität Paris-Descartes. Für den Helden des Tages und seine Familie ist der Geburtstag «ein Brauch, der die Zugehörigkeit des Kindes zur Gruppe kennzeichnet».

«Eltern von heute sind sehr anspruchsvoll.»

Régine Sirota, Soziologin

Geburtstagseinladungen werden bereits ab dem Kindergarten verschickt. Und die begehrte Einladungskarte im Schulthek zeigt, wer eingeladen ist – und wer nicht. «Auf dem Pausenplatz ist der Satz ‹Du bist nicht eingeladen› zur Beleidigung geworden», erklärt die Soziologin. «Er kommt einem Ausschluss aus dem Freundeskreis gleich.»

Manieren trainieren

Der Geburtstag ist Teil des gesellschaftlichen Lebens und daher ein ideales Übungsfeld. An diesem Tag bekommen Kinder die Gelegenheit, soziale Verhaltensregeln kennenzulernen und ihre Umgangsformen zu trainieren: Sie lernen zu geben, zu empfangen, zu danken oder eine Einladung zu erwidern und so vielleicht Freunde fürs Leben zu finden. Auf keinen Fall soll ein Kind an seinem Ehrentag schlecht dastehen. Vielleicht werden Geburtstagsfeste deshalb immer häufiger zu einer Art Wettstreit zwischen den Eltern. «Kinder nehmen vom Kindergarten bis zur Jugend an durchschnittlich über hundert Geburtstagsfeiern teil», so Régine Sirota. «Und natürlich muss man sich immer neue Ideen einfallen lassen.»

In der Familie feiern

Eltern von heute sind sehr anspruchsvoll, betont die Soziologin Sirota. «Mit der Geburtstagsfeier möchten sie ihren Sprösslingen Erinnerungen an eine erfüllte Kindheit bescheren.» Aber braucht es dafür unbedingt die opulente Feier? Tatsache ist, dass ein besonders ausgefallenes und teures Fest nicht unbedingt am meisten Anklang findet. Oftmals genügt ein fröhliches Beisammensein mit jenen Menschen, die dem Kind am nächsten stehen: «Die Geburtstagsfeier in der Familie ist viel wichtiger als die Feier mit den Freunden», glaubt der Psychiater Robert Neuburger (78), Leiter des Zentrums für Familienforschung in Genf. Der Geburtstag sei ein Symbol für den Platz des Kindes innerhalb der Familie und stärke sein Zugehörigkeitsgefühl. «Diese familiäre Identität ist sehr strukturierend für das Kind», betont Robert Neuburger. «Es ist auch ein Ritual des Übergangs, eine Gelegenheit, um jedes vergangene Jahr zur Kenntnis zu nehmen: Das Kind ist zwar dasselbe, aber es ist gewachsen. Und die ganze Familie ist beisammen, um das anzuerkennen und sich gemeinsam darüber zu freuen», fügt der Psychiater hinzu.


TIPPS

Weniger ist mehr

Es muss nicht die perfekt durchgeplante Motto-Party sein: Je jünger das Geburtstagskind, desto wichtiger ist das freie Spielen mit Freunden. Passen Sie auch die Dauer des Anlasses dem Alter der Kinder an: Kindergärtler sind nach zwei, drei Stunden meist ausgepowert.

Wen einladen?

Natürlich möchten Kinder am liebsten alle ihre Gspänli einladen. Damit die Wahl leichter fällt, hilft eine einfache Faustregel: Das Kind darf so viele Gäste einladen, wie Kerzen auf der Geburtstagstorte brennen. Also sechs Kinder zum sechsten Geburtstag, zum Beispiel.

Kinder möchten helfen

Lassen Sie Ihr Kind unbedingt bei den Vorbereitungen fürs Fest mit anpacken: Es kann Einladungen basteln und gestalten, den Tisch decken, beim Dekorieren und Backen helfen. Das steigert die Vorfreude.

Vorbereitung ist alles

Stellen Sie ein kleines Party-Programm zusammen, das in etwa so aussehen könnte: Begrüssung, freies Spielen, geführte Spielideen, Geschenke auspacken, Kuchen essen, Verabschiedung. Sie werden staunen, wie schnell der Nachmittag vorüber ist.

Geschenkeschlacht vermeiden

Das Auspacken der Geschenke gehört zu den Höhepunkten des Fests. Damit jedes Präsent genügend Aufmerksamkeit erhält, empfiehlt es sich, ein Spiel daraus zu machen. Beim Flaschendrehen sitzen die Kinder meist artig im Kreis und warten, bis jedes einzelne Geschenk ausgepackt und bewundert worden ist.