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Lernen für die Katz

Wenn Tierärzte eine Weiterbildung machen, müssen sie lernen. Wenn sie aber Katzen haben, kann das schwierig werden, denn: Ein Hund liegt neben dem arbeitenden Frauchen, die Katze liegt auf der Arbeit.

FOTOS
Keystone
22. November 2012

Typisch Katze: Büsis legen sich gern vor den Computer natürlich dann, wenn man arbeiten will.


Auch Tierärzte müssen sich weiterbilden und ihr Wissen auf dem neuesten Stand halten. So setzte ich mich wieder einmal hin, um dicke Ordner zu wälzen und zu lernen. Gleich neben mein Bett hatte ich zu diesem Zweck ein kleines Pültchen gestellt. Endlich fand ich etwas Zeit dazu. Meine Katzen waren aber offensichtlich anderer Meinung. Während es sich die eine auf meiner Laptop-Tasche gemütlich machte, wollte die andere unbedingt zu mir auf die Laptop-Tastatur sitzen. Meine Laptop-Tasche war der Lieblingssitz meines Dackels, also liess ich die Katze ebenfalls drauf liegen. Wen stört es schon, eine braun-schwarz-beige behaarte Tasche zu haben?

Nach drei Umdrehungen aber begann sie mit dem Milchtritt. Ihre scharfen Krallen rissen jedes Mal den Stoff auf. Halt, halt!, rief ich. So geht das nicht! Victoria, weg von meiner Tasche! Völlig unbeeindruckt erhöhte die getigerte Katze ihre Krallenaktivität. Ich stand auf, zerrte meine Tasche fort und legte ihr ein spezielles Katzenbettchen hin. Katze, wie sie war, ignorierte sie das Bettchen und versuchte zur beiseitegestellten Tasche zu kommen. Schliesslich einigten wir uns, dass sie auf meine Tasche darf, wenn ein Tuch darüber lag.

Ich setzte mich erneut hin, um endlich anzufangen mit dem Lernen. Inzwischen aber war der schwarze Kater auf der Tastatur eingenickt. Wegnehmen war schwierig, denn er kann schon mal die Krallen zeigen, wenn man ihn weckt. Na ja, ich musste ja auch noch etwas aus einem Ordner lesen. Vorsichtig hob ich den Laptop mit der schlafenden Katze beiseite und legte den Order auf das Pültchen. Nach kurzem Herumblättern fand ich meine Stelle, die ich noch lernen musste. Kaum war ich zurechtgerückt, stieg der Kater auf meinen Ordner. Zwei Mal hob ich ihn fort, um blättern zu können. Doch jedes Mal stieg er von Neuem auf den Ordner.

Ich stand auf, um mir einen Kaffee zu machen. So konnte man nicht arbeiten! Vorsichtig hob ich den schwarzen Kater auf und legte ihn mir auf den Schoss. So konnte ich zwar nur einhändig schreiben und blättern (mit der anderen musste ich ihn kraulen, damit er blieb), doch wenigstens konnte ich lernen. Nach kurzer Zeit aber war der Ordner durchgelesen und ich benötigte den nächsten. Vorsichtig streckte ich mich, doch er war zu weit weg. Und mein Kater schlief inzwischen selig. Aufstehen ging also auch nicht. Mit einer Hand konnte ich keinen Lernstoff erreichen. Wecken wollte ich den schwarzen Kater nicht also blätterte ich den Ordner zurück und las ihn erneut. Damit man etwas gut lernt, muss man den Stoff ja immer wieder durchlesen.

(Coopzeitung Nr. 48/2012)