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Ein stacheliges Problem

Die Wunde am Kopf der Katze will einfach nicht heilen. Schliesslich bekommt sie sogar noch eine zweite und beginnt, sich gegen die Behandlung zu wehren.

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ISTOCKPHOTO
28. Oktober 2013

Mein Freund, der Kaktus? Zum Köpfchenreiben wohl doch nicht ideal.


Gereizt stellte mir die Besitzerin ihre Katze auf den Tisch. Diese Wunde nervt mich langsam, sagte sie. Justin hatte ein schönes, glänzendes Fell. Bis auf eine kahle Stelle rechts neben seinen Schnurrhaaren. Ich habe bereits alles ausprobiert. Wundsalbe, Kamillentee nichts half! In der Tat sah man noch Cremereste an den Schnurrhaaren und der Pfote kleben. Reinlich wie Justin war, hatte er immer alle Salben sofort weggeputzt, doch das Fett hielt sich trotzdem hartnäckig im seidigen Fell.
Meine Versuche, Justin zu helfen, scheiterten. Selbst ein Futterwechsel funktionierte nicht. Verschiedene Mittelchen waren wirkungslos oder liessen sich nicht auf die Wunde streichen. Bald hatte er auch eine Wunde auf der anderen Gesichtsseite. Könnte es sein, dass Justin mit irgendetwas in Kontakt kommt, auf das er reagiert?, fragte ich verzweifelt, als er wieder einmal mit seinen Wunden auf meinem Praxistisch sass. Katzen streichen gerne mit dem Kopf an Gegenständen he-rum. Vielleicht ist es möglich, dass er immer wieder mit Waschpulver oder etwas anderem in Berührung kommt?

Die Besitzerin überlegte. Waschpulver sicher nicht. Putzmittel habe ich auch keine herumstehen. Er liegt sehr gerne in meiner Schmutzwäsche und sitzt stundenlang am Fenster. Wegen der Spatzen im Hof. Dann ist er immer aufgeregt und tigert auf dem Fensterbrett herum. Aber Köpfchenreiben sehe ich ihn selten. Wieder einmal verschrieb ich Justin ein Mittelchen, das wahrscheinlich nichts helfen würde, und gab der Besitzerin eine Hausaufgabe: Sie musste Justin in wöchentlichen Abständen jeweils aus einem Zimmer aussperren.
Lange hörte ich nichts mehr von Justin. Dann kam er gesund und hübsch zum Impfen wieder in die Praxis. Ich schaute mir seine Kopfseite an. Kein Härchen war verändert, keine Wunden mehr zu sehen.

Wie haben Sie das gemacht?, fragte ich verwundert. Die Besitzerin lächelte. Ohne Zutritt zur Stube ging es ihm sofort besser. Also begann ich dort systematisch, Justins Lieblingsobjekte auszutauschen. Beim Kaktus auf dem Fensterbrett wurde ich fündig. Meine Freundin meinte, sie habe gesehen, wie Justin sich am Kaktus das Köpfchen rieb. Dabei ist der doch voller Stacheln!

Falls Sie ein gravierendes Problem haben, können Sie eine Frage an Tierärztin Dr. Chantal Ritter stellen. Beachten Sie aber, dass Chantal Ritters Ratschläge eine erste Einschätzung der Lage sind, doch im Ernstfall nicht den Besuch eines Tierarztes ersetzen können. Die Tierarztsprechstunde finden Siein unserer Online-Tiercommunity.

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