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Trauer um Wautzi: Wenn der geliebte vierbeinige Gefährte stirbt

Wenn Büsi durch einen Unfall mit einem Auto oder ein Motorrad ums Leben kommt, oder Wautzi aufgrund eines bösartigen Tumors eines Tages von seinem Leiden erlöst werden muss, stehen schwere Zeiten an für Frauchen und Herrchen.

08. September 2011

Im Gegensatz zu ihrem Frauchen hält Siamdame Faye nicht viel von Ferien. Allzu gross ist das Heimweh, wenn das Büsi während des mehrwöchigen Sommerurlaubs als Gast in einer Tierpension untergebracht ist oder bei einer lieben Freundin von Frauchen Uschi Quartier bezieht. Was nur wenige Zweibeiner wissen: Falls Büsi oder Wautzi in einem fremden Haushalt wohnt, der sie über einige Wochen beherbergt und dort einen Schaden verursacht, haftet nicht der Tierhalter, sondern die Urlaubsvertretung.

Das Gejammer war gross, als die scheue Siamdame in ihre Reisebox buchsiert wurde. Schon das geschäftige Treiben von Frauchen machte sie nervös und als der Koffer aus dem Keller heraufgeholt wurde, war klar: Frauchen verreist aber ohne Faye! Diesmal sollte eine hilfsbereite Bürokollegin das Büsi während des dreiwöchigen Sommerurlaubs die Katzendame hüten. Die tierliebe Kollegin, früher selbst Katzenhalterin, freute sich auf den vierbeinigen Gast und richtete sogar extra eine Spielecke mit dem heissgeliebten Katzenbaum ein, damit sich Faye heimisch fühlt. Doch eines Tages, Fayes Herbergsmutter hatte gerade ihre Terrassenblumen gegossen und die Türe nicht gleich geschlossen, entwischte das Büsi nach draussen.

Flink sprang das Büsi über den Zaun und balancierte zum Nachbarn hinüber, wobei sie einige Blumentöpfe von der Mauer stiess. Der Schreck von Fayes Gastmutter war grösser als der Schaden: drei zerbrochene Blumentöpfe und Rosen, die es zu ersetzen galt. Was aber wäre gewesen, wenn Faye orientierungslos in der fremden Umgebung auf die Strasse gerannt wäre und einen Unfall verursacht hätte? Nur wenige wissen: In einem solchen Schadensfalls, einerlei wie hoch, greift nicht die Tierhaftpflichtversicherung des Tierbesitzers. Wird ein Hund oder eine Katze beim Nachbarn untergebracht, haftet dieser und nicht der Eigentümer für Schäden, die das Tier anrichtet, heisst es im Ratgeber Tier im Recht. Transparent der Stiftung für das Tier im Recht.

Eine nur kurzfristige Unterbrechung der tatsächlichen Gewalt über das Tier hingegen lasse die Haltereigenschaft hingegen nicht untergehen. Im Klartext: Hütet jemand Büsi oder Wautzi beispielsweise während eines Arztbesuches von Frauchen, so muss die Vertretung nicht für Schäden haften, die das Tier verursacht. In diesem Fall greift die Tierhaftpflicht des Besitzers. Um auf Nummer sicher zu gehen empfiehlt Kathy Maret, Sprecherin des Schweizer Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET): Als hilfsbereite Urlaubsvertretung sollte man sich vorsorglich bei der eigenen Versicherung erkundigen, ob ein eventueller Schaden durch den vierbeinigen Urlaubsgast über die Privathaftpflicht mitversichert wäre oder ob für die Vertretungszeit womöglich eine extra Tierhalterhaftpflicht abgeschlossen werden muss.

Ratgebertipp: Gieri Bollinger/Antonie F. Goetschel/ Michelle Richner / Alexandra Spring: "Tier im Recht transparent" Schulthess Juristische Medien AG, Zürich 2008 ISBN 978-3-7255-5620-5