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Familie

Der Hamster im Auto

Fast wäre es schief gegangen: Ein Hamster macht nicht ganz freiwillig einen langen Ausflug. Und auf dem Weg nach Hause ist er plötzlich verschwunden.

FOTOS
Alamy
30. Januar 2012

Hamster sind keine Kuscheltiere, einige der kleinen Nager aber lieben die Nähe zum Menschen.


Eine Freundin von mir hatte einen aussergewöhnlich zahmen Hamster. Das Weibchen hiess Susi und krabbelte gerne abends auf ihr herum, denn Hamster sind nachtaktiv. Eines Abends musste sie einen Besuch im Spital machen. Susi war wie immer bei ihr auf dem Sofa und versuchte in den Ärmel ihres Pullovers zu klettern. Kurzentschlossen und ohne lange nachzudenken nahm die Freundin die Hamsterdame in einer Transportkiste mit. Im Spital versteckte sie das Tierchen dann in ihrer Tasche, damit in den Gängen niemand den Schmuggel bemerkte.

Der Lift war voll mit Ärzten. Sie hatte ihre Hand in der Tasche, um zu verhindern, dass Susi herausschaute. Der Hamster mochte das gar nicht. Er biss heftig zu. Meine Freundin verzog das Gesicht und stöhnte, getraute sich aber nicht, die Hand zurückzuziehen. Vermutlich dachten die Ärzte, sie sei eine schwer kranke Patientin.

Kaum war der Spitalbesuch vorbei, ging es ohne Zwischenfälle zum Auto zurück. Dort kuschelte sich Susi in die Hamsterwatte in ihrer Transportkiste und schlief ein. Meine Freundin machte noch einen kurzen Zwischenstopp bei einem Lebensmittellladen. Susi, die immer noch schlief, liess sie im Auto. Was sollte schon passieren? Kaum zurück, bemerkte sie aber mit Schrecken, dass die Transportkiste durchgenagt und Susi verschwunden war. Die Freundin suchte überall im Auto: ohne Erfolg. Susi hatte ihrem Nagetier-Ruf alle Ehre gemacht. Aber wo steckte sie?

Alles Locken mit Guzeli und ihrem Schlafhäuschen nutzte nichts. Susi kam nicht. Die Freundin bereute den Ausflug inzwischen bitter. Sie fürchtete, dass sie ihren Hamster nie wiedersehen würde und wollte schweren Herzens nach Hause fahren. Doch plötzlich funktionierte der Autoblinker nicht mehr. Auch die Scheibenwischer liessen sich nicht mehr bewegen.

Mit einer gewissen Vorahnung fuhr sie schnurstracks zur nächsten Autogarage. Der Diagnostiker streckte den Kopf unter die Motorhaube und staunte. Viele Kabel waren durchgekaut. Es sah aus wie ein Marderschaden, und dennoch in einer Ecke sah er etwas Pelziges und hob einen Hamster aus der Motorhaube. Meine Freundin juchzte: Susi! Überglücklich nahm sie den verschlafenen, schmutzigen und nach Öl stinkenden Hamster in die Arme. Künftige Ausflüge beschränkten sich von da an wieder auf das Sofa.