X

Beliebte Themen

Familie

Dicker Pelz, dünner Hund

Ein völlig verfilzter Hund kommt in die Praxis. Seine Besitzer sind in den Ferien, die Hundehüter hoffen, dass er nicht ganz geschoren werden muss. Doch daran führt kein Weg vorbei.

FOTOS
Keystone
07. Oktober 2013

Rastalook: So sieht ein gepflegtes Komondor-Fell aus.


Der Hund hatte einen Termin bei unserer Hundecoiffeuse. Er war so zugewachsen, dass man kaum mehr erkennen konnte, wo vorne und wo hinten war. Seine Überbringer sagten, es sei halt ein klassischer Outdoor-Bauernhund. Leider aber hatten die Landwirte die Rasse etwas unglücklich ausgewählt. Es war ein Mischling von einem ungarischen Hirtenhund, dem Komondor. Sie hatten nicht daran gedacht, dass ein so wolliger Hund viel Haarpflege benötigte. Entweder musste er immer wieder geschoren oder sein Pelz geordnet zu Zotteln gefilzt werden, damit er ein rastamässiges Aussehen erhielt.

Dieses Exemplar aber filzte in stinkenden Platten vor sich hin, denn niemand hatte sich um seine Haare gekümmert. Zudem hatte Kiral auch einen etwas eigenbrötlerischen Charakter. Er bewachte Haus und Hof sehr gut, doch von Menschen mochte er nicht gerne gekämmt werden. Auch der Schlamm und Kuhmist auf dem Hof waren für ein sauberes Fell nicht gerade förderlich.

Die Leute, die Kiral gebracht hatten, kümmerten sich während einer Ferienabwesenheit um den Hof. Sie wollten zuerst, dass wir ihn möglichst unauffällig etwas bürsteten, damit die Besitzer nichts merkten. Als ich ihnen dann aber die entzündete Haut unter den Filzplatten zeigte, waren sie einverstanden, Kiral wie ein Schaf scheren zu lassen. Schliesslich wurden die ungarischen Hunde ebenfalls zur Schafschurzeit geschoren. So voller Zötteli werden sie wohl kaum herumgelaufen sein, meinte ich. Kiral wollte aber nicht berührt werden, und schon gar nicht mit einer Schärmaschine. Also bekam er eine Sedation. Die Spritze konnten wir ihm nur verabreichen, während er einen Maulkorb trug. Danach ging es routiniert zu. Die Hundecoiffeuse schor und wir putzten Zähne, Ohren und kürzten die Krallen. Es erwachte ein schlaksiger, dünner weisser Hund. Neben ihm lag ein ebenso grosser Haufen stinkender Wolle. So, jetzt können Sie ihn langsam an das Bürsten oder Zöttelipflegen gewöhnen. Seine Haut macht ihm bald keine Probleme mehr und er wird besser stillhalten bei der Pflege, meinte ich. Der leicht rundliche Kunde bemerkte schmunzelnd, Kiral habe vor der Schur eher etwas dicklich ausgesehen, jetzt sei er so dünn. Vielleicht hilft mir Haareschneiden ebenfalls?

Falls Sie ein gravierendes Problem haben, können Sie eine Frage an Tierärztin Dr. Chantal Ritter stellen. Beachten Sie aber, dass Chantal Ritters Ratschläge eine erste Einschätzung der Lage sind, doch im Ernstfall nicht den Besuch eines Tierarztes ersetzen können. Die Tierarztsprechstunde finden Siein unserer Online-Tiercommunity.

Zu unserer Online-Tiercommunity Alle Inhalte der Coopzeitung zum Thema Tiere