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Der die Hunde wieder rennen lässt

Wie ein Schweizer Rehatechniker auf den Hund kam, ist eine abenteuerliche Geschichte. Und sie hat ein gutes Ende, denn Bellos erhalten ihre Bewegungsfreiheit wieder.

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zVg / Rehatechnik für Tiere
03. August 2012

Für Menschen gibt es Gehhilfen, Prothesen und Rollstühle, wenn sie nicht mehr auf ihren eigenen zwei Beinen vorankommen. Warum könnte es so etwas nicht auch für Vierbeiner geben?, fragte sich Roger Niederkofler und gründete mit seinem Geschäftspartner die Reha-Technik für Tiere in Reinach (BL). Das erste Unternehmen dieser Art in der Schweiz bietet seiner vierbeinigen Kundschaft massgefertigte Rollwagen und Rollstühle. Ob Rehpinscher, Dachshund, Dogge oder Leonberger - schon fünf bis dreissig Minuten nach der Anprobe trippeln die Patienten mit ihrem Gefährt los, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Nach einer Weile fangen die Hunde auch das Buddeln wieder an und scheinen das orthopädische Hilfsmittel einfach zu vergessen.

"Allerdings darf man sich das nicht so vorstellen, wie in einem Abenteuerfilm, in dem der Pirat mit seinem Holzbein durch die Gegend stapft", sagt Niederkofler, "eher wie in einem Wagen bei Ben Hur". Auch Balou, der Hund des Chefs, wird als Testfahrer eingesetzt. An dem kleinen Chihuahua erprobte Herrchen Prototypen aus Deutschland, Modelle aus den USA entsprachen qualitativ ganz und gar nicht seinen Vorstellungen. Die "Laufhilfen" aus dem Ruhrgebiet, entwickelt vom Rehatechniker Markus van den Boom, bewährten sich. Der gelernte Orthopädie-Techniker aus Bochum beschäftigte sich bereits seit acht Jahren mit der Reha-Technik für Tiere. Als sein eigener Hund Amadeus erkrankte, konstruierte er seinen ersten Hunderollstuhl. Damit kam auch eine neue Geschäftsidee ins Rollen, die nun auch in der Schweiz Erfolge verzeichnet.

Niederkofler war beeindruckt von den Möglíchkeiten für gehandicapte Vierbeiner und gründete im Februar diesen Jahres eine Dependance des deutschen Unternehmens. "Wir geben den Rollwagen dann noch den individuellen Feinschliff wie passgenaue Einstellungen und kümmern uns um Sonderwünsche des Kunden", berichtet der gelernte Rehatechniker. Je nach dem, wie die Bewegungsfreiheit der Hinterbeine eingeschränkt ist - zum Beispiel aufgrund von Altersschwäche, einer vorübergehenden oder bleibenden Lähmung, zur Entlastung bei Arthrose oder gar nach einer Amputation - wird für jeden Hund individuell ein Rollwagen oder Rollstuhl massgefertigt. "Denn jeder Hund ist anders, es gibt auch keine Einschränkung beim Gewicht, sogar für einen über 50 Kilo schweren Hund kann ein Gestell gemacht werden", erklärt Niederkofler.

Mindestens 840 Franken muss Herrchen oder Frauchen in eine Alu-Spezialanfertigung investieren, inklusive Beratung und Schulung. Beim Hunderollstuhl hat der Hund die Vorderläufe am Boden. Mit seinem Hinterteil ist er in eine Tragehilfe mit Rollen eingespannt. Der Rollstuhl ersetzt die Funktion der Hinterbeine vollständig, während ein Rollwagen die Hinterbeine als "Laufhilfe" entlastet. "Was wir hier machen ist keine Tierquälerei, im Gegenteil: Wir geben dem Tier ein grosses Stück Lebensqualität zurück", betont der erfinderische Rehatechniker.

www.rehatechnik-tiere.ch